Kri­mi­na­li­tät von links schnellt hoch

Po­lit-Straf­ta­ten stei­gen 2016 an

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest - Von Klaus Wie­sche­mey­er

Nie­der­sach­sen ver­zeich­ne­te 2016 ein Zehn­jah­res­hoch bei po­li­tisch mo­ti­vier­ter Kri­mi­na­li­tät. Vor al­lem die Zahl der Straf­ta­ten aus dem lin­ken Spek­trum nahm zu. Die CDU wirft der rot-grü­nen Lan­des­re­gie­rung Igno­ranz vor.

HAN­NO­VER. Die po­li­tisch mo­ti­vier­te Kri­mi­na­li­tät (PMK) in Nie­der­sach­sen nimmt zu: Die Po­li­zei re­gis­trier­te im ver­gan­ge­nen Jahr 3974 Delikte. Das sind 18 Pro­zent mehr als 2015 und der höchs­te Wert seit zehn Jah­ren. Ein Teil des Zu­wach­ses ist auf ei­ne ein­zi­ge Ver­an­stal­tung zu­rück­zu­füh­ren: Im März 2016 gab es in Han­no­ver ei­ne zen­tra­le Kund­ge­bung zum kur­di­schen Neu­jahrs­fest Ne­w­roz. Da­bei zeig­ten Teil­neh­mer zahl­rei­che Sym­bo­le der ver­bo­te­nen kur­di­schen Ar­bei­ter­par­tei PKK – die Po­li­zei zähl­te 321 Fäl­le.

Al­ler­dings gibt es auch kla­re Trends: Wäh­rend die Straf­ta­ten von rechts mit 1774 auf ho­hem Ni­veau leicht rück­läu­fig wa­ren, schnell­ten die von links deut­lich nach oben. Die Po­li­zei ver­zeich­ne­te 2016 ins­ge­samt 1181 links mo­ti­vier­te Straf­ta­ten (2015: 797), bei den Ge­walt­de­lik­ten stieg die Zahl um 54,4 Pro­zent auf 227.

In­nen­mi­nis­ter Bo­ris Pis­to­ri­us (SPD) führ­te den An­stieg vor al­lem auf Atta­cken auf „rechts­ex­tre­mis­ti­sche und -po­pu­lis­ti­sche Par­tei­en“im Vor­feld der Kom­mu­nal­wahl im ver­gan­ge­nen Herbst zu­rück. Ein Drit­tel der ge­mel­de­ten Straf­ta­ten sei­en auf Sach­be­schä­di­gun­gen und Dieb­stäh­le von Pla­ka­ten und Ähn­li­chem zu­rück­zu­füh­ren. Doch auch vor mas­si­ver Ge­walt ma­chen die Tä­ter nicht halt: 125 Po­li­zis­ten wur­den 2016 ver­letzt, zu­dem kam es ins­be­son­de­re im Raum Göt­tin­gen zu kör­per­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Rech­ten und Lin­ken. Der Ein­satz von Ge­walt wer­de „als pro­ba­tes Mit­tel“der Aus­ein­an­der­set­zung an­ge­se­hen, klag­te Re­fe­rats­lei­ter Axel Brock­mann aus dem In­nen­mi­nis­te­ri­um.

In Göt­tin­gen, seit Jahr­zehn­ten Schwer­punkt lin­ker Straf­ta­ten im Land, hat die Po­li­zei mitt­ler­wei­le ei­ne Er­mitt­lungs­grup­pe ein­ge­setzt. Pis­to­ri­us kün­dig­te am Mon­tag über­dies für die kom­men­den Mo­na­te ein Hand­lungs­kon­zept ge­gen PMK von links an. Ein ent­spre­chen­des Pro­gramm ge­gen rech­te Straf­ta­ten gibt es schon seit Jah­ren und wur­de erst im April über­ar­bei­tet. Pis­to­ri­us er­klär­te zur Be­grün­dung, das Kon­zept brau­che län­ger, weil der Links­ex­tre­mis­mus wis­sen­schaft­lich we­ni­ger er­forscht sei. Gleich­wohl wür­den die Be­hör­den al­le Ar­ten von po­li­ti­scher Kri­mi­na­li­tät glei­cher­ma­ßen ver­fol­gen. „Na­tür­lich ist die Lan­des­re­gie­rung nicht auf dem lin­ken Au­ge blind“, sag­te er.

Ge­nau das sieht die op­po­si­tio­nel­le CDU an­ders. Die in­nen­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Frak­ti­on, An­ge­li­ka Jahns, warf Pis­to­ri­us „ge­fähr­li­che Ver­harm­lo­sung“und „po­li­ti­sche mo­ti­vier­te Igno­ranz“vor. So ha­be der Mi­nis­ter bis heu­te „kein ernst zu neh­mens Kon­zept“ge­gen Links­ex­tre­mis­mus vor­ge­legt. Die CDU ver­mu­tet da­hin­ter Rück­sicht­nah­me der SPD ge­gen­über dem grü­nen Ko­ali­ti­ons­part­ner. „Je län­ger die Lan­des­re­gie­rung lin­ke Ge­walt ge­ra­de in Süd­nie­der­sach­sen ba­ga­tel­li­siert, des­to mehr spielt sie den Rech­ten in die Kar­ten“, sag­te Jahns. Die­se als Re­ak­ti­on auf Rech­ten-De­mos im Raum Göt­tin­gen her­un­ter­zu­spie­len tra­ge Zü­ge ei­ner „ge­fähr­li­chen Ver­harm­lo­sung“.

Fo­to: dpa

In­nen­mi­nis­ter Bo­ris Pis­to­ri­us (rechts) und Re­fe­rats­lei­ter Axel Brock­mann muss­ten am Mon­tag stei­gen­de Zah­len bei der po­li­tisch mo­ti­vier­ten Kri­mi­na­li­tät ver­mel­den.

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