Im­mer noch die bes­te Re­gie­rungs­form

NOZ-Agen­da zu Po­pu­lis­mus: Wit­zi­ge Ide­en zur Ret­tung der De­mo­kra­tie und Auf­for­de­rung an die Me­di­en

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke - Von Ma­ri­on Trim­born

Dür­fen auch Dum­me wäh­len? Soll­te es vor Wah­len Wis­sens­tests ge­ben? Die Ex­per­ten hat­ten bei der NOZ-Agen­da zum The­ma Po­pu­lis­mus oft die La­cher auf ih­rer Sei­te.

OS­NA­BRÜCK. Die Idee hat Charme und ist si­cher je­dem schon ein­mal ge­kom­men: Könn­te man nicht ein­fach die Dum­men da­ran hin­dern, in ei­ner De­mo­kra­tie mit ab­zu­stim­men? Klaus-Pe­ter Schöpp­ner, lan­ge Jah­re Di­rek­tor des Bie­le­fel­der Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts Em­nid, stell­te da­zu bei der NOZ-Agen­da am Mon­tag­abend ei­ne pro­vo­kan­te The­se auf: „Es ist rich­tig zu sa­gen, die Mehr­heit der Wäh­ler hat kei­ne Ah­nung von Po­li­tik, die Mehr­heit ist dumm.“Schöpp­ners Vor­schlag lau­te­te: mit Bil­dungs­tests ge­gen­zu­steu­ern und statt ein­zel­nen Ab­ge­ord­ne­ten ei­ne Grup­pe von Ex­per­ten auf­zu­stel­len. „Das Er­geb­nis wür­de aus­ge­spro­chen span­nend“, mein­te der Mei­nungs­for­scher schmun­zelnd.

Ver­fas­sungs­schutz­prä­si­dent Hans-Ge­org Maa­ßen, qua Amt zu­stän­dig für die Be­ob­ach­tung der Fein­de der frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­schen Grund­ord­nung, kon­ter­te ge­schickt und brach­te vie­le im Pu­bli­kum zum La­chen: „Herr Schöpp­ners An­sich­ten sind ra­di­kal, aber nicht ex­tre­mis­tisch.“Je­der Bür­ger ha­be nun mal ei­ne Stim­me.

Ei­nig wa­ren sich die Gäs­te, dass schon in den Schu­len mehr auf po­li­ti­sche Bil­dung ge­setzt wer­den müs­se. Prof. Dr. Thors­ten Quandt von der Uni­ver­si­tät Müns­ter sag­te, schon mit elf oder zwölf Jah­ren kä­men Schü­ler mit ra­di­ka­len Ideo­lo­gi­en so­wie Por­no­gra­fie in Kon­takt. „Wir ha­ben kei­nen Un­ter­richt, der sie dar­auf vor­be­rei­tet“, kri­ti­sier­te der Wis­sen­schaft­ler. „Wir ha­ben Kin­der und Ju­gend­li­che zwei Jahr­zehn­te al­lein­ge­las­sen im di­gi­ta­len Raum.“

Die Gäs­te der Ver­an­stal­tung im NOZ-Me­di­en­zen­trum er­leb­ten bei der Ver­an­stal­tung zum The­ma Po­pu­lis­mus ei­ne le­ben­di­ge De­bat­te. Es gab durch­aus viel Kri­tik an der De­mo­kra­tie und auch an den Me­di­en, aber auch Ei­nig­keit im Lob auf die­se Staats­form. Maa­ßen sag­te: „De­mo­kra­tie ist die bes­te Re­gie­rungs­form, die wir hat­ten.“Der Mei­nungs­for­scher Schöpp­ner be­ton­te: „Die Lö­sung zur Ret­tung der De­mo­kra­tie be­steht nicht in ih­rer Ab­schaf­fung.“Wich­tig sei, Re­de und Ge­gen­re­de zu­zu­las­sen. „Wir müs­sen früh an­fan­gen in Schu­len mit de­mo­kra­ti­schem Wi­der­spruch.

„Den IS kann man auch als PR-Agen­tur an­se­hen, die kom­mu­ni­zie­ren über To­te.“Thors­ten Quandt, Di­rek­tor des In­sti­tuts für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft der Uni­ver­si­tät Müns­ter „Die Mehr­heit der Wäh­ler hat kei­ne Ah­nung von Po­li­tik, die Mehr­heit ist dumm.“Klaus-Pe­ter Schöpp­ner, Mei­nungs­for­scher und ehe­ma­li­ger Em­nid-Ge­schäfts­füh­rer „De­mo­kra­tie ist die bes­te Re­gie­rungs­form, die wir hat­ten.“Hans-Ge­org Maa­ßen, Prä­si­dent des Bun­des­amts für Ver­fas­sungs­schutz

Dass je­mand, der in­halt­lich mein Geg­ner ist, dass ich den nicht ver­nich­ten muss. Das muss neu ge­lernt wer­den in Zei­ten des In­ter­nets.“

Das Web sor­ge da­für, dass sich die Welt­sicht vie­ler Men­schen ein­enge – das be­klag­ten al­le Dis­kus­si­ons­teil­neh­mer. Über so­zia­le Me­di­en neh­men vie­le nur noch Mei­nun­gen wahr, die den ei­ge­nen ent­spre­chen. „In der gro­ßen wei­ten Welt gibt es übe­r­all ei­nen Spin­ner, der ei­ner ab­sur­den Mei­nung fol­gen kann. Die­se ab­sur­den Mei­nun­gen fin­den dann in den so­zia­len Netz­wer­ken ih­ren Wi­der­hall, wir spre­chen auch von Echo-Räu­men, und wer­den dort ver­stärkt“, er­klär­te der Ver­fas­sungs­schutz­prä­si­dent. Ra­di­ka­le wie der IS nut­zen ger­ne das In­ter­net. Prof. Quandt brach­te es auf die schlag­kräf­ti­ge For­mel: „Den IS kann man auch als PRA­gen­tur an­se­hen, die kom­mu­ni­zie­ren über To­te.“

An die Adres­se der Me­di­en hat­ten die Teil­neh­mer ei­ne ganz kla­re Auf­for­de­rung. „Es ist ei­ne Chan­ce für die tra­di­tio­nel­len Me­di­en und ei­ne Chan­ce für die De­mo­kra­tie, wenn die Me­di­en ei­ne Tor­wäch­ter-Funk­ti­on wahr­neh­men“, sag­te Maa­ßen. Qua­li­täts­me­di­en müss­ten fil­tern und be­wer­ten – dies sei maß­ge­bend für die De­mo­kra­tie. Denn In­for­ma­ti­on sei Grund­la­ge für die Wah­l­ent­schei­dung: „Wäh­ler brau­chen ei­ne wahr­haf­ti­ge Tat­sa­chen­grund­la­ge.“Auch Mei­nungs­for­scher Schöpp­ner for­der­te von den Me­di­en ge­prüf­te Tat­sa­chen. „Die Qua­li­täts­me­di­en, die Geld ha­ben, müs­sen sehr viel mehr in die­se In­for­ma­ti­on ste­cken.“Dass ge­gen Re­dak­tio­nen auch über So­ci­al-Me­dia-Ka­nä­le Stim­mung ge­macht wird, be­schrieb Sa­rah En­gel, So­ci­al-Me­dia-Spe­zia­lis­tin von NOZ Me­di­en. „Wir ha­ben Be­dro­hun­gen ge­gen Re­dak­teu­re aus un­se­rem Haus, auch Dif­fa­mie­run­gen ge­gen Na­tio­nen.“

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