Uni­on und SPD lie­fern sich Fern­du­ell

Weil wirft sei­nem Her­aus­for­de­rer Al­t­hus­mann bei Lan­des­lis­ten­par­tei­tag Rechts­ruck vor

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest - Von Klaus Wie­sche­mey­er Mehr Nach­rich­ten aus dem Nord­wes­ten auf noz.de/nie­der­sach­sen

Die bei­den gro­ßen nie­der­säch­si­schen Par­tei­en rüs­ten sich per­so­nell für den Wahl­kampf: Die Lan­des­lis­ten­par­tei­ta­ge wur­den auch zum Fern­du­ell zwi­schen Mi­nis­ter­prä­si­dent Weil und Her­aus­for­de­rer Al­t­hus­mann. HAMELN/HAN­NO­VER. Das Auf­stel­len von Lan­des­lis­ten sei wie „ei­ne Mi­schung aus Mi­ka­do, Schach und Sudoku“, sagt Nie­der­sach­sens CDU-Chef Bernd Al­t­hus­mann. Bei der Lis­ten­platz­ver­ga­be müs­sen Re­gio­nen, Be­find­lich­kei­ten, Er­fah­run­gen, Am­bi­tio­nen, Al­ters­struk­tur und Ge­schlech­ter­an­teil ei­ner Par­tei sorg­sam aus­ta­riert wer­den, sonst dro­hen re­gio­na­le Auf­stän­de, Kampf­kan­di­da­tu­ren und schlech­te Er­geb­nis­se.

Ge­mes­sen an die­sem An­spruch, ha­ben Nie­der­sach­sens Chefs von SPD und CDU am Sams­tag bei ih­ren Auf­stel­lun­gen in Hameln und Han­no­ver gu­te Ar­beit ge­leis­tet: Oh­ne grö­ße­re Über­ra­schun­gen und mit brei­ten De­le­gier­ten­mehr­hei­ten zurr­ten die Par­tei­en ih­re Kan­di­da­ten­lis­ten für die Bun­des­tags­wahl fest. Auf den vor­de­ren Plät­zen fin­den sich bun­des­po­li­ti­sche Zug­pfer­de: Spit­zen­kan­di­da­ten sind SPD-Frak­ti­ons­chef Tho­mas Op­per­mann und CDU-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en. Der bis­he­ri­ge SPD-Spit­zen­kan­di­dat Sig­mar Ga­b­ri­el fin­det sich erst auf Platz 25 der Lis­te wie­der. Er wol­le sein Man­dat in Salz­git­ter in Di­rekt­wahl ver­tei­di­gen. „Ei­nem Bun­des­tag, den ich nicht di­rekt ge­win­ne, will ich auch nicht an­ge­hö­ren“, sag­te der Au­ßen­mi­nis­ter.

Bei der SPD ha­ben es die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Su­san­ne Mit­tag (Del­men­horst, Platz 2) und Da­nie­la De Rid­der (Mit­t­e­lems, Platz 4) weit vor­ne auf die Lis­te ge­schafft. Bei der CDU ste­hen un­ter an­de­ren Ver­kehrsStaats­se­kre­tär Enak Fer­le­mann (Cux­ha­ven, Platz 3), Lan­des­grup­pen­chef Ma­thi­as Mid­del­berg (Os­na­brück, Platz 5) und Git­ta Con­ne­mann (Un­te­rems, Platz 7) auf vor­de­ren Po­si­tio­nen.

Bei der SPD ste­hen zu­dem Rai­ner Spie­ring (Os­na­brü­cker Land, Platz 9), Mar­kus

Pasch­ke (Un­te­rems, Platz 15) und Jo­hann Saa­t­hoff (Ost­fries­land, Platz 21) auf aus­sichts­rei­chen Plät­zen. Bei der CDU sind es As­trid Gro­te­lü­schen (Del­men­horst/Ol­den­burg, Platz 10), Rein­hard He­ge­wald (Ost­fries­land, Platz 15) und An­dré Berg­heg­ger (Os­na­brück-Land, Platz 22).

Um­fra­ge sieht SPD vor­ne

Die Auf­stel­lungs­ver­samm­lun­gen von CDU und SPD ge­rie­ten zum Schlag­ab­tausch der bei­den Lan­des­vor­sit­zen­den. In Hameln leg­te SPDLan­des­chef Ste­phan Weil mit

ei­ner neu­en Um­fra­ge vor: Ei­ner For­sa-Er­he­bung im Auf­trag der SPD zu­fol­ge sind die So­zi­al­de­mo­kra­ten in Nie­der­sach­sen erst­mals seit Jah­ren wie­der stärks­te Kraft im Land: 36 Pro­zent der Wäh­ler im Land wür­den dem­nach bei ei­ner Land­tags­wahl die So­zi­al­de­mo­kra­ten an­kreu­zen, die CDU kä­me nur auf 35 Pro­zent. Was Weil nicht er­wähn­te: Ei­ne Mehr­heit hät­te Rot-Grün nach der Um­fra­ge nicht – die Grü­nen stür­zen dem­nach auf 8 Pro­zent ab. Weil ging um­ge­hend in den Wahl­kampf­mo­dus über: Mit

der Wahl Al­t­hus­manns zum CDU-Chef sei ein „spür­ba­rer Rechts­ruck“ver­bun­den. Die CDU-Frak­ti­on im Land­tag ken­ne nur noch ein The­ma: „Die schein­bar dro­hen­de Is­la­mi­sie­rung der nord­deut­schen Tief­ebe­ne.“

Ru­he­puls von 60

Bernd Al­t­hus­mann wies den Rechts­ruck-Vor­wurf als „un­red­lich“zu­rück. „Ab­sur­der geht es nim­mer“, sag­te der CDU-Spit­zen­kan­di­dat. Er sei le­dig­lich in ei­ni­gen Punk­ten „un­be­quem“und „kon­se­quen­ter als die ak­tu­el­le Lan­des­re­gie­rung“. Die Um­fra­ge re­gis­trier­te Al­t­hus­mann mit ei­nem „Ru­he­puls von 60“. Die Wer­te stamm­ten aus dem April, als der Schul­zzug noch un­ter Dampf ge­stan­den ha­be. Frak­ti­ons­chef Björn Thüm­ler warf der SPD vor, aus Pa­nik al­te Zah­len zu ent­stau­ben. Die Par­tei ha­be „die Ho­sen ge­stri­chen voll“. Die wich­ti­ge­re Um­fra­ge sei die Wahl in Schles­wig-Hol­stein.

An­griffs­lus­tig zeigt sich Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) auf dem Lan­des­par­tei­tag in Hameln. Fo­to: dpa

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