Ver­fas­sungs­ge­richt prüft Fra­ge­recht

Hält Re­gie­rung In­for­ma­tio­nen zu­rück?

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Grü­nen­Po­li­ti­ker ha­ben der Bun­des­re­gie­rung vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­ge­wor­fen, un­ter dem Vor­wand von Ge­heim­hal­tungs­pflich­ten das Fra­ge­recht des Bun­des­tags aus­zu­he­beln und der Öf­fent­lich­keit In­for­ma­tio­nen vor­zu­ent­hal­ten. Das „Ge­heims­tem­peln“von Ak­ten sei mitt­ler­wei­le „in­fla­tio­när“, so der Ab­ge­ord­ne­te Kon­stan­tin von Notz in Karls­ru­he.

Das Ge­richt prüft we­gen der Kla­gen von vier Grü­nen und de­ren Frak­ti­on, wie weit das Fra­ge- und In­for­ma­ti­ons­recht des Par­la­ments ge­gen­über der Bun­des­re­gie­rung reicht. An­lass sind Fra­gen, die die Grü­nen zum Ver­hal­ten der Bun­des­an­stalt für Fi­nanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht (Ba­fin) in der Ban­ken­kri­se ge­stellt hat­ten. Zu­dem geht es um Fra­gen zur Wirt­schaft­lich­keit des mil­li­ar­den­teu­ren Bau­pro­jekts Stutt­gart 21.

Ge­richts­prä­si­dent Andre­as Voß­kuh­le be­zeich­ne­te das Fra­ge­recht des Par­la­ments „als ei­ne der ef­fek­tivs­ten Waf­fen der Op­po­si­ti­on in der Aus­ein­an­der­set­zung mit der Re­gie­rung“. Um wirk­sam zu wer­den, sei die­ses Mit­tel „grund­sätz­lich auf Öf­fent­lich­keit an­ge­wie­sen“. Die Be­stim­mung der Reich­wei­te des Fra­ge­rechts sei da­her „ei­ne Ope­ra­ti­on na­he am Her­zen der De­mo­kra­tie“.Die Klä­ger kri­ti­sier­ten, dass die Bun­des­re­gie­rung die Fra­gen nicht oder nur mit Auf­la­gen der Ge­heim­hal­tung be­ant­wor­tet ha­be. Oh­ne In­for­ma­tio­nen über das Han­deln staat­li­cher Be­hör­den kön­ne das Par­la­ment aber sei­nem Recht zur Kon­trol­le der Re­gie­rung nicht nach­kom­men.

Ver­tre­ter der Bun­des­re­gie­rung wie­sen den Vor­wurf über­trie­be­ner Ge­heim­hal­tung zu­rück. Staats­se­kre­tär Hans-Ge­org En­gel­ke aus dem Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um sag­te, ein Zu­viel an In­for­ma­tio­nen kön­ne das Staats­wohl ge­fähr­den. So könn­ten In­for­ma­tio­nen zur Ban­ken­auf­sicht Ein­fluss auf den Fi­nanz­markt ha­ben.

Den Fra­gen der Rich­ter zu­fol­ge schei­nen sie für sol­che Fäl­le ein Fris­ten­mo­dell zu er­wä­gen. Dem­nach könn­te die Ge­heim­hal­tung nach ei­ni­gen Jah­ren auf­ge­ho­ben wer­den, um im Nach­hin­ein ei­ne öf­fent­li­che Re­kon­struk­ti­on des Re­gie­rungs­han­delns zu er­mög­li­chen. Die Ver­fas­sungs­hü­ter wol­len bis zum heu­ti­gen Mitt­woch noch ei­ni­ge wei­te­re kom­ple­xe ju­ris­ti­sche Fra­gen zur Ant­wort­pflicht be­leuch­ten. Das Ur­teil dürf­te in ei­ni­gen Wo­chen bis Mo­na­ten zu er­war­ten sein.

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