Lu­thers Mo­na­te in Co­burg

Aus­stel­lung auf der Ves­te öff­net mor­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - Zahl­rei­che Hin­ter­grün­de, Ana­ly­sen, Re­zen­sio­nen und Bil­der zu Lu­ther fin­den Sie im In­ter­net auf noz.de/ re­for­ma­ti­on

15. April 1530 – Kar­frei­tag: 70 Edel­leu­te, 7 Rit­ter, 120 Rei­sen­de und Sol­da­ten rei­ten durch das Co­bur­ger Spi­tal­tor. Mit im Ge­fol­ge ist Mar­tin Lu­ther (1483–1546). Der un­ter der Reichs­acht ste­hen­de Re­for­ma­tor macht in der da­mals kur­säch­si­schen Stadt halt. Zum Augs­bur­ger Reichs­tag, wo die „Doh­len“, wie er sei­ne Geg­ner nennt, über ihn zu Ge­richt sit­zen, kann er nicht. Zu groß er­scheint die Ge­fahr, dort ver­haf­tet zu wer­den. Lie­ber be­ob­ach­tet er das Ge­sche­hen auf der hoch über der Stadt lie­gen­den Ves­te. Sechs­ein­halb Mo­na­te wird Lu­ther in Co­burg blei­ben.

120 Brie­fe ver­fasst

Das „Lu­ther-Zim­mer“ist Teil der Baye­ri­schen Lan­des­aus­stel­lung vom 9. Mai bis 5. No­vem­ber auf der Ves­te Co­burg. Sie trägt den Ti­tel „Rit­ter, Bau­ern, Lu­the­ra­ner“und ist Bay­erns zen­tra­ler Bei­trag zum Re­for­ma­ti­ons­jahr.

Wie einst der Wit­ten­ber­ger Mönch kann der Be­su­cher den Blick aus dem Fens­ter auf die Wei­te der Land­schaft ge­nie­ßen. Mö­bel ha­ben sich nicht er­hal­ten. Da­für ist der In­halt von Brie­fen und Schrif­ten Lu­thers über­lie­fert. An die 120 Brie­fe soll er hier ver­fasst ha­ben. Aus­zü­ge sind auf ei­ner rie­si­gen Dis­play­Wand les­bar. Wie von Geis­ter­hand no­tiert, er­schei­nen Pas­sa­gen in Schreib­schrift un­ter dem Knar­zen ei­nes Fe­der­kiels. Doch nicht nur mit Pri­vat­kor­re­spon­denz be­schäf­tigt sich der Re­for­ma­tor. Er ar­bei­tet an sei­ner Bi­bel­über­set­zung und for­dert, dass „man Kin­der zur Schu­le hal­ten soll“. Zu­dem plä­diert er für ei­ne all­ge­mein ver­ständ­li­che Spra­che.

Wer sich auf die Schau ein­lässt, er­lebt in en­gen Räu­men ei­nen dich­ten Über­blick über das 16. Jahr­hun­dert. Vie­les ist im Um­bruch. Die Rit­ter ha­ben ih­re ei­gent­li­che Auf­ga­be ver­lo­ren. Den Bau­ern bleibt die schwe­re Ar­beit. Bil­der auf Sup­pen­töp­fen zei­gen das Le­ben auf dem Land als ei­nes im Über­fluss. Die Rea­li­tät sieht an­ders aus. Im­mer at­trak­ti­ver wird die Stadt mit den ihr zu­er­kann­ten Frei­heits­rech­ten. „Stadt­luft macht frei“heißt es, hier kön­nen sich Hand­werk und Geist ent­fal­ten. Doch längst macht sich ei­ne „neue Drei­fal­tig­keit“ab­seits des Re­li­giö­sen breit: Ka­pi­tal, Ar­beit und Tech­nik.

Die Er­fin­dung des Buch­drucks macht dies mög­lich. Doch auch sei­ne Kri­ti­ker wis­sen da­mit um­zu­ge­hen. Am En­de steht die Spal­tung der Kir­che. Der Be­su­cher fin­det sich vor ei­nem Mau­er­riss wie­der und muss sich ent­schei­den: Geht er nach links den re­for­ma­to­ri­schen Weg oder wählt er den „rech­ten“ka­tho­li­schen?

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