SPD: Ter­ror­zel­le in der Trup­pe

Drit­ter Ver­däch­ti­ger in Haft – Ar­nold drängt auf Re­form der In­ne­ren Füh­rung

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Mehr Be­rich­te auf noz.de/bun­des­wehr

Ist der rechts­ex­tre­me Of­fi­zier Fran­co A. wirk­lich ein Ein­zel­fall? Nach der Fest­nah­me ei­nes wei­te­ren ter­ror­ver­däch­ti­gen Sol­da­ten spricht SPD-Frak­ti­ons­chef Tho­mas Op­per­mann von ei­ner Ter­ror­zel­le in der Trup­pe. „Nach der Fest­nah­me ei­nes mut­maß­li­chen Kom­pli­zen von Fran­co A. müs­sen wir da­von aus­ge­hen, dass sich ei­ne Ter­ror­zel­le in­ner­halb der Bun­des­wehr ge­bil­det hat“, teil­te Op­per­mann am Di­ens­tag mit. „Das ist ei­ne Rie­senBla­ma­ge für die Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin von der Ley­en.“Of­fen­sicht­lich ha­be sich jah­re­lang un­be­merkt ei­ne rechts­ex­tre­me Grup­pe eta­blie­ren kön­nen, die An­schlä­ge plan­te und To­des­lis­ten führ­te. „Frau von der Ley­en muss den von ihr bis­her total ver­nach­läs­sig­ten Be­reich der In­ne­ren Füh­rung so or­ga­ni­sie­ren, dass sol­che Fäl­le aus­ge­schlos­sen sind.“

Auch SPD-Ver­tei­di­gungs­ex­per­te Rai­ner Ar­nold nahm die Mi­nis­te­rin in die Pflicht. Ar­nold sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Spä­tes­tens seit im Ok­to­ber 2016 auf­ge­fal­len ist, dass die Er­mitt­lun­gen bei Fehl­ver­hal­ten in der Trup­pe nicht aus­rei­chend sind, hät­ten wir Än­de­run­gen ge­braucht. Die­se müs­sen jetzt zü­gig kom­men, wir kön­nen nicht zwei wei­te­re Jah­re war­ten.“Der Ver­tei­di­gungs­aus­schuss des Bun­des­tags wer­de bei sei­ner Son­der­sit­zung am Mitt­woch auf solch rasche Re­for­men drän­gen.

Die Bun­des­an­walt­schaft er­klär­te am Di­ens­tag, nach den bis­he­ri­gen Er­mitt­lun­gen hät­ten die drei Ver­däch­ti­gen ei­nen An­griff auf das Le­ben hoch­ran­gi­ger Po­li­ti­ker und Per­so­nen des öf­fent­li­chen Le­bens ge­plant, die sich in Aus­län­de­r­und Flücht­lings­an­ge­le­gen­hei­ten en­ga­gie­ren. „Die Be­schul­dig­ten hat­ten ih­re mög­li­chen An­schlags­op­fer in ei­ner Lis­te un­ter ver­schie­de­nen Ka­te­go­ri­en er­fasst – kon­kret den Ka­te­go­ri­en A, B, C und D“, sag­te ei­ne Spre­che­rin. Als Ka­te­go­rie A sei­en un­ter an­de­ren Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) und Ex-Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck auf­ge­führt.

Die Tat aus­füh­ren soll­te den Er­mitt­lern zu­fol­ge Fran­co Wei­ter im Vi­sier der Op­po­si­ti­on: A.. Da­zu hat­te sich der Sol­dat un­ter ei­ner fal­schen Iden­ti­tät als Asyl­su­chen­der re­gis­trie­ren las­sen. Das ge­plan­te At­ten­tat soll­te von der Be­völ­ke­rung als ra­di­kal-is­la­mis­ti­scher Ter­ror­akt ei­nes an­er­kann­ten Flücht­lings auf­ge­fasst wer­den.

SPD-Ver­tei­di­gungs­ex­per­te Ar­nold for­der­te kla­re Mel­de­strän­ge, wenn rechts­ra­di­ka­le Vor­fäl­le in der Trup­pe ent­deckt wer­den. „Wir brau­chen ein Sechs-Au­gen-Prin­zip, al­so ne­ben Er­mitt­ler und Vor­ge­setz­tem auch ei­ne drit­te Per­son, die die Fäl­le un­ter­sucht.“Die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Mi­nis­te­ri­um und nach­ge­ord­ne­ten Äm­tern müs­se ver­bes­sert wer­den. Au­ßer­dem sei es wich­tig, den Ar­beits­druck zu re­du­zie­ren und Per­so­nal­lü­cken zu schlie­ßen, da­mit Vor­ge­setz­te sich mehr um po­li­ti­sche Bil­dung küm­mern könn­ten.

Ar­nold warf der CDU-Mi­nis­te­rin Ver­sa­gen vor: „Von der Ley­en hat sich nicht um das The­ma po­li­ti­sche Bil­dung ge­küm­mert, das braucht man aber, da­mit Sol­da­ten bei rechts­ex­tre­men Ten­den­zen auch ge­gen­hal­ten kön­nen.“Der Po­li­ti­ker warn­te vor Ver­all­ge­mei­ne­run­gen: „Ich är­ge­re mich über die Mi­nis­te­rin, wenn sie pau­scha­lie­rend vor­aus­sagt, dass noch vie­le sol­cher Fäl­le ans Licht kom­men wer­den.“

Von der Ley­en un­ter Druck:

Ur­su­la von der Ley­en, hier mit Bun­des­wehr-Ge­ne­ral­in­spek­teur Vol­ker Wie­ker. Fo­to: dpa

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