„Ges­tern Meu­sel­witz, mor­gen Ma­drid“

Är­ger in Dort­mund: Watz­ke sti­chelt ge­gen Tu­chel – Darm­stadt ver­ab­schie­det sich stil­voll

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Wer war der Ge­win­ner des Tages im Ta­bel­len­kel­ler?

Ku­ri­os: Kei­ner der sechs Kan­di­da­ten für den Ab­stiegs­platz 17 und den Re­le­ga­ti­ons­rang 16 ver­lor – aber nur der VfL Wolfs­burg (2:0 in Frank­furt) ge­wann und mach­te ei­nen gro­ßen Schritt. Den ver­pass­te in der Nach­spiel­zeit der FC Augs­burg, der mit ei­nem Sieg in Mön­chen­glad­bach den di­rek­ten Ab­stieg ver­mie­den hät­te. Ähn­lich knapp er­litt der FC In­gol­stadt den größ­ten Rück­schlag: Ein Sieg ge­gen Le­ver­ku­sen hät­te den FCI auf ei­nen Punkt an die Kon­kur­renz her­an­ge­bracht, jetzt sind selbst zwei Sie­ge kei­ne Ge­währ für ei­ne Chan­ce auf Ret­tung. Al­le üb­ri­gen Kan­di­da­ten kön­nen sich aus ei­ge­ner Kraft ret­ten. Am nächs­ten Sams­tag fin­den al­le neun Par­ti­en gleich­zei­tig (15.30 Uhr) statt. Bay­er Le­ver­ku­sen, das mit dem 1:1 in In­gol­stadt den di­rek­ten Ab­stieg aus­schloss, kann sich mit ei­nem Sieg ge­gen den 1. FC Köln vor der Re­le­ga­ti­on ret­ten. Soll­te der HSV nach sei­nem rest­los ent­täu­schen­den 0:0 ge­gen Mainz in Schal­ke ver­lie­ren, könn­te sich Mainz 05 (mit ei­nem Sieg ge­gen Frank­furt) ret­ten; Wolfs­burg (ge­gen Mön­chen­glad­bach) und Augs­burg (ge­gen Dort­mund) wür­de auf­grund der bes­se­ren Tor­dif­fe­renz ge­gen­über dem HSV be­reits ein Un­ent­schie­den zum Klas­sen­er­halt ge­nü­gen. Der HSV wür­de dann mit In­gol­stadt

(in Frei­burg) um den Re­le­ga­ti­ons­rang spie­len – vor­aus­ge­setzt, der FCI ver­liert nicht in Frei­burg.

Ist Leip­zigs Weg wirk­lich ei­ne Sen­sa­ti­on?

Na­tür­lich steht hin­ter dem Pro­jekt RB Leip­zig ei­ne Men­ge Geld, doch die Um­stän­de des ers­ten Bun­des­li­ga­jah­res er­lau­ben je­den Su­per­la­tiv. Al­les, was bis zum Auf­stieg ge­schah, war noch ein kal­ku­lier­tes und kal­ku­lier­ba­res Plan­spiel: 2009 in der Ober­li­ga auf dem Start­platz des SSV Ma­kran­städt ge­grün­det, 2010 Auf­stieg in die Re­gio­nal­li­ga, 2013 Auf­stieg in die 3. Li­ga, 2014 Auf­stieg in die 2. Bun­des­li­ga, 2016 Auf­stieg in die Bun­des­li­ga. Als „nor­ma­ler“Neu­ling wur­den die Leip­zi­ger zwar nicht emp­fan­gen, doch mehr als den si­che­ren Klas­sen­er­halt trau­te man dem Team nicht zu. Und jetzt, zwei Spiel­ta­ge vor Schluss, die di­rek­te Qua­li­fi­ka­ti­on für die Cham­pi­ons Le­ague. Auf dem Weg dort­hin brach RB

fast al­le Re­kor­de von Auf­stei­gern und Neu­lin­gen – mit der jüngs­ten und un­er­fah­rens­ten Mann­schaft der Li­ga; nur fünf Spie­ler hat­ten schon Bun­des­li­ga­luft ge­at­met. „Wir wer­den auch jetzt kei­ne be­kann­ten, teu­ren Stars ein­kau­fen. Wir wer­den un­se­rer Li­nie treu blei­ben, jun­ge, hoch­be­gab­te Spie­ler zu ent­wi­ckeln“, ver­sprach nach dem 4:1 in Ber­lin. Ralf Rang­nick, der seit Ju­ni 2012 in Leip­zig an Bord ist. Der schwä­bi­sche Fuß­ball-Tüft­ler ge­noss den Mo­ment mit ei­ner Rück­schau: „Vor vier Jah­ren stan­den wir noch auf ei­nem Ber­li­ner Schul­sport­platz und spiel­ten, um­ge­ben von Schnee­hau­fen, ge­gen Uni­on Ber­lin II…“. Ähn­lich dach­te Ver­tei­di­ger Mar­vin Comp­per: „Der ei­ne oder an­de­re von uns hat in der Vier­ten Li­ga noch ge­gen Meu­sel­witz ge­spielt, jetzt geht es nach Ma­drid oder so.“Trai­ner Ralph Ha­sen­hüttl strahl­te vor Stolz: „Wenn der gan­ze Druck weg­fällt, ist das wie ei­ne Ex­plo­si­on …“Das war der Start­schuss für ei­ne lan­ge Par­ty­nacht und drei freie Ta­ge.

