„… dann hat Lot­te sehr gu­te Chan­cen“

Trai­ner Atalan über die Er­fol­ge und Hür­den des Auf­stei­gers und die Chan­cen auf ei­ne Ver­trags­ver­län­ge­rung

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport Regional -

Von Chris­ti­an Det­loff

LOT­TE. Am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de fei­er­ten die Dritt­li­ga-Fuß­bal­ler der Sport­freun­de Lot­te den vor­zei­ti­gen Klas­sen­er­halt. „Ei­ne Rie­sen­leis­tung der Mann­schaft – „auch für mich ei­ne Be­stä­ti­gung“, sagt Trai­ner Is­mail Atalan.

Herr Atalan, wie be­wer­ten Sie die bald en­den­de Sai­son?

Mei­ne Mann­schaft hat ein gro­ßes Kom­pli­ment ver­dient. Sie hat nach dem Auf­stieg er­neut ei­ne Rie­sen­leis­tung ab­ge­lie­fert – mit dem DFB-Po­kal-Vier­tel­fi­na­le ge­gen Bo­rus­sia Dort­mund als i-Tüp­fel­chen. Wir ha­ben mit ei­nem Re­gio­nal­li­g­aka­der in der 3. Li­ga ei­ne her­vor­ra­gen­de Hin­run­de ab­sol­viert. Der Ab­fall in den stän­di­gen eng­li­schen Wo­chen der Rück­run­de war ab­seh­bar – erst recht, wenn fünf, sechs Leis­tungs­trä­ger feh­len. Un­se­re größ­te Leis­tung war, wie wir un­ter ganz schwie­ri­gen Vor­aus­set­zun­gen wie­der die Kur­ve be­kom­men ha­ben und ne­ben der Stei­ge­rung in der Li­ga auch ins Fi­na­le um den West­fa­len­po­kal ein­ge­zo­gen sind. Was be­deu­tet die­ser Er­folg für Sie per­sön­lich?

Ich emp­fin­de es als Be­stä­ti­gung, dass wir im­mer acht, neun Punk­te von den Ab­stiegs­plät­zen ent­fernt wa­ren. Wir wa­ren in der 3. Li­ga nie Ka­no­nen­fut­ter. Der Sai­son­ver­lauf gibt mir wei­te­res Selbst­ver­trau­en. Ich bin aber nicht nur an der gran­dio­sen Hin­run­de ge­wach­sen, son­dern auch an der mä­ßi­ge­ren Rück­se­rie. Auch in der schwä­che­ren Pha­se hat­te ich fast im­mer den Ein­druck, dass die Mann­schaft das auf dem Platz um­zu­set­zen ver­sucht, was wir ein­trai­niert und spe­zi­ell vor­ge­ge­ben hat­ten. Dass das Team so ge­fes­tigt war, dar­auf darf der Trai­ner stolz sein.

Hat­te die Zu­sam­men­ar­beit mit der Mann­schaft in Ih­rer zehn­mo­na­ti­gen Aus­bil­dung zum Fuß­ball­leh­rer in Hen­nef nie groß ge­lit­ten? Doch, ge­ra­de in der Prü­fungs­pha­se, die ge­nau mit den eng­li­schen Wo­chen und der größ­ten Ver­letz­ten­pha­se zu­sam­men­fiel. Da hät­te ich mehr Zeit be­nö­tigt, um tak­ti­sche Va­ria­tio­nen zu trai­nie­ren und zu ver­tie­fen. Als Trai­ner da nicht 100 Pro­zent in die Ar­beit Is­mail Atalan

mit dem Team in­ves­tie­ren zu kön­nen, hat mich stark be­las­tet. Zum Glück muss­te ich nie an mei­nen Spie­lern und dem Trai­ner­team zwei­feln.

Wenn al­les so gut passt: War­um ha­ben Sie in Lot­te noch nicht ver­län­gert?

Weil ich klar die Mög­lich­keit se­hen will, die po­si­ti­ve Ent­wick­lung fort­zu­set­zen. Wenn der Ver­ein und der Trai­ner De­fi­zi­te er­ken­nen, er­war­te ich, dass der Ver­ein dar­an ar­bei­tet. Es macht für mich nur Sinn, wenn ein Po­ten­zi­al zur Ver­fü­gung steht, mit dem man sich wei­ter ver­bes­sern kann.

Das heißt kon­kret?

Wir brau­chen ei­nen klei­nen Um­bruch. Sechs bis acht gu­te Fuß­bal­ler müs­sen da­zu­kom­men. Wir müs­sen ge­wal­tig an den Trai­nings­be­din­gun­gen, auch den Wohl­fühl-Vor­aus­set­zun­gen in der Ka­bi­ne, ar­bei­ten. Wir wol­len kei­ne Wohl­fühl-Oa­se – nur gu­te Ar­beits­be­din­gun­gen. Dass un­ser ers­ter Trai­nings­platz vier­mal in die­ser Sai­son zu be­son­de­ren Spie­len als Park­platz miss­braucht wer­den muss­te, ist für ei­nen Trai­ner schwer zu er­tra­gen. Wenn ein Trai­nings­la­ger not­wen­dig er­scheint, soll­ten wir auch da­für die Vor­aus­set­zun­gen schaf­fen.

Nach den im­men­sen Ein­nah­men im DFB-Po­kal soll­ten doch Mög­lich­kei­ten zur Um­set­zung be­ste­hen … Der Ver­ein macht den Ein­druck, dass er es ge­nau­so sieht wie ich. Ich sa­ge vor je­der Sai­son zu mei­ner Mann­schaft: Das Wich­tigs­te ist, dass ei­ne Wei­ter­ent­wick­lung zu er­ken­nen ist. Sonst muss man die Zu­sam­men­ar­beit be­en­den. Das gilt auch für den Trai­ner. Der Zu­schau­er muss er­ken­nen, dass es Fort­schrit­te gibt. Und wenn dies aus gra­vie­ren­den Grün­den wie Ver­let­zun­gen oder Über­be­las­tung tem­po­rär nicht geht, kann der Ent­wick­lungs­schritt auch sein, schnellst­mög­lichst die Kur­ve zu be­kom­men.

Klingt fast, als kön­nen Sie sich gut vor­stel­len, in Lot­te zu blei­ben und nicht so­fort in die 2. Li­ga zu wech­seln. Han­deln Sie wo­mög­lich an­ders als das Gros der Kol­le­gen, das die erst­bes­te Chan­ce zum nächs­ten Kar­rie­re­schritt nutzt?

Mein jetzt fol­gen­der Schritt muss nicht zwin­gend die 2. Li­ga sein – auch wenn sie zwei­fels­oh­ne reiz­voll ist und zu­min­dest mit­tel­fris­tig mein Ziel sein muss. Ich fra­ge mich per­ma­nent: Was bringt mich jetzt wei­ter? Ich ma­che es mir be­stimmt nicht leicht. Der nächs­te Kar­rie­re­schritt ist ein sehr, sehr wich­ti­ger für mich. Er muss wohl über­legt sein, denn die­ser Schritt kann mich letzt­lich auch wie­der zu­rück­wer­fen. Wenn Lot­te mei­ne Vor­aus­set­zun­gen er­füllt, hat der Ver­ei­ne sehr gu­te Kar­ten für ei­ne Ver­trags­ver­län­ge­rung.

Fo­to: Da­vid Ebe­ner

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