Spä­te Rache

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Dirk Fis­ser d.fis­ser@noz.de

Nun sol­len In­spek­teu­re die Ka­ser­nen auf frag­wür­di­gen Um­gang mit der Wehr­macht hin un­ter­su­chen. In vie­len Fäl­len müs­sen sie da­für aber nicht in die Spin­de gu­cken. Es reicht ein Blick auf das Na­mens­schild am Ein­gang. Nach wie vor sind Ein­rich­tun­gen der Bun­des­wehr nach Wehr­macht-Grö­ßen be­nannt – et­wa Ge­ne­ral­feld­mar­schall Rom­mel.

Das ist nicht in Ein­klang zu brin­gen mit den of­fi­zi­el­len Richt­li­ni­en zum Tra­di­ti­ons­ver­ständ­nis in der Bun­des­wehr. Dort heißt es: „Ein Un­rechts­re­gime, wie das Drit­te Reich, kann Tra­di­ti­on nicht be­grün­den.“Wo ei­ne sol­che Dis­kre­panz zwi­schen ver­ord­ne­tem Selbst­ver­ständ­nis und ge­leb­ter Pra­xis be­steht, bleibt Raum für Aus­wüch­se, wie sie nun fast bei­läu­fig durch die Er­mitt­lun­gen ge­gen den mut­maß­li­chen Rechts­ter­ro­ris­ten und Ober­leut­nant Fran­co A. of­fen­bar ge­wor­den sind.

Das Pro­blem der Bun­des­wehr seit ih­rer Grün­dung ist, dass sie ide­ell wie per­so­nell die Nach­fol­ge­or­ga­ni­sa­ti­on der Wehr­macht war. Was zu­nächst auch von der Po­li­tik ge­wollt und ge­dul­det wur­de, wird erst in der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit be­kämpft. Dass der Er­folg da­bei bis­lang mä­ßig aus­ge­fal­len ist, war nicht erst seit den jet­zi­gen Ent­hül­lun­gen klar. An­ge­sichts von Mi­li­tär­ein­sät­zen und Tech­nik­pro­ble­men hat­te man im Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um aber wohl an­de­re Sor­gen als Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung. Das rächt sich jetzt.

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