Hoch­tra­bend oder hoch woh­nend

Der Fa­mi­li­en­na­me Gor­ny kommt aus dem Pol­ni­schen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Von Win­fried Breid­bach

Neue-OZ-Le­se­rin Gi­se­la Gor­ny in­ter­es­siert sich für Her­kunft und Be­deu­tung ih­res Fa­mi­li­en­na­mens.

Der Nach­na­me Gor­ny, der bei ei­ni­gen Fa­mi­li­en auch in der Schrei­bung Gór­ny er­scheint, wird in Deutsch­land von et­wa 2300 Per­so­nen ge­tra­gen. Er ist in vie­len Re­gio­nen an­zu­tref­fen, vor al­lem aber in Nord­rhein-West­fa­len, wo fast die Hälf­te der Na­mens­trä­ger lebt. Das stärks­te Nest von Gor­ny ist für die Me­tro­po­le Ber­lin fest­zu­stel­len. Es gibt ei­ni­ge ähn­li­che Na­mens­for­men, die mit je­weils un­ter 100 Na­mens­trä­gern aber er­heb­lich sel­te­ner sind: Gor­ni, Gur­ny und Gur­ni.

Aus dem Wort- und Na­men­schatz der deut­schen Spra­che ist Gor­ny nicht zu er­klä­ren, da­her ist ein Blick auf die Nach­bar­län­der an­ge­bracht. In Ös­ter­reich, in der Schweiz und in den Nie­der­lan­den gibt es den Na­men zwar, dort ist er aber sehr sel­ten. In Po­len hin­ge­gen gab es im Jah­re 2002 je­weils ei­ni­ge Trä­ger der Na­mens­for­men Gor­ny, Gór­ni, Gur­ny und Gur­ni, wäh­rend die Schreib­wei­se Gór­ny bei über 7400 Per­so­nen auf­trat.

Der pol­ni­sche Na­me Gór­ny ist ein­deu­tig als Ur­sprung al­ler an­ge­führ­ten Na­men­va­ri­an­ten zu be­stim­men. Der Fa­mi­li­en­na­me ist iden­tisch mit dem pol­ni­schen Ei­gen­schafts­wort gór­ny (mund­art­lich auch gór­ni), das „obe­rer, hoch; er­ha­ben“be­deu­tet. Die­ses Ad­jek­tiv ist ei­ne Ablei­tung zum Wort gó­ra „Berg“. Als Nach­na­me be­zeich­ne­te Gór­ny vor al­lem den­je­ni­gen, der „oben“wohn­te, al­so an oder auf ei­nem Berg oder ei­ner sonst wie hö­her ge­le­ge­nen Stel­le. Doch auch die über­tra­ge­ne Be­deu­tung „er­ha­ben“im Sin­ne von „hoch­tra­bend, über­heb­lich“wird si­cher­lich in et­li­chen Fäl­len zur Ver­ga­be des Na­mens ge­führt ha­ben.

Im pol­ni­schen Sprach­ge­biet ist der Fa­mi­li­en­na­me seit dem Jahr 1383 be­zeugt. Im heu­ti­gen Po­len fin­det sich Gór­ny in al­len Re­gio­nen des Lan­des mit star­ken Kon­zen­tra­tio­nen in Ober­schle­si­en und im Raum Po­sen.

Der pol­ni­sche Buch­sta­be -ó- wird wie deutsch -u- ge­spro­chen, die Aus­spra­che von pol­nisch Gór­ny kann im Deut­schen als Gur­ni wie­der­ge­ge­ben wer­den. Bei den Na­men Gur­ny und Gur­ni han­delt es sich um ein­ge­deutsch­te For­men, die sich an der Aus­spra­che ori­en­tie­ren. Bei Gor­ny und Gor­ni da­ge­gen wur­de der im Deut­schen un­üb­li­che Ak­zent von Gór­ny und Gór­ni weg­ge­las­sen, wo­durch sich die Aus­spra­che än­der­te.

Im In­ter­net fin­den Sie die Fa­mi­li­en­na­men, die Dr. Breid­bach schon im Auf­trag un­se­rer Zei­tung un­ter­sucht hat. Un­ter www.noz.de/na­men kön­nen sie auf­ge­ru­fen wer­den. Wei­te­re Na­mens­vor­schlä­ge bit­te an na­mens­for­scher@noz.de sen­den.

Im In­ter­net fin­den Sie die Fa­mi­li­en­na­men, die Win­fried Breid­bach schon im Auf­trag un­se­rer Zei­tung un­ter­sucht hat. Un­ter www.noz.de/ na­men kön­nen sie auf­ge­ru­fen wer­den. Wei­te­re Na­mens­vor­schlä­ge bit­te an na­mens­for­scher@ noz.de sen­den.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.