Ge­fan­ge­ne Kat­zen lei­den

Tier­heim Lengerich kämpft mit Ge­set­zes­än­de­rung – Jä­ger sto­ßen Run­den Tisch an

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost -

Bom­bay ist ei­ne eben­so wil­de wie schüch­ter­ne Kat­ze. Sie macht so­fort die Bie­ge, wenn sie ei­nen Men­schen sieht oder hört. Das be­deu­tet: Das Tier ist nicht ver­mit­tel­bar.

Von Bet­ti­na La­er­busch

Es muss auch nur ein Schlüs­sel­bund aus Ver­se­hen auf den Bo­den fal­len – und die Kat­ze glaubt, um ihr Le­ben ren­nen zu müs­sen. Al­ler­höchs­tens ein Land­wirt könn­te kom­men und die Kat­ze aus dem Tier­heim mit auf sei­nen Hof neh­men, wo sie drau­ßen frei le­ben könn­te. Doch ob sie dort blei­ben wür­de?

Kei­ne Fra­ge: Das neue Jagd­ge­setz, das die rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung in Düsseldorf vor ge­nau zwei Jah­ren ver­ab­schie­det hat, be­rei­tet der Lei­te­rin des Tier­heims in Lengerich, Con­ny Back­haus, gro­ße Pro­ble­me. „Ak­tu­ell ha­ben wir 41 Kat­zen bei uns, 21 da­von sind Jagd­fal­len-Kat­zen.“

Fan­gen statt schie­ßen

Mit dem neu­en, „mo­der­nen, fort­schritt­li­chen und öko­lo­gi­schen Jagd­ge­setz“(Ori­gi­nal­ton Um­welt­mi­nis­ter Jo­han­nes Rem­mel) woll­te und will die Lan­des­re­gie­rung den Tier­schutz stär­ken und den Schutz des Wal­des ver­bes­sern. Be­stand­teil des neu­en Re­gel­wer­kes ist das Ver­bot, wil­de Kat­zen zu schie­ßen. Jä­gern und Land­wir­ten bleibt, wenn sie Vö­gel und an­de­re Klein­tie­re schüt­zen wol­len, nichts an­de­res üb­rig, als Fal­len für die Kat­zen auf­zu­stel­len. Per App, er­läu­tert Con­ny Back­haus, wür­den sie in­for­miert, wenn ein Tier in ei­ne die­ser Fal­len ge­tappt sei. Ist es ei­ne ver­wil­der­te Kat­ze, wird sie ins Tier­heim ge­bracht.

Trotz an­ders­lau­ten­der Ge­rüch­te: Die­se Kat­zen set­zen Con­ny Back­haus und ih­re Kol­le­gen nicht wie­der aus. Sie wer­den kas­triert, ent­wurmt, mit ei­nem Chip ver­se­hen – und dann „ein­ge­sperrt“, wie es Ul­la Mer­tin, Vor­sit­zen­de des Tier­schutz­ver­eins Lengerich/Wes­ter­kap­peln, aus­drückt.

Um Miss­ver­ständ­nis­sen vor­zu­beu­gen: Con­ny Back­haus und Ul­la Mer­tin sind froh, dass die ver­wil­der­ten Kat­zen nicht mehr ge­schos­sen wer­den dür­fen. Sie sa­gen aber auch ganz deut­lich: „Wir brau­chen ei­ne Lö­sung, wir be­kom­men Platz­pro­ble­me.“Nimmt die Zahl der ab­ge­lie­fer­ten Ex­em­pla­re wei­ter so zu, stößt das Tier­heim schon bald an sei­ne Gren­zen.

Und nicht nur das: Die wil­den Tie­re lei­den. Sie uri­nie­ren und set­zen Kot ab – aus Angst, aus Pro­test, weil sie sich un­wohl füh­len. Auch aus Tier­schutz­grün­den, ma­chen bei­de Frau­en un­miss­ver­ständ­lich klar, sei die der­zei­ti­ge Si­tua­ti­on nicht hin­nehm­bar. Back­haus und Mer­tin wür­den die Tie­re sehr wohl ger­ne wie­der aus­setz­ten – „nicht al­le in Lengerich, son­dern dort, wo sie ge­fun­den wur­den“, macht Back­haus klar. Bei­de plä­die­ren in die­sem Zu­sam­men­hang ohne Ein­schrän­kung für ei­ne Kastra­ti­ons­pflicht auch von pri­va­ten Kat­zen. Back­haus: „Al­le Kat­zen, die das Tier­heim ver­las­sen, sind kas­triert. Wenn das auf­grund ih­res Al­ters noch nicht mög­lich war, un­ter­schrei­ben die neu­en Be­sit­zer, dass sie die Kastra­ti­on vor­neh­men las­sen wer­den“, er­gänzt Ul­la Mer­tin. Die ent­spre­chen­de Be­schei­ni­gung ei­nes Tier­arz­tes müs­se vor­ge­legt wer­den. „Und das wird kon­trol­liert“, be­tont die Ver­eins­vor­sit­zen­de. Im Al­ter zwi­schen ei­nem Bom­bay ist ei­ne ver­wil­der­te Kat­ze und sucht so­fort das Wei­te, wenn sich ein Mensch nä­hert. Das heißt: Sie ist un­ver­mit­tel­bar. Doch was pas­siert, wenn im­mer mehr un­ver­mit­tel­ba­re Jagd­fal­len-Kat­zen ins Tier­heim ge­bracht wer­den?

hal­ben und ei­nem Drei­vier­tel­jahr sei die Kastra­ti­on rich­tig. Dass ei­ne ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­ne Kastra­ti­ons­pflicht das Pro­blem nicht von heu­te auf mor­gen löst, wis­sen na­tür­lich auch Back­haus und Mer­tin. „Doch es ist ein An­fang“, sagt die Tier­heim­lei­te­rin, „um den Kat­zen­be­stand zu re­du­zie­ren.“

Ein An­fang ist ganz si­cher auch die­se Tat­sa­che: Jä­ger

aus dem di­rek­ten Um­kreis ha­ben das Tier­heim-Team ge­ra­de um ei­nen „Run­den Tisch“mit al­len Be­tei­lig­ten ge­be­ten (dar­un­ter Tier­heim, Jä­ger und Po­li­tik), „um zu dis­ku­tie­ren, wel­che Mög­lich­kei­ten es gibt, um auf der ei­nen Sei­te das Tier­heim nicht mit ver­wil­der­ten Kat­zen zu über­schwem­men und auf der an­de­ren Sei­te auch den Jä­gern und der He­ge ge­recht zu

wer­den“, bringt es Back­haus auf den Punkt. Über die­sen Vor­stoß freut sie sich, denn es ge­he „um ei­ne – für al­le im Sin­ne des Tier­schut­zes – ver­nünf­ti­ge Lö­sung, die auch al­le Be­tei­lig­ten wol­len und brau­chen“.

Mehr aus Wes­ter­kap­peln le­sen Sie im In­ter­net auf noz.de/ wes­ter­kap­peln.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.