Bau­spa­ren: BGH kippt Kon­to­ge­bühr

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft -

Bau­spar­kas­sen dür­fen wäh­rend der Dar­le­hens­pha­se kei­ne Kon­to­ge­bühr von Ver­brau­chern ver­lan­gen. Dies sei ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung der Bau­spa­rer, ent­schied der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) ges­tern in Karls­ru­he. Mit ei­ner sol­chen Kon­to­ge­bühr wälz­ten die Bau­spar­kas­sen Kos­ten auf ih­re Kun­den ab – und zwar für Ver­wal­tungs­tä­tig­kei­ten, die sie über­wie­gend in ih­rem ei­ge­nen In­ter­es­se er­bräch­ten, ent­schied der BGH (Az. XI ZR 308/15). Bau­spa­ren teilt sich im­mer in zwei Pha­sen: An­fangs spa­ren die Ver­brau­cher, spä­ter kön­nen sie dann ein Dar­le­hen in An­spruch neh­men.

Ge­klagt hat­te die Ver­brau­cher­zen­tra­le Nord­rheinWest­fa­len we­gen ei­ner Kon­to­ge­bühr der Bau­spar­kas­se Ba­de­nia von 9,48 Eu­ro im Jahr. Das Un­ter­neh­men ver­langt die Ge­bühr nach ei­ge­nen An­ga­ben seit über 50 Jah­ren. Auch Wüs­ten­rot, die größ­te pri­va­te Bau­spar­kas­se, macht dies schon seit ei­ni­gen Jah­ren. An­de­re er­he­ben ähn­li­che Ent­gel­te als „Ser­vice­pau­scha­le“– teil­wei­se auch nur wäh­rend der Spar­pha­se.

Ab­wei­chung vom Leit­bild

Aus Sicht des BGH weicht ei­ne Kon­to­ge­bühr in der zwei­ten Pha­se vom ge­setz­li­chen Leit­bild ei­nes Dar­le­hens­ver­trags ab. Dem­nach ist der Dar­le­hens­neh­mer nur da­zu ver­pflich­tet, die ver­ein­bar­ten Zin­sen und spä­ter das Dar­le­hen zu­rück­zu­zah­len. „Wir ha­ben auch kei­ne Vor­tei­le ge­se­hen [...], die es recht­fer­ti­gen, die­se Ab­wei­chung als nicht un­an­ge­mes­sen an­zu­se­hen“, sag­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter Jür­gen El­len­ber­ger.

„Die Ent­schei­dung [...] kommt für uns un­er­war­tet“, teil­te Alex­an­der Nothaft vom Ver­band der pri­va­ten Bau­spar­kas­sen nach der Ver­kün­dung mit. Der An­walt der Ba­de­nia zeig­te in der münd­li­chen Ver­hand­lung Un­ver­ständ­nis da­für, dass „ei­ne jahr­zehn­te­lan­ge Pra­xis [...] von heu­te auf mor­gen für il­le­gal er­klärt“wer­de.

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