Per App schnel­ler zum Not­fall

„Mo­bi­le Ret­ter“für die Re­gi­on sol­len Hel­fer­netz er­wei­tern

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrücker Land -

Bei Herz-Kreis­lauf-Still­stand zählt je­de Se­kun­de. Um Op­fern noch schnel­ler zu hel­fen, wer­den in Stadt und Land­kreis Os­na­brück bald so­ge­nann­te mo­bi­le Ret­ter per Smart­pho­ne in­for­miert.

Rund neun Mi­nu­ten ver­ge­hen, bis nach ei­nem No­t­ruf der Ret­tungs­wa­gen vor Ort ist. So heißt es bei Stadt und Land­kreis Os­na­brück, die ge­mein­sam ab dem 17. Ju­li die Erst­hel­fer-App ein­füh­ren. Gibt es bei Her­zK­reis­lauf-Still­stand in die­ser Zeit kei­ne über­brü­cken­de Hil­fe, kön­nen Schwerst­be­hin­de­run­gen oder so­gar Tod die Fol­ge sein. Das Fa­ta­le: „Op­fer und po­ten­zi­el­le Hel­fer sind oft nah bei­ein­an­der, wis­sen aber nichts da­von“, er­klärt Bär­bel Ro­sen­strä­ter vom Land­kreis Os­na­brück.

Die Erst­hel­fer-App soll das än­dern. Wenn ein No­t­ruf ein­geht, wird die Leit­stel­le die­sen in Zu­kunft nicht nur dem Ret­tungs­dienst, son­dern auch der App mel­den. Die­se or­tet und be­nach­rich­tigt den nächst­ge­le­ge­nen mo­bi­len Hel­fer. Ant­wor­tet die­ser nach ei­ni­gen Se­kun­den nicht oder lehnt be­zie­hungs­wei­se bricht den Ein­satz ab, be­kommt der nächs­te Be­scheid.

Idea­ler­wei­se sol­len die Hel­fer in cir­ca zwei Mi­nu­ten beim Op­fer sein. „In länd­li­chen Ge­bie­ten sind die Ent­fer­nun­gen na­tür­lich grö­ßer“, er­klärt ein Sa­ni­tä­ter. Nach­dem der Hel­fer den Ein­satz an­ge­nom­men hat, be­kommt er ei­nen di­gi­ta­len Aus­weis und De­tails wie die Adres­se. Die App lotst ihn dann wie ein Na­vi zum Be­trof­fe­nen. Wer er­kennt, dass die Ent­fer­nung doch zu groß ist, kann im­mer noch ab­leh­nen.

Al­ler­dings darf nicht je­der mo­bi­ler Ret­ter wer­den. „Hin­ter­grund­wis­sen ist schon not­wen­dig“, sagt Ro­sen­strä­ter. Zur Ziel­grup­pe ge­hö­ren des­halb voll­jäh­ri­ge Sa­ni­tä­ter, Feu­er­wehr­leu­te, Ret­tungs­schwim­mer und Ärz­te. Und selbst die müs­sen sich je­des Jahr in da­zu­ge­hö­ri­gen Schu­lun­gen noch ein­mal an­hö­ren, wie sie durch Herz­druck­mas­sa­ge und Be­at­mung rich­tig re­ani­mie­ren. Erst da­nach be­kom­men sie die Zu­gangs­da­ten für die App so­wie ei­nen klei­nen Beu­tel für den Schlüs­sel­bund mit Ein­mal­hand­schu­hen und Be­at­mungs­tuch.

Rund um den Ein­satz sol­len die mo­bi­len Ret­ter aus­rei­chend ge­schützt wer­den, zu­mal sie eh­ren­amt­lich ar­bei­ten: Sie sind wäh­rend­des­sen über die Leit­stel­le ver­si­chert und ha­ben da­nach Zu­gang zur Seel­sor­ge. Da­mit nie­mand per­ma­nent in Alarm­be­reit­schaft sein muss, kön­nen die per­sön­li­chen Be­reit­schafts­zei­ten in der App ein­ge­tra­gen wer­den. Auch ein Rück­zug aus dem Pro­gramm ist mög­lich.

Das be­ste­hen­de Ret­tungs­sys­tem sol­len die mo­bi­len Hel­fer laut Land­rat Micha­el Lüb­bers­mann nicht ab­lö­sen, son­dern er­gän­zen. „Wir wol­len die Zahl der po­ten­zi­el­len Hel­fer er­hö­hen“, so der Po­li­ti­ker. In­dem Stadt und Land­kreis die App ge­mein­sam nut­zen, sol­len Zu­stän­dig­keits­gren­zen ver­mie­den wer­den. „Zu­mal wir eh schon durch ei­ne ge­mein­sa­me Leit­stel­le ver­bun­den sind“, er­gänzt Dietrich Bet­ten­brock, Lei­ter der Os­na­brü­cker Feu­er­wehr. Ge­för­dert wur­de die Ein­füh­rung der mo­bi­len Ret­ter durch die Spar­kas­sen­stif­tung. Die Idee der Ers­ten Hil­fe per App stammt aus dem Land­kreis Gü­ters­loh, wo laut Web­site gut 550 Per­so­nen re­gis­triert sind. Wei­te­re Ge­bie­te wie das Ems­land oder die Graf­schaft Bent­heim sind eben­falls be­reits da­bei. Stadt und Land­kreis Os­na­brück wol­len mehr als 1000 Erst­hel­fer schu­len, Trai­ner gibt es bis­her 70. Das Ziel der Er­fin­der? In ganz Deutsch­land per App bei Herz-Kreis­lauf-Still­stand zu hel­fen. Teil­nah­me­in­for­ma­tio­nen fin­den In­ter­es­sen­ten aus der Re­gi­on dem­nächst auf www.mo­bi­le­ret­ter.de.

Vor­ge­stellt wur­de die App am Mitt­woch im Kreis­haus von Land­rat Micha­el Lüb­bers­mann (Mit­te) und Be­tei­lig­ten aus der Pra­xis. Fo­to: Swa­ant­je Heh­mann

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