Kiel-Be­ben er­schüt­tert Schulz

SPD-Kanz­ler­kan­di­dat muss jetzt auf NRW-Wahl hof­fen – CDU wit­tert Mor­gen­luft

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Mehr zum Wahl­aus­gang an der Küs­te In­ter­net auf noz.de im

Mar­tin Schulz weiß, was die St­un­de ge­schla­gen hat. Um 18.49 Uhr kommt er auf die klei­ne Büh­ne im Ber­li­ner Wil­ly-Brand­tHaus. Der wahr­schein­li­che Macht­ver­lust an der Küs­te tut Schulz höl­lisch weh: „Ich bin ent­täuscht. Das ist et­was, was un­ter die Haut geht.“Die SPD stürzt ab, liegt sie­ben Punk­te hin­ter der CDU.

Die schafft es, mit dem „No Na­me“Da­ni­el Gün­ther den nächs­ten Tri­umph nach dem Saar­land ein­zu­fah­ren. Zwar ste­hen schwie­ri­ge Ko­ali­ti­ons­ge­sprä­che be­vor – Gün­ther dürf­te der Pos­ten des Kie­ler Re­gie­rungs­chefs aber kaum zu neh­men sein.

Den Na­men Tors­ten Al­big er­wähnt Schulz kein ein­zi­ges Mal. An­de­re in der SPD-Spit­ze sind da we­ni­ger zim­per­lich. Kraft­aus­drü­cke wie „Hor­noch­se“fal­len. Al­big tra­ge zu 75 Pro­zent die Ver­ant­wor­tung für die Ka­ta­stro­phe, ha­be ein­fach zu vie­le Feh­ler ge­macht, sagt ei­ner.

Al­big ist der Sün­den­bock. Die­se Sicht­wei­se soll auch Scha­den von Schulz ab­wen­den. Der Kanz­ler­kan­di­dat be­fin­det sich in ei­ner ge­fähr­li­chen La­ge: Zwar dämpf­te er per­sön­lich stets die ge­wal­ti­gen Er­war­tun­gen, die mit sei­ner No­mi­nie­rung ver­bun­den wur­den. Nun aber hat er die zwei­te Wahl­plei­te in Fol­ge zu ver­ant­wor­ten.

Schulz will sich nicht klein­krie­gen las­sen. „Die SPD steckt sol­che Aben­de weg und geht er­ho­be­nen Haup­tes in die nächs­te Aus­ein­an­der­set­zung.“Die fin­det nächs­ten Sonn­tag in NRW statt. Dort muss Han­ne­lo­re Kraft ge­win­nen, sonst dürf­te Schulz voll­ends ent­zau­bert sein. Kraft spie­le in ei­ner an­de­ren Li­ga als Al­big, ma­chen sie sich bei der SPD Mut. Vor dem Al­bi­gDe­sas­ter ver­lor die SPD vor zwölf Jah­ren das letz­te Mal

ei­nen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten. Das war Peer St­ein­brück. Wo? In NRW.

Sie­ges­trun­ken träumt die CDU nun schon da­von, dass ihr Spit­zen­kan­di­dat Armin La­schet in Düs­sel­dorf Kraft ab­löst. „Auch da ha­ben wir al­le Chan­cen“, sagt der par­la­men­ta­ri­sche Ge­schäfts­füh­rer der Uni­on im Bun­des­tag, Micha­el Gros­se-Brö­mer.

Den CDU-Sie­ger Da­ni­el Gün­ther fin­det An­ge­la Mer­kel gut und er­fri­schend, heißt es. Der 43-Jäh­ri­ge war erst vor we­ni­gen Mo­na­ten an die Spit­ze des Lan­des­ver­ban­des ge­kom­men. Um­so grö­ßer ist jetzt in der Par­tei der Re­spekt vor ihm. „Vi­el­leicht reicht es ja für Schwarz-Grün“, froh­lockt ein Christ­de­mo­krat in der Par­tei­zen­tra­le. Die­se Farb­kom­bi­na­ti­on wün­schen sich nach zwei Gro­ßen Ko­ali­tio­nen und ei­nem Bünd­nis mit der FDP un­ter Mer­kel vie­le in der CDU.

Wie ha­ben Christ­de­mo­kra­ten ge­lit­ten, als die SPD zu Jah­res­be­ginn Schulz ins Ren­nen ge­gen die Kanz­le­rin ge­schickt hat­te. Die Um­fra­ge­wer­te für die So­zi­al­de­mo­kra­ten schnell­ten nach oben. Doch Mer­kel mahn­te zur Ru­he. Ge­ra­de lie­fert sie tol­le Bil­der in Se­rie. Vie­le in­ter­na­tio­na­le Gip­fel kom­men, bald wird sie mit Ba­rack Oba­ma am Bran­den­bur­ger Tor zu se­hen sein – Schulz muss sich et­was ein­fal­len las­sen.

Mar­tin Schulz Fo­to: dpa

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