Pfings­ten erst­mals kei­ne Pries­ter­wei­he

Es gibt in die­sem Jahr kei­ne Kan­di­da­ten im Bis­tum Os­na­brück – Künf­tig Ge­mein­de­lei­tung durch Lai­en?

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Die ka­tho­li­sche Kir­che in Deutsch­land steht vor ei­nem gro­ßen Nach­wuchs­pro­blem. Im Bis­tum Os­na­brück wird das an Pfings­ten 2017 so deut­lich wie nie: Zum ers­ten Mal seit mehr als hun­dert Jah­ren wird es kei­ne Pries­ter­wei­he ge­ben – weil es kei­ne Kan­di­da­ten gibt.

Von An­ne Spiel­mey­er

Ir­gend­ei­ner fin­det sich im­mer? Dies­mal nicht. Für das Jahr 2017 no­tiert das Bis­tum Os­na­brück ei­ne glat­te Null in der Ru­brik der neu­en Pries­ter. „Der Man­gel ist ekla­tant“, sagt Bis­tums­spre­cher Her­mann Haar­mann. Bis ins Jahr 1900 hat er die Wei­he-Sta­tis­tik zu­rück­ver­folgt, noch nie muss­te we­gen Man­gels aus­ge­setzt wer­den. Haar­mann geht da­von aus, dass es auch in den Jah­ren vor 1900 im­mer aus­rei­chend Be­wer­ber gab.

Die Null ist neu, die Ten­denz nicht: Seit Jah­ren he­ben Män­ner nur noch ver­ein­zelt den Fin­ger für den Di­enst in der Kir­che. Ein­zi­ger zwei­stel­li­ger Aus­rei­ßer in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren war laut Sta­tis­tik 2002 mit zehn Wei­hen. Seit 2010 sind nur noch ein oder zwei neue Pries­ter pro Jahr aus dem Bis­tum Os­na­brück da­zu­ge­kom­men.

Die Ak­zep­tanz der Kir­che schrumpft mit der Zahl ih­rer Mit­glie­der: „Die Kir­che hat ei­nen star­ken Be­deu­tungs­ver­lust in­ner­halb der Ge­sell­schaft er­fah­ren. Der Rück­gang der Pries­ter­amtskan­di­da­ten steht da­mit in en­gem Zu­sam­men­hang“, er­klärt Ul­rich Beck­wer­mert, Dom­ka­pi­tu­lar, Per­so­nal­re­fe­rent und Re­gens im Bis­tum Os­na­brück. „Die Zei­ten von Hoch­wür­den sind vor­bei.“ Das war 2016: Bi­schof Franz-Jo­sef Bo­de weih­te Pe­ter Gr­un­waldt, den künf­ti­gen Ka­plan für die Pfar­rei­en­gemein­schaft in Ha­ren, im Dom zum Pries­ter.

Der Pries­ter­be­ruf sei er­fül­lend und nah an den Men­schen, kön­ne aber auch be­las­tend sein, sagt Beck­wer­mert. Die Ver­kün­di­gung des Glau­bens sei an­spruchs­vol­ler ge­wor­den, das Zö­li­bat als Le­bens­form eben­falls ein ho­her An­spruch. Der­zeit ge­be

es vier Kan­di­da­ten, die sich im Bis­tum Os­na­brück auf das Pries­ter­amt vor­be­rei­ten und in den nächs­ten Jah­ren fer­tig wer­den. „2018 wer­den wir wie­der ei­ne Pries­ter­wei­he fei­ern kön­nen“, stellt Beck­wer­mert in Aus­sicht.

