Auch mal Ne­ga­ti­ves gut fin­den

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Mat­thi­as Liedt­ke

Ob sich die Frau wirk­lich wohl­fühlt, die da so „ex­trem sym­me­trisch“auf der Büh­ne der rest­los aus­ver­kauf­ten, für sie be­droh­li­chen La­ger­hal­le steht, bleibt bis zum En­de of­fen. Die Fra­ge nach dem Sinn des Gan­zen scheint in­des be­ant­wor­tet, als Ha­zel Brug­ger für „Vor­der­fot­zig­keit“plä­diert, um auch Ne­ga­ti­ves gut fin­den zu kön­nen. Dass sie selbst die­se Über­le­bens­kunst be­herrscht, be­wies die be­gna­de­te Mi­s­an­thro­pin, die aus ei­nem de­pres­si­ven „Come­dy-Sper­mi­um“, der Schweiz und der Poe­tryS­lam-Sze­ne stammt, über­zeu­gend, in­dem sie an­stel­le des Mais et­wa den Tod an Snack­au­to­ma­ten, ent­lar­vend häss­li­che „Schnä­bis“und die Scham­lo­sig­keit von Kin­dern fei­er­te.

In ei­ner „evo­lu­tio­när nicht nor­ma­len“hu­mo­ris­ti­schen Ab­wehr­re­ak­ti­on ver­wei­ger­te sich die „trans­sym­pa­thi­sche“Stand-up-Ar­tis­tin dem Mei­nungs­t­er­ror, wand­te sich ex­pli­zit ge­gen das „Ab­fei­ern mo­ra­li­scher Über­le­gen­heit“, be­schrieb Be­zie­hun­gen als „Be­reit­schaft, dem an­de­ren beim Zer­falls­pro­zess zu­zu­schau­en“, und führ­te je­nes ty­pi­sche Klein­kunst­pu­bli­kum vor, dass sich eben „gro­ße Kunst nicht leis­ten“kön­ne. Ihr „pas­sier­tes“Pro­gramm re­zen­sier­te sie vor­sichts­hal­ber gleich schon mal selbst – in hel­ve­ti­schem „Schrift­deutsch“und mit fau­len Feuille­ton-Flos­keln. Ganz schön, aber auch sehr schön bö­se – und ir­gend­wie bös­ar­tig und lie­bens­wert zugleich.

Mi­s­an­thro­pin: Ha­zel Brug­ger. Fo­to: Eg­mont Sei­ler

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