Ma­cron mit 39 sie­ben­fa­cher Stief-Groß­va­ter

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke - Von Bir­git Hol­zer

Em­ma­nu­el Ma­cron wird mit 39 Jah­ren der jüngs­te Prä­si­dent Frank­reich – und ist im­mer noch ziem­lich un­be­kannt. Als „Ufo“be­zeich­nen die Me­di­en den Senk­recht­star­ter denn auch oft, der mit sei­ner ei­ge­nen Par­tei „En mar­che!“an­trat, ob­wohl er noch nie zu­vor in ein Amt ge­wählt wor­den war.

Zwar er­reg­te der smar­te Jung­po­li­ti­ker schon ei­ne ge­wis­se Neu­gier­de seit der Wahl von François Hol­lan­de 2012, der ihn als Wirt­schafts­be­ra­ter an ei­ne Schlüs­sel­po­si­ti­on setz­te. Der be­gab­te Kla­vier­spie­ler er­hielt den Bei­na­men „Mo­zart im Ély­sée-Pa­last“. Ma­cron galt als ei­ner der Haupt­ver­ant­wort­li­chen für den wirt­schafts­freund­li­chen Kurs, der auf so­zia­len Dia­log setz­te und den Un­ter­neh­men mit ei­ner mil­li­ar­den­schwe­ren Steu­er­ent­las­tung ent­ge­gen­kam.

Zu­vor ar­bei­te­te der Ab­sol­vent der Eli­te­hoch­schu­le ENA bei der re­nom­mier­ten Fi­nanz­kon­troll­in­spek­ti­on und stieg 2008 bei der Pri­vat­bank Roth­schild ein, wo er un­ter an­de­rem die Über­nah­me der Säug­lings­nah­rungs­spar­te des USPhar­ma­kon­zerns Pfi­zer durch den Nah­rungs­mit­tel­kon­zern Nest­lé ab­wi­ckel­te und in­ner­halb kur­zer Zeit Mil­lio­när wur­de. Im Wahl­kampf 2011/2012 schloss er sich Hol­lan­des Team an. Zwei Jah­re spä­ter mach­te Hol­lan­de Ma­cron zum Wirt­schafts­mi­nis­ter, den er wohl zu sei­nem Nach­fol­ger auf­bau­en woll­te – zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt. Doch die­ser woll­te nicht war­ten. Die müh­sa­me Um­set­zung von Re­for­men frus­trier­te ihn. Mit der Grün­dung sei­ner Be­we­gung „En mar­che!“(„Vor­wärts!“) 2016 schaff­te er ei­nen Über­ra­schungs­coup: We­der links noch rechts ste­he sie, er­klär­te Ma­cron, son­dern er ver­ei­ne al­le „Pro­gres­sis­ten“in der po­li­ti­schen Mit­te.

Am Je­sui­ten­kol­leg in Ami­ens lern­te er als Schü­ler sei­ne spä­te­re Frau Bri­git­te (64) ken­nen, die dort Leh­re­rin war, zu­dem ver­hei­ra­tet und Mut­ter von drei Kin­dern. In­zwi­schen ha­ben die Ma­crons selbst Nach­wuchs, und der neue Prä­si­dent ist mit 39 schon sie­ben­fa­cher Stief-Groß­va­ter.

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