Film­ar­beit im Ping­pong-Ver­fah­ren

Re­gis­seur Lars Mon­tag über sei­nen Ki­no­film „Ein­sam­keit und Sex und Mit­leid“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Mar­cel Ka­wen­tel Ei­ne Kri­tik zum Film fin­den Sie im In­ter­net auf noz.de/ki­no

Fas­sungs­los starrt Ecki die Ver­käu­fe­rin an der Fleisch­the­ke an, als sie ihm er­öff­net, dass es künf­tig kei­ne Wur­st­ab­schnit­te mehr ge­ben wird. Es ist der Be­ginn ei­nes von 13 Lust- und Lei­dens­we­gen, von de­nen „Ein­sam­keit und Sex und Mit­leid“er­zählt. Re­gis­seur Lars Mon­tag stell­te den Film jetzt im Ci­ne­ma-Ar­thouse vor.

„Be­ein­druckt“sei er ge­we­sen, er­zählt Mon­tag, als er Helmut Kraus­sers 2009 er­schie­ne­nen Ro­man „Ein­sam­keit und Sex und Mit­leid“ge­le­sen hat­te. „Die Fi­gu­ren ma­chen wirk­lich die ab­sur­des­ten Um­we­ge, um un­glück­lich zu wer­den und sich selbst im Weg zu ste­hen.“

Kraus­ser schrieb selbst ei­ne ers­te Dreh­buch­fas­sung, die Mon­tag dann über­ar­bei­te­te. So ging es im­mer wei­ter im Ping­pong-Ver­fah­ren, mit Un­ter­bre­chun­gen, da die Fi­nan­zie­rung des Films sich schwie­rig ge­stal­te­te. „Ich hof­fe, das war nicht das Letz­te, was wir ge­mein­sam ge­macht ha­ben“, sagt Mon­tag über die Zu­sam­men­ar­beit.

Der Re­gis­seur ist über Um­we­ge zum Film ge­kom­men. Da­bei hat er schon seit sei­ner Kind­heit im west­fä­li­schen Bün­de im­mer gern ge­filmt. Doch sei­ne Be­wer­bun­gen an Film­hoch­schu­len hat­ten zu­nächst kei­nen Er­folg, so­dass er in der Wer­bung und dann als Ka­me­raas­sis­tent ar­bei­te­te, bis er an der Kunst­hoch­schu­le für Me­di­en in Köln an­ge­nom­men wur­de. „Park­po­si­ti­on“nennt Mon­tag die­se Zeit, in der er im­mer­hin die tech­ni­sche Sei­te des Fil­me­ma­chens er­lern­te. „Im End­ef­fekt war al­les in der rich­ti­gen Rei­hen­fol­ge. Ich weiß beim

Dreh, wenn es tech­ni­sche Pro­ble­me gibt, war­um der Ton oder die Ka­me­ra die Zeit brau­chen, um das zu be­he­ben.“

Als größ­te Her­aus­for­de­rung bei der Ad­ap­ti­on von „Ein­sam­keit und Sex und Mit­leid“für die gro­ße Lein­wand be­schreibt Mon­tag das „Sor­tie­ren“der Ge­schich­ten. Von rund 30 Fi­gu­ren im Ro­man wur­de das Per­so­nal auf 13 ein­ge­dampft. Beim Cas­ting leg­te er Wert dar­auf, dass die Darstel­ler – wie Eva Lö­bau, Friedri­ke Kemp­ter oder Rai­ner Bock – in punc­to Be­kannt­heit et­wa auf ei­nem Le­vel lie­gen. So­gar die Mu­sik wur­de so auf­ge­nom­men, dass die ein­zel­nen Stim­men des Chors im Ki­no­saal ei­nen Sur­round-Ef­fekt er­zeu­gen und so das En­sem­ble-Ge­fühl auch akus­tisch trans­por­tie­ren.

Der In­halt des Films lässt sich schwer zu­sam­men­fas­sen, ob­wohl sich die ein­zel­nen Sto­rys im­mer wie­der kreu­zen und das The­ma des Schei­terns im Zu­sam­men­le­ben von Men­schen die Epi­so­den zu­sam­men­hält. Mon­tag, der zu­vor vie­le Fern­seh­stü­cke in­sze­nier­te und auch als Nächs­tes mit Ha­rald Krassnitzer ei­nen Zwei­tei­ler dreht, hat es ge­nos­sen, ab­seits des Main­streams „mal oh­ne Leit­plan­ke fah­ren zu dür­fen. Im Fern­se­hen ist es ja re­la­tiv ein­fach: Die Gu­ten dür­fen nicht rau­chen“, scherzt er. „Vie­le Ide­en, die sich wäh­rend mei­ner Fern­seh­pro­duk­tio­nen an­ge­sam­melt ha­ben und da nicht pass­ten, konn­te ich nun in die­ser Wun­der­tü­te los­wer­den.“

Gu­ter Din­ge: Lars Mon­tag beim Ge­spräch zu sei­nem Ki­no­film „Ein­sam­keit und Sex und Mit­leid“. Fo­to: An­dré Ha­ver­go

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