Enochs: Da ha­ben mir die Wor­te ge­fehlt

VfL-Trai­ner lässt Kreis-Ri­tu­al aus – Groß­teil der Spie­ler schweigt – Gers­beck: Wa­ren zu schlecht – In­nen­band­riss bei Hei­der?

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport Regional -

Wer da­mit an­ge­fan­gen hat, weiß man nicht. Aber egal, ob nach Sieg oder Nie­der­la­ge – es ist in Fuß­ball-Deutsch­land mitt­ler­wei­le üb­lich, dass die Mann­schaft ei­nen Kreis bil­det. Auch am Sams­tag hat­ten sich be­reits Spie­ler des VfL Os­na­brück da­zu ver­sam­melt. Doch mit wü­ten­dem Blick stapf­te Trai­ner Joe Enochs an ih­nen vor­bei. Zu­vor hat­te er die meis­ten Spie­ler, wie eben­falls üb­lich, ab­ge­klatscht – doch im Kreis woll­te er nicht spre­chen. Enochs ging schnur­stracks in die Ka­bi­ne. Alex­an­der Der­cho folg­te auf dem Fu­ße.

Der Trai­ner ge­stand hin­ter­her ehr­lich: „Mir ha­ben die Wor­te ge­fehlt. Ich wuss­te nicht, was ich sa­gen soll­te.“ Am En­de, das ver­riet das Ge­sicht, hät­te er sich vi­el­leicht im Ton ver­grif­fen. Die Emo­ti­on muss­te erst ab­küh­len.

Ma­ri­us Gers­beck zeig­te spä­ter Ver­ständ­nis: „Der Frust muss­te ein­fach erst ein­mal raus. Das ist nor­mal, da kann man spä­ter noch mal drü­ber spre­chen“, sag­te der Tor­wart, der sich ne­ben Der­cho als Ein­zi­ger in der Mi­xed-Zo­ne den Fra­gen der Jour­na­lis­ten stell­te, wäh­rend aus der Ka­bi­ne der Gäs­te lau­te Mu­sik wum­mer­te und so man­cher Ju­bel­schrei über den ge­si­cher­ten Klas­sen­er­halt aus­ge­sto­ßen wur­de.

Die an­de­ren VfL-Pro­fis ver­schwan­den ab­ge­schot­tet durch drei Wer­be­wän­de, oder si­gna­li­sier­ten deut­lich Ver­letzt: Marc Hei­der zog sich wohl ei­nen In­nen­band­riss zu.

„kein Ge­sprächs­be­darf“, als sie aus der Ka­bi­ne tra­ten.

Na­tür­lich wa­ren auch Der­cho und Gers­beck ent­täuscht, nie­der­ge­schla­gen und auf der Su­che nach Er­klä­run­gen manch­mal um die pas­sen­den Wor­te rin­gend. Doch pro­fes­sio­nell über­nah­men sie Ver­ant­wor­tung

in dem bit­te­ren Mo­ment der Er­kennt­nis, dass mit der ver­mut­lich schlech­tes­ten Leis­tung der Sai­son ei­ni­ges Gu­tes ein­ge­ris­sen wor­den war. „Mag sein, die Chan­ce be­steht noch wei­ter“, sag­te Gers­beck: „Aber man muss rea­lis­tisch blei­ben.“

Groß sei der Frust, sag­te Gers­beck. „Wir ha­ben uns die gan­ze Sai­son Mü­he ge­ge­ben, da oben mit­zu­spie­len, und ha­ben uns viel vor­ge­nom­men, aber da­von viel zu we­nig um­ge­setzt“, be­ton­te der 21-Jäh­ri­ge und ge­stand: „Wir wa­ren heu­te ein­fach zu schlecht.“

Dass die Fans zur Halb­zeit laut pfif­fen, sei aus sei­ner Sicht „vi­el­leicht et­was früh ge­we­sen. Da wa­ren ja noch 45 Mi­nu­ten zu spie­len.“Aber am En­de konn­te er den „Un­mut“der Zu­schau­er ver­ste­hen.

Den­noch war es für ihn und Tei­le der Mann­schaft selbst­ver­ständ­lich, nach der Nie­der­la­ge in die Kur­ve zu ge­hen und sich für die Un­ter­stüt­zung zu be­dan­ken. Im­mer­hin die­ses Ri­tu­al wur­de ab­sol­viert. Nicht dar­an teil­neh­men konn­te Marc Hei­der. Der Stür­mer hat­te sich in der 67. Mi­nu­te ver­letzt und hum­pel­te, auf bei­den Sei­ten ge­stützt, vom Feld. Der Ver­dacht auf In­nen­band­riss mach­te den Tag für den VfL noch bit­te­rer.

Fo­to: Helmut Kem­me

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.