In­ter­net als Fluch für De­mo­kra­tie

Skep­ti­sche Tö­ne bei NOZ-Dis­kus­si­on über Po­pu­lis­mus

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Burk­hard Ewert

Ge­fähr­det ein um sich grei­fen­der Po­pu­lis­mus die De­mo­kra­tie? Wie kann Ex­tre­mis­mus be­geg­net wer­den? Und wel­che Rol­le spielt das In­ter­net da­bei? Das wa­ren The­men ei­ner NOZ-Po­di­ums­dis­kus­si­on in Os­na­brück. Un­ter an­de­ren da­bei war Ver­fas­sungs­schutz-Prä­si­dent Hans-Ge­org Maa­ßen.

Kein Se­gen, son­dern eher ein mo­der­ner Fluch: Das In­ter­net ver­än­dert die De­mo­kra­tie nicht zum Bes­se­ren. Die­ses Fa­zit dräng­te sich auf, wenn man dem Chef des In­lands­ge­heim­diensts und den an­de­ren Po­di­ums­teil­neh­mern zu­hör­te. Das Auf­kom­men des Net­zes sei mit der Hoff­nung ver­bun­den ge­we­sen, Wis­sen wür­de un­mit­tel­bar ba­sis­de­mo­kra­tisch für je­den zu­gäng­lich und kei­nem mehr et­was ein­fach nur vor­ge­setzt wer­den. „Das Er­geb­nis ist aber ei­ne wah­re Ka­ta­stro­phe“, so Klaus-Pe­ter Schöpp­ner, lang­jäh­ri­ger Di­rek­tor des Bie­le­fel­der Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts Em­nid. „Die Fra­ge, was ist wahr, kön­nen wir nicht mehr klä­ren“, er­klär­te der De­mo­skop und rief die klas­si­schen Me­di­en auf, sich die­ser Ver­ant­wor­tung zu stel­len und bes­ser zu sein als je­mals zu­vor.

Selbst der den Neu­en Me­di­en denk­bar zu­ge­wand­te Prof. Dr. Thors­ten Quandt warn­te vor dem In­ter­net. An sei­nem In­sti­tut für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft der Uni­ver­si­tät Müns­ter be­fas­sen sich die Wis­sen­schaft­ler der­zeit ge­zielt mit der Fra­ge, ob und wie Mei­nung au­to­ma­ti­siert in so­zia­len Netz­wer­ken ma­ni­pu­liert wer­den kann. Er­geb­nis: Sie wird es. Täg­lich mas­sen­haft. Hin­zu kommt laut Quandt ei­ne ver­än­der­te, ag­gres­si­ve Dis­kus­si­ons­kul­tur, die sich in­zwi­schen aufs Den­ken aus­wir­ke. Es gel­te da­her, de­mo­kra­ti­sche Spiel­re­geln zu ver­tei­di­gen und jun­gen Men­schen über­haupt wie­der bei­zu­brin­gen. „Wer ei­ne an­de­re Mei­nung hat, muss nicht bloß­ge­stellt und an­ge­grif­fen wer­den, son­dern dem ge­bührt zu­nächst ein­mal Re­spekt“, for­der­te Quandt.

Maa­ßen bi­lan­zier­te: „Wir stel­len fest, dass es vie­le Ex­tre­mis­men so nicht gä­be, wenn es nicht die Mög­lich­keit gä­be, durch das In­ter­net zu mo­bi­li­sie­ren und zu agi­tie­ren.“Der Be­hör­den­chef for­der­te ei­ne ver­bes­ser­te po­li­ti­sche Bil­dung. Schöpp­ner drück­te es dras­ti­scher aus: „Po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen wer­den von ei­ner Mehr­heit der Ah­nungs­lo­sen ge­trof­fen.“Wah­len sei­en so ähn­lich, als wür­de ein Un­ter­neh­men ei­ne In­ves­ti­ti­ons­ent­schei­dung tä­ti­gen und da­bei je­den gleich­be­rech­tigt nach sei­ner Mei­nung fra­gen, den Be­triebs­wirt wie den Pfört­ner. Auch das sei ei­ne Ge­fahr für die De­mo­kra­tie, sag­te Schöpp­ner.

Die ak­tu­el­le De­bat­te um mög­li­che staat­li­che Ein­grif­fe in Wah­len ge­riet da fast in den Hin­ter­grund, ob­gleich Maa­ßen klar­mach­te, dass sich na­ment­lich Russ­land mit ge­heim­dienst­li­chen Mit­teln In­for­ma­tio­nen be­schafft ha­be, die es ihm er­mög­li­chen wür­den, viel­fach po­li­ti­schen Ein­fluss aus­zu­üben. Er ge­he al­ler­dings auch da­von aus, dass dies nicht nur Ak­ti­on, son­dern auch Re­ak­ti­on sei und dass an­de­re Län­der so­wie pri­va­te Ak­teu­re eben­falls auf die­sem Feld sehr ak­tiv sei­en.

NOZ-Agen­da: Im Me­di­en­zen­trum in Os­na­brück dis­ku­tier­ten Ver­fas­sungs­schutz­prä­si­dent Hans-Ge­org Maa­ßen, De­mo­skop Klaus-Pe­ter Schöpp­ner, NOZChef­re­dak­teur Ralf Gei­sen­hans­lü­ke und der Pro­fes­sor für On­li­ne-Kom­mu­ni­ka­ti­on Thors­ten Quandt (von links). Fo­to: Micha­el Grün­del

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