Ein Lied, meh­re­re Er­klä­run­gen

Bür­ger­meis­ter bit­tet Söh­ne Mann­heims zum Kri­sen­ge­spräch – Nai­doo: Text viel­leicht miss­ver­ständ­lich

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke - Nai­doo.

Von Wolf­gang Jung

Nach ei­nem stun­den­lan­gen Kri­sen­ge­spräch über den skan­dal­träch­ti­gen Song „Ma­rio­net­ten“prescht Xa­vier Nai­doo vor. Weich im Ton, aber hart in der Sa­che ver­tei­digt der um­strit­te­ne Sän­ger der Söh­ne Mann­heims sein Lied, das ihm we­gen dras­ti­scher Po­li­ti­ker­kri­tik seit Wo­chen schwe­re Vor­wür­fe ein­bringt. Be­reits am frü­hen Di­ens­tag­mor­gen er­greift der 45-Jäh­ri­ge über Face­book erst­mals das Wort in der Sa­che.

Das Lied sei zu­ge­spitzt und viel­leicht miss­ver­ständ­lich, aber die Vor­wür­fe von Rechts­po­pu­lis­mus sei­en längst von ihm klar­ge­stellt, meint Nai­doo. Ob er das „Miss­ver­ständ­nis“be­dau­ert, ver­rät er nicht. Für mit­tei­lens­wert hält er: „Das Tex­ten fällt mir er­freu­li­cher­wei­se leicht.“In „Ma­rio­net­ten“heißt es über Po­li­ti­ker et­wa: „Tei­le eu­res Volks nen­nen euch schon Hoch- be­zie­hungs­wei­se Volks­ver­rä­ter.“Der Sän­ger nennt das ei­ne „be­wusst über­zeich­ne­te“Zu­stands­be­schrei­bung. In der Kri­tik:

Ei­gent­lich war nach ei­nem mehr als drei­stün­di­gen Kri­sen­tref­fen der Pop­grup­pe mit Ober­bür­ger­meis­ter Pe­ter Kurz (SPD) am Vor­abend an­ge­kün­digt wor­den, dass die Stadt Mann­heim und ih­re wohl be­rühm­tes­ten Söh­ne zeit­gleich an die Öf­fent­lich­keit ge­hen. Die­se Er­klä­run­gen kom­men spä­ter – und deu­ten zu­min­dest ei­ne An­nä­he­rung an. Die Stadt spricht von ei­nem of­fe­nen, ernst­haf­ten Ge­spräch. Die Band zeigt sich „trau­rig über die ent­stan­de­nen Ir­ri­ta­tio­nen“und dis­tan­ziert sich von der „Ver­ein­nah­mung un­se­rer Mu­sik durch Fein­de der De­mo­kra­tie und der Rechts­staat­lich­keit“.

Fast wie ei­ne Ge­heim­ope­ra­ti­on hat­ten Kurz und die Söh­ne Mann­heims ihr Tref­fen ge­plant. Statt wie an­ge­kün­digt im Rat­haus der nord­ba­di­schen Stadt, lief die Dis­kus­si­on am Abend in ei­nem rie­si­gen Bü­ro­turm am Neckar-Ufer ab. Wie in ei­nem Agen­ten-Thril­ler fuhr die Band in ei­nem Klein­bus mit ver­dun­kel­ten Schei­ben in die Tief­ga­ra­ge des Col­lo­ni-Cen­ters und dann im Auf­zug in ab­ge­schirm­te Räu­me. Dort war­te­te der Ober­bür­ger­meis­ter mit drei Mit­ar­bei­tern.

Mit Nach­druck hat­te Kurz von der Band ei­ne Klar­stel­lung be­züg­lich „an­ti­staat­li­cher Aus­sa­gen“in den Tex­ten ge­for­dert. In „Ma­rio­net­ten“heißt es über Po­li­ti­ker un­ter an­de­rem auch: „Als Volks-in-die-Fres­se-Tre­ter stoßt ihr an eu­re Gren­zen“oder „Wenn ich so ein’ n in die Fin­ger krieg, dann reiß ich ihn in Fet­zen. Und da hilft auch kein Ver­ste­cken hin­ter Pa­ra­gra­fen und Ge­set­zen.“

Von ei­nem „in­ten­si­ven Ge­spräch“be­rich­ten Teil­neh­mer des Tref­fens. Es sei­en Trä­nen ge­flos­sen, und es ha­be trös­ten­de Umar­mun­gen ge­ge­ben. Die Stadt wür­digt, was die bis­her er­folg­rei­che Band für die Kom­mu­ne ge­tan hat. „Hier war ge­mein­sam – zu den­ken ist bei­spiels­wei­se an die An­sied­lung der Po­paka­de­mie – viel er­reicht wor­den“, be­ton­te Kurz. Kei­nen Zwei­fel lässt die Stadt aber an ih­rer Ein­stel­lung zu dem Lied: „Mit ,Ma­rio­net­ten‘ ha­ben die Söh­ne ei­nen Song ver­öf­fent­licht, des­sen In­halt in den Me­di­en wie in dem ge­sam­ten po­li­ti­schen Spek­trum in­klu­si­ve der Rechts­ex­tre­men na­he­zu ein­heit­lich be­wer­tet und ver­stan­den wird.“

Die Grup­pe um Nai­doo mach­te sich am Di­ens­tag auf den Weg in die Schweiz zu wei­te­ren Kon­zer­ten ih­rer Tour­nee. Das Lied „Ma­rio­net­ten“er­klingt bei den Gast­spie­len nicht, es stand von vorn­her­ein „aus mu­si­ka­li­schen Mo­ti­ven“nicht auf der Lis­te. Für vie­le Fans der Grup­pe scheint der Streit so­wie­so ein nach­ran­gi­ges The­ma. Die meis­ten Kon­zer­te sind aus­ver­kauft, und die Kom­men­ta­re auf der In­ter­net­sei­te der Band sind vol­ler Zu­stim­mung für die Mu­si­ker.

Sän­ger Xa­vier Fo­to: dpa

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