Gün­ther versenkt Al­bigs Ko­ali­ti­on

Wahl­de­ba­kel für Kie­ler SPD-Amts­in­ha­ber – Her­aus­for­de­rer dreht die Stim­mung

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Aus für die „Dä­nen-Am­pel“an der För­de: Die CDU ge­winnt klar die Land­tags­wahl im Nor­den. SPD-Mi­nis­ter­prä­si­dent Al­big er­lei­det ei­ne bit­te­re Nie­der­la­ge. Ihm bleibt nur ei­ne klei­ne Chan­ce, sei­nen Pos­ten zu be­hal­ten.

KIEL. Ju­bel bei be­geis­ter­ten Schwar­zen, Schock bei schwer ge­schla­ge­nen Ro­ten: Die CDU hat die mit Span­nung er­war­te­te Wahl in Schles­wig-Hol­stein ge­gen die SPD ge­won­nen – und das über­ra­schend klar. Am En­de la­gen die Christ­de­mo­kra­ten mit Spit­zen­kan­di­dat Da­ni­el Gün­ther weit vor der SPD mit Mi­nis­ter­prä­si­dent Tors­ten Al­big, die be­trächt­lich un­ter 30 Pro­zent blieb.

Als die ers­ten Zah­len ein­tra­fen, schlu­gen sie bei den So­zi­al­de­mo­kra­ten ein wie ei­ne Bom­be. Nun spricht fast al­les da­für, dass Gün­ther Re­gie­rungs­chef wird. Al­bigs Ko­ali­ti­on mit Grü­nen und SSW (Süd­schles­wig­scher Wäh­ler­ver­band) ver­pass­te ei­ne Fort­set­zung deut­lich.

Vie­le Zei­chen ste­hen auf „Ja­mai­ka“, al­so ei­nem Bünd­nis aus CDU, FDP und Grü­nen. Mit dem kla­ren Vor­sprung der Uni­on wä­re ei­ne „Am­pel“aus SPD, FDP und Grü­nen kaum ver­mit­tel­bar. Die­se wä­re den Grü­nen zwar lie­ber, dar­an lie­ßen Spit­zen­kan­di­da­tin Mo­ni­ka Heinold wie Um­welt­mi­nis­ter Ro­bert Ha­beck kei­nen Zwei­fel. Doch sie ste­hen jetzt un­ter Wech­sel­druck. Soll­ten sie ihm nach­ge­ben, könn­te das die Grü­nen zer­rei­ßen. Ein Nein der Par­tei zu „Ja­mai­ka“ist kei­nes­falls aus­zu­schlie­ßen. Die Ent­schei­dung über ei­ne Ko­ali­ti­on wird wo­mög­lich noch span­nen­der als die Wahl. Der ge­schla­ge­ne Al­big (53) konn­te sei­nen Her­aus­for­de­rer Gün­ther (43) nicht in die Schran­ken wei­sen. „Das ist ein sehr, sehr bit­te­rer Tag“, räum­te Al­big ein. Gleich­wohl er­klär­te er, er kön­ne sich auch nach der Nie­der­la­ge ei­ne Re­gie­rungs­be­tei­li­gung vor­stel­len. Er sei schließ­lich der Mi­nis­ter­prä­si­dent. Die bun­des­wei­te Stim­mung pro CDU und kon­tra SPD schlug auch im Nor­den voll durch. Das Wahl­de­ba­kel ist aber auch ei­ne per­sön­li­che Nie­der­la­ge für den Amts­in­ha­ber, der im Wahl­kampf selbst­ge­fäl­lig wirk­te. Zu­dem dürf­te ein „Bun­te“-In­ter­view ei­ne be­acht­li­che Zahl weib­li­cher Wäh­ler ver­grault ha­ben. Al­big trans­por­tier­te dar­in im Hin­blick auf die Tren­nung von sei­ner Frau ein über­kom­me­nes Frau­en­bild. Nach­dem die SPD mo­na­te­lang in den Um­fra­gen vorn ge­le­gen hat­te, war das Stim­mungs­bild ge­kippt. Zehn Ta­ge vor der Wahl hat­te die CDU mit dem ehr­gei­zi­gen Spit­zen­kan­di­da­ten Gün­ther dann erst­mals die Na­se vorn.

Die Al­big-Ko­ali­ti­on hat­te in den letz­ten Jah­ren oh­ne gro­ßes Auf­se­hen re­giert. Die Steu­er­ein­nah­men in Re­kord­hö­he hal­fen da­bei, Haus­hal­te oh­ne neue Schul­den auf­zu­stel­len und ein In­ves­ti­ti­ons­pro­gramm für die teils ma­ro­de In­fra­struk­tur auf den Weg zu brin­gen. Doch CDU-Spit­zen­kan­di­dat Gün­ther ließ nicht lo­cker. Die Du­el­le mit Al­big im Hör­funk und im Fern­se­hen nutz­te er, um sich zu pro­fi­lie­ren. Mit For­de­run­gen nach Ab­schaf­fung des „Tur­bo“-Abiturs am Gym­na­si­um so­wie ei­ner Sen­kung der Grund­er­werb­steu­er dürf­te er ge­punk­tet ha­ben.

Den Kampf um Platz drei ge­wan­nen die Grü­nen vor der FDP. Mit Um­welt­mi­nis­ter Ro­bert Ha­beck als Zug­pferd setz­ten sich die Nor­dG­rü­nen von der schwä­cheln­den Bun­des­par­tei ab. FDPSpit­zen­kan­di­dat Wolf­gang Ku­bi­cki hat­te im­mer wie­der als Ziel ver­kün­det, mit ei­nem zwei­stel­li­gen Er­geb­nis dritt­stärks­te Par­tei zu wer­den. Da­für reich­te es nicht.

Ka­ri­ka­tur: Ger­hard Mes­ter

Strah­len­der Her­aus­for­de­rer, zer­knirsch­ter Ver­lie­rer: Wäh­rend Da­ni­el Gün­ther (links, Bild­mit­te) von der CDU ge­fei­ert wird, er­lebt Tors­ten Al­big ei­nen bit­te­ren Tag für die SPD. Fo­tos: dpa

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