Die Ab­schluss­sau­se steigt beim Heim­fi­na­le am Sams­tag – ge­gen Bay­ern Mün­chen.

Was ist ei­gent­lich bei Bo­rus­sia Dort­mund los?

In der Ta­bel­le nach dem Sieg ge­gen den Ri­va­len TSG Hof­fen­heim auf Platz 3, im DFBPo­kal im End­spiel und in der Cham­pi­ons Le­ague un­ter schwie­ri­gen Be­din­gun­gen un­glück­lich aus­ge­schie­den – das al­les nach den nicht ein­ge­plan­ten Ab­gän­gen von Il­kay Gün­do­gan, Hen­rich Mchi­tar­jan und Mats Hum­mels er­reicht mit ei­ner jun­gen Mann­schaft mit ho­hem Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al. Kaum zu glau­ben, dass in ei­ner sol­chen La­ge über den Trai­ner dis­ku­tiert wird. Doch bei Bo­rus­sia Dort­mund hat der Ge­schäfts­füh­rer die De­bat­te noch mal kräf­tig an­ge­facht. In ei­nem In­ter­view, das am Tag des Spiels ge­gen Hof­fen­heim er­schien, gab Han­sJoa­chim Watz­ke klar zu er­ken­nen, dass es zwi­schen ihm und Tho­mas Tu­chel

knirscht. Es wa­ren zwar nur An­deu­tun­gen und Wie­der­ho­lun­gen, doch es ist nach die­sem po­li­tisch ge­setz­ten In­ter­view klar, dass es kei­ne schnel­le Ver­län­ge­rung des bis 2018 lau­fen­den Ver­tra­ges ge­ben wird. Tu­chel re­agier­te kühl und be­herrscht auf die Sti­che­lei­en von Watz­ke: „Für das In­ter­view von Herrn Watz­ke ha­be ich vor dem Spiel kei­ne Ener­gie auf­ge­wen­det. Und das bleibt auch jetzt so.“Ge­flüs­tert wird am Bor­sig­platz be­reits über ein In­ter­es­se an Ju­li­an Na­gels­mann, dem ak­tu­el­len Stern am Bun­des­li­ga-Trai­ner­him­mel; das sei die Op­ti­on für den Som­mer 2018. Im Mo­ment al­ler­dings steht al­ler­dings in­fra­ge, ob Tu­chel sei­nen Ver­trag über­haupt er­fül­len darf – und ob er das über­haupt will.

Wie geht es wei­ter bei Darm­stadt 98?

Ei­ni­ge Wo­chen ha­ben sie den Ab­stieg mit be­ein­dru­cken­der Moral und star­ken Leis­tun­gen

hin­aus­ge­zö­gert, doch jetzt ist es amt­lich: Ein Jahr nach dem sen­sa­tio­nel­len Klas­sen­er­halt muss Darm­stadt 98 ab­stei­gen. „Na­tür­lich wa­ren wir dar­auf vor­be­rei­tet, aber wenn der Mo­ment dann ein­tritt, kämpft der ei­ne oder an­de­re doch mit den Trä­nen“, sag­te Prä­si­dent Rü­di­ger Fritsch nach dem 0:1 beim FC Bay­ern. Voll­mun­di­ge An­kün­di­gun­gen über ei­nen di­rek­ten Wie­der­auf­stieg ver­kniff sich Fritsch: „Das wird nicht un­se­re obers­te Prä­mis­se sein. Un­ser Ziel ist es, Darm­stadt im Pro­fi­fuß­ball zu eta­blie­ren. Das ist ei­ne Her­aus­for­de­rung.“Die geht der Club mit Trai­ner Tors­ten Frings an, der die Mann­schaft seit sei­nem An­tritt im Ja­nu­ar 2017 in bun­des­li­ga­rei­fe Form ge­bracht hat. Die Hy­po­thek der schwa­chen Vor­run­de mit nur neun Punk­ten war al­ler­dings zu groß. Frings will nun Leis­tungs­trä­ger wie Ha­mit Alt­in­top, Ay­taç Su­lu und Jé­rô­me Gon­dorf vom Blei­ben über­zeu­gen. Der Trai­ner-No­vi­ze ist die zen­tra­le Fi­gur der Darm­städ­ter Pla­nung.

Fo­to: im­a­go/Mat­thi­as Koch

Am nächs­ten Ziel: Trai­ner Ralph Ha­sen­hüttl und Sport­di­rek­tor Ralf Rang­nick fei­ern den Sprung in die Cham­pi­ons Le­ague.

Fo­to: Wit­ters

Exis­tenz­kampf: der HSVer Aa­ron Hunt im Du­ell mit dem Main­zer Je­an-Phil­ip­pe Gb­a­min.

Fo­to: im­a­go/Har­ten­fel­ser

Kon­flikt­kurs: BVB-Ge­schäfts­füh­rer Hans-Joa­chim Watz­ke, Trai­ner Tho­mas Tu­chel.

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