Der Ab­wärts­trend ist im Üb­ri­gen kein Os­na­brü­cker Phä­no­men. In den 27 deut­schen Bi­stü­mern gab es nach An­ga­ben der Deut­schen Bi­schofs­kon­fe­renz 2013 noch 98 Wei­hen, 2014 noch 75 und 2015 ins­ge­samt 58. Die Bi­stü­mer re­agie­ren auf den zu­neh­men­den Pries­ter­man­gel meist, in­dem sie Pries­ter aus dem Aus­land an­wer­ben oder Ge­mein­den zu­sam­men­le­gen. Im Bis­tum Os­na­brück ist die­ser Fu­si­ons­pro­zess, der seit zehn Jah­ren läuft, na­he­zu ab­ge­schlos­sen, so Haar­mann. Bis 2018 wird zum Bei­spiel noch die Dom­ge­mein­de St. Pe­trus mit Lieb­frau­en im Stadt­teil Evers­burg und St. Mat­thi­as in Os­na­brück-Pye fu­sio­nie­ren. Au­ßer­dem steht die Zu­sam­men­le­gung von St. Jo­seph mit den Stadt­teil­ge­mein­den St. An­to­ni­us Vox­trup und Ma­ria, Hil­fe der Chris­ten, in Lüstrin­gen an.

Das Bis­tum Os­na­brück ist in 72 Pfar­rei­en und Pfar­rei­en­gemein­schaf­ten mit rund 200 Kir­chen­ge­mein­den auf­ge­teilt. For­dert der aku­te Pries­ter­man­gel nun noch grö­ße­re Ver­bün­de? „Die Räu­me sol­len nicht wei­ter ver­grö­ßert wer­den“, sagt Haar­mann und greift da­mit die Sor­ge vie­ler Ka­tho­li­ken auf. „Die Chris­ten ori­en­tie­ren sich an ih­rem Kirch­turm, an ih­rer Ge­mein­de vor Ort.“Mit 14 000 Ka­tho­li­ken sei St. Au­gus­ti­nus in Nord­horn der­zeit die größ­te im Bis­tum Os­na­brück – und soll das auch blei­ben. „Nie­mand kann ge­nau sa­gen, wie un­se­re Kir­che in fünf Jah­ren aus­sieht“, sagt Beck­wer­mert. Aber: „Un­end­li­che Wei­ten sind die schwächs­te Ant­wort“, fin­det auch er. Seel­sor­ge ha­be im­mer et­was mit „Kir­che vor Ort“zu tun.

Al­le Bi­stü­mer tüf­teln an Lösungen. Das Erz­bis­tum Mün­chen und Frei­sing will in Pi­lot­pro­jek­ten Lai­en die Ge­mein­de­lei­tung über­tra­gen. Es löst sich da­mit von der Vor­ga­be, dass an der Spit­ze ei­ner Pfar­rei ein ge­weih­ter Pries­ter (als Pfar­rer) ste­hen muss. „Die neue Re­ge­lung greift in Über­ein­stim­mung mit dem Kir­chen­recht“, ver­si­chert Chris­toph Kap­pes, Spre­cher des Erz­bis­tums Mün­chen und Frei­sing. Es bie­te Spiel­raum für die Be­tei­li­gung der Lai­en, der nun aus­ge­schöpft wird.

Ein Mo­dell, das auch für das Bis­tum Os­na­brück in­fra­ge kommt? „Wir den­ken in vie­le Rich­tun­gen, in dif­fe­ren­zier­ten Mo­del­len“, sagt Beck­wer­mert. Die Idee, Lai­en die Ge­mein­de­lei­tung zu über­tra­gen, schließt er nicht aus. Schon jetzt wür­den pas­to­ra­le Ko­or­di­na­to­ren her­vor­ra­gen­de Ar­beit leis­ten. Es wer­de kei­ne pries­ter­lo­se Pfar­rei im Bis­tum ge­ben, be­tont er, aber viel­leicht mal ei­ne pfar­rer­lo­se. Die Lei­tung durch Lai­en sei aber kein Mo­dell, das man ein­fach 20 Pfar­rei­en im­plan­tie­ren kön­ne. „Wir müs­sen sehr ge­nau hin­schau­en: Wer ist vor Ort? Wer kann was am bes­ten?“, so Beck­wer­mert. Kir­che müs­se of­fen für Ent­wick­lun­gen blei­ben: „Wir sind auf ei­nem Weg. Wir sind noch nicht an­ge­kom­men.“

Nach­rich­ten aus den Kir­chen­ge­mein­den

Pfings­ten 2017 wird es im Os­na­brü­cker Dom kei­ne Pries­ter­wei­he ge­ben. Die Kan­di­da­ten feh­len. Fo­to: Gert West­dörp

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