Frust über „Ma­cho“Al­big

SPD-Chef Schulz geht auf Dis­tanz – Ver­häng­nis­vol­les In­ter­view

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Bea­te Ten­fel­de

Auf der Ziel­ge­ra­den der Land­tags­wahl mach­te Schles­wig-Hol­steins Mi­nis­ter­prä­si­dent Al­big al­les an­de­re als ei­ne glück­li­che Fi­gur. Nach der Klat­sche am Wahl­tag ist sei­ne Zu­kunft un­ge­wiss.

SPD-Ver­lie­rer Tors­ten Al­big nimmt die ro­ten Ro­sen vom Chef, als wä­ren sie ver­gif­tet. Und ir­gend­wie ist es auch so. Der Strauß in Rot heißt Ab­schied. Schles­wig-Hol­steins SPD-Spit­zen­mann hat den ein­ge­preis­ten Sieg nicht ge­lie­fert. Er ist ein Mann der Ver­gan­gen­heit.

Ge­ra­de mal zwei Mi­nu­ten Zeit nimmt sich der SPD-Vor­sit­zen­de Mar­tin Schulz für den letz­ten Akt mit Al­big. „Wir sind nicht fröh­lich – und es hat kei­nen Zweck, so zu tun“, sagt der Kanz­ler­kan­di­dat. Er hat Rin­ge un­ter den Au­gen, das 2:0 der CDU – erst Sieg an der Saar, dann an der För­de – hat ihm of­fen­bar den Schlaf ge­raubt. Ge­ra­de­zu dank­bar nimmt Schulz am Mor­gen nach der Schlap­pe den Bei­fall treu­er Ge­nos­sen im Wil­ly-Brandt-Haus auf. „Es gibt manch­mal Mo­men­te im Le­ben, wo der Bei­fall wie war­mer Re­gen ist.“

Schulz re­det nicht her­um. „Die SPD ist in schwie­ri­ger La­ge. Aber wir sind ei­ne so­li­da­ri­sche Par­tei, die für Ge­rech­tig­keit kämpft, auch wenn sie Rück­schlä­ge ein­ste­cken muss“, sagt der Vor­sit­zen­de und dankt Al­big für ei­nen „gro­ßen Kampf und fünf Jah­re“als Mi­nis­ter­prä­si­dent in Kiel.

Nur Bruch­tei­le von Se­kun­den be­rührt Schulz die Hän­de von Al­big, als er die nach Wah­len ob­li­ga­to­ri­schen Blu­men über­gibt. „Wir sind so­li­da­risch und des­halb auch der Blu­men­strauß“, sagt der Kanz­ler­kan­di­dat noch. Soll wohl hei­ßen: Ver­dient hat Al­big die Blu­men nicht. Bei der Land­tags­wahl im Nor­den wur­de die SPD bei deut­li­chen Ver­lus­ten hin­ter der CDU nur zweit­stärks­te Par­tei. Die Hoff­nung, mit Wah­l­er­fol­gen in Schles­wig-Hol­stein und in NRW den Schulz-Hy­pe neu zu ent­fa­chen – sie ist vor­erst zer­stört.

Tat­säch­lich hat sich mas­si­ver Groll auf­ge­staut bei den Ge­nos­sen ge­gen Al­bigs „Ar­ro­ganz“und „Ma­cho-Ge­ha­be“. Es sei ein „Ka­pi­tal­feh­ler“ge­we­sen, dass der SPD-Kan­di­dat die Tren­nung von sei­ner Frau zum The­ma im Wahl­kampf mach­te. Ana­ly­sen zei­gen, dass ge­ra­de Frau­en rei­hen­wei­se von der Fah­ne gin­gen.

Al­big hat­te über sei­ne künf­ti­ge Ex-Frau in der „Bun­ten“ge­sagt: „Ich war be­ruf­lich stän­dig un­ter­wegs, mei­ne Frau war in der Rol­le als Mut­ter und Ma­na­ge­rin un­se­res Haus­halts ge­fan­gen.“Es ha­be nur noch ganz we­ni­ge Mo­men­te ge­ge­ben, in de­nen man sich „auf Au­gen­hö­he aus­ge­tauscht“ha­be. Die­se Aus­sa­ge des 53-Jäh­ri­gen, der jetzt mit ei­ner Mar­ke­tin­gUn­ter­neh­me­rin li­iert ist, lös­te nicht nur in Kiel Em­pö­rung aus. „Selbst­ge­fäl­lig­keit zahlt sich nicht aus“, hieß es im Brandt-Haus.

Im Par­tei­prä­si­di­um war wohl auch The­ma, dass der Kie­ler Ju­rist trotz fünf­jäh­ri­ger Re­gie­rungs­zeit kei­nen Amts­bo­nus er­wor­ben ha­be. In ei­ner Zeit, in der das Flücht­lings­the­ma in den Hin­ter­grund rü­cke, ha­be Al­big die Ab­schie­bung von Af­gha­nen ge­stoppt, ob­wohl de­ren Asyl­be­geh­ren ab­ge­wie­sen wor­den sei­en. „Da­für ha­ben die Bau­ern in Hu­sum kein Ver­ständ­nis“, sagt ein Ge­nos­se.

Als hoch­fah­rend ha­be es sich zu­dem er­wie­sen, den 43-jäh­ri­gen CDU-Geg­ner und letzt­end­li­chen Sie­ger Da­ni­el Gün­ther als Leicht­ge­wicht zu be­lä­cheln. Denn die­ser ha­be als „un­be­schrie­be­nes Blatt“vie­le Hoff­nun­gen ge­weckt – und die The­men an­ge­spro­chen, die die Schles­wig-Hol­stei­ner wirk­lich in­ter­es­sier­ten, hieß es.

Ka­ri­ka­tur: Klaus Stutt­mann

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