Ur­teil vor Un­ter­su­chung ge­fällt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Dialog -

Zum Ar­ti­kel „Paris macht As­sad für Ga­s­an­griff ver­ant­wort­lich“(Aus­ga­be vom 27. April).

„Ei­ner­seits kann man er­leich­tert fest­stel­len, dass mehr als ein Jahr­zehnt nach den ,un­um­stöß­li­chen Be­wei­sen‘ zu Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen im Irak, wel­che – Zi­tat To­ny Blair – Groß­bri­tan­ni­en .in­ner­halb von 45 Mi­nu­ten er­rei­chen‘ wür­den, zu­min­dest ein we­nig Skep­sis die neu­er­li­chen Vor­wür­fe zu ei­nem Gift­ga­s­ein­satz im ira­ki­schen Nach­bar­land Sy­ri­en be­glei­tet. Dass auch Frank­reich nun nicht of­fen­ge­legt hat, wie genau es an sei­ne Pro­ben ge­langt sei, wur­de im Ar­ti­kel ,Paris macht As­sad für Ga­s­an­griff ver­ant­wort­lich‘ [. . .] er­wähnt. Eben­so we­nig er­wähnt die fran­zö­si­sche Sei­te, dass der so­ge­nann­te ,Ver­gleichs­fall‘ , der aus dem Früh­jahr 2013 für de­ren Er­kennt­nis her­an­ge­zo­gen wur­de, letz­ten En­des genau dar­an schei­ter­te, dass die Um­stän­de der Be­weis­auf­nah­me nicht rest­los ge­klärt wer­den konn­ten.

Die Art und Wei­se, mit der Un­ter­su­chun­gen des neu­er­li­chen Vor­falls am 4. April die­ses Jah­res sei­tens be­stimm­ter Staa­ten, al­len vor­an die USA, Groß­bri­tan­ni­en und eben auch Frank­reich, an­ge­gan­gen wur­den, stimmt mehr als be­denk­lich. Man kommt nicht um­hin fest­zu­stel­len, dass statt ei­ner Un­ter­su­chung, die Be­wei­se sam­melt, um dann ein de­fi­ni­ti­ves Ur­teil zu fäl­len, um­ge­kehrt di­rekt das Ur­teil ge­spro­chen und voll­streckt wur­de und erst da­nach Un­ter­su­chun­gen

durch­ge­führt wer­den, die of­fen­kun­dig dem be­reits ge­fäll­ten Ur­teil zu ent­spre­chen ha­ben. Wie zu­träg­lich für ei­ne ob­jek­ti­ve Auf­klä­rung die Durch­füh­rung von meh­re­ren sol­chen Un­ter­su­chun­gen ist, ist da­bei frei­lich ei­ne an­de­re Fra­ge.

Das Ur­teil voll­streck­ten die USA der­weil am 7. April mit ih­ren Marsch­flug­kör­pern ge­gen ei­ne sy­ri­sche Luft­ba­sis, in de­ren Fol­ge min­des­tens sechs Men­schen star­ben, noch be­vor der ers­te Be­richt der OPCW (Or­ga­ni­sa­ti­on für das Ver­bot che­mi­scher Waf­fen) vor­ge­legt wur­de. Der OPCWBe­richt vom 11. April spricht dann da­von, dass Sym­pto­me von ,Sa­rin oder ei­ner Sa­rin ähn­li­chen Sub­stanz‘ bei Op­fern

des An­griffs vom 4. April vor­lie­gen wür­den. Die Schwam­mig­keit der For­mu­lie­rung ver­wun­dert doch sehr. Den­noch scheint die For­mel zu gel­ten, dass Sa­rin, wie auch im­mer er­wähnt, au­to­ma­tisch die Schuld­fra­ge im Nach­hin­ein im ame­ri­ka­ni­schen Sin­ne klärt.

Frü­he­re Un­ter­su­chun­gen der UN wie auch OPCW aus dem Jahr 2013 schlos­sen da­mals mit­nich­ten aus, dass auch Re­bel­len in der La­ge ge­we­sen sind, che­mi­sche Sub­stan­zen ein­zu­set­zen. Be­son­ders in­ter­es­sant: Sei­tens der USA wur­de zu de­ren Schlag ge­gen ei­ne sy­ri­sche Luft­waf­fen­ba­sis er­klärt, dass man die­se ja nicht kom­plett zer­stört ha­be, um zu ver­mei­den, ,dass

Gift­gas frei­ge­setzt wird‘ . Man er­in­ne­re sich, dass auf rus­si­scher wie auch sy­ri­scher Sei­te eben genau die­se Ver­mu­tung an­ge­führt wur­de da­für, was am 4. April ge­sche­hen sei, näm­lich dass ein La­ger mit che­mi­schen Stof­fen, sei­tens der ,Re­bel­len‘ vor Luft­auf­klä­rung ver­steckt, ge­trof­fen wur­de. Ist es da­hin­ge­hend nicht er­staun­lich, dass die USA sich qua­si des­sel­ben Ar­gu­ments be­die­nen? Ist hier den USA, die ge­wis­ser­ma­ßen mit ei­ner Lü­ge über Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen das lan­ge Vor­wort zum sy­ri­schen Dra­ma ver­fass­ten, und ih­ren Ver­bün­de­ten in die­ser Fra­ge über­haupt zu trau­en?“

Cle­mens Fohs Os­na­brück

Fo­to: AFP

Marsch­flug­kör­per wer­den von ei­nem US-Kriegs­schiff auf ei­ne sy­ri­sche Luft­waf­fen­ba­sis ab­ge­feu­ert als di­rek­te Re­ak­ti­on auf den Gift­gas­an­griff in Sy­ri­en An­fang April.

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