Stepp­ke tourt al­lein mit dem Bus durch Os­na­brück

Sie­ben­jäh­ri­ger hat kei­ne Lust zum Du­schen und reißt aus – Auf­merk­sa­me Fah­re­rin ruft die Po­li­zei

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Ein Sie­ben­jäh­ri­ger hat sich heim­lich mit dem Bus aus dem Staub ge­macht und die hal­be Stadt durch­quert, bis er am Ne­u­markt von ei­ner auf­merk­sa­men Bus­fah­re­rin be­merkt wur­de.

Was war pas­siert? Am Sonn­tag hat­te der Sohn von Tan­ja Günne­cker ein Fuß­ball­spiel, und wie es nun mal nach so ei­nem Spiel ist, soll­te ihr Spröss­ling an­schlie­ßend zu Hau­se du­schen. Doch da­nach stand dem klei­nen Tom (Na­me von der Re­dak­ti­on ge­än­dert) of­fen­bar so gar nicht der Sinn. Er ging in den Gar­ten und ver­steck­te sich.

„Das hat er schon öf­ter ge­macht“, sagt sei­ne Mut­ter im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on – al­so nicht wei­ter un­ge­wöhn­lich. Et­wa 45 Mi­nu­ten spä­ter fand sie es dann aber doch un­ge­wöhn­lich, dass Tom noch im­mer nicht wie­der ins Haus ge­kom­men und auch drau­ßen nir­gends zu se­hen war. Sie hör­te sich bei den Nach­barn um. Doch von Tom kei­ne Spur. Al­ler­dings hat­te ein Nach­bars­kind den Sie­ben­jäh­ri­gen ge­se­hen – wie er in ei­nem Bus da­von­fuhr. Tan­ja Günne­cker klap­per­te dar­auf­hin di­ver­se Plät­ze und Schul­hö­fe in der Um­ge­bung ab, doch Tom blieb ver­schwun­den. Sie rief die Po­li­zei.

Die­se woll­te je­man­den vor­bei­schi­cken. Doch das war gar nicht mehr nö­tig. Kur­ze Zeit spä­ter in­for­mier­ten die Be­am­ten die Mut­ter am Te­le­fon, dass ihr Jun­ge un­ver­sehrt wie­der auf­ge­taucht sei und sich in gu­ten Hän­den be­fin­de. Er sit­ze am Ne­u­markt in ei­nem Bus. Dort kön­ne er ab­ge­holt wer­den, die Fah­re­rin wür­de war­ten.

Die­se hat­te sich of­fen­bar ge­fragt, war­um ein Sie­ben­jäh­ri­ger oh­ne Fahr­kar­te, da­für aber mit ei­nem Rad al­lein in ih­rem Bus saß. Sie rief die Po­li­zei an, die ja be­reits vom ver­lo­re­nen Sohn ge­hört hat­te, und ver­si­cher­te, am Ne­u­markt zu war­ten. Die an­de­ren Fahr­gäs­te muss­ten sich bis zum Ein­tref­fen der Mut­ter 20 Mi­nu­ten ge­dul­den. Sie hät­ten aber Ver­ständ­nis für die Ver­zö­ge­rung ge­zeigt, wie Tan­ja Günne­cker sagt.

Als die Mut­ter ih­ren Tom schließ­lich in die Ar­me schloss, fing die­ser an zu wei­nen. „Das tat ihm dann auch leid und wird ihm ei­ne Leh­re sein“, sagt sie. Der Bus­fah­re­rin ist sie dank­bar. „Die Fah­re­rin hat rich­tig cool re­agiert.“

Im Nach­hin­ein stell­te sich her­aus, dass es Tom schon von Evers­burg bis zum Schö­ler­berg ge­schafft hat­te, wo er bei sei­nem Va­ter aufs Klo ge­gan­gen war. Da­nach stieg er in den Bus zum Ne­u­markt. Der Va­ter hat­te vom Be­such sei­nes Soh­nes gar nichts mit­be­kom­men. Der Schlüs­sel steck­te in der Tür, und Tom schlich sich heim­lich aufs stil­le Ört­chen. Hin­ter­grund: un­be­kannt. Viel­leicht woll­te er auch beim Va­ter nicht du­schen.

Doch wie kann es sein, dass der Stepp­ke un­be­hel­ligt Bus fah­ren konn­te? „Das ist un­klar und hät­te auf­fal­len müs­sen“, sag­te ei­ne Spre­che­rin der Stadt­wer­ke auf Nach­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on. Viel­leicht ha­be der je­wei­li­ge Fah­rer mit dem Jun­gen ge­spro­chen, er­gänzt sie. Da­für ha­be die be­sag­te Bus­fah­re­rin gut re­agiert. „Sie hat ab­so­lut rich­tig ge­han­delt.“

Tan­ja Günne­cker möch­te sich ger­ne nach­träg­lich bei der Bus­fah­re­rin be­dan­ken, denn vor Ort ha­be sie die­se we­gen des Schrecks kaum wahr­ge­nom­men. Sie rief die Stadt­wer­ke an, um die Fah­re­rin tref­fen zu kön­nen. Dann soll es Blu­men für sie ge­ben – über­reicht vom klei­nen Aus­rei­ßer höchst­per­sön­lich. Die Stadt­wer­ke wol­len die Fah­re­rin nun fra­gen, ob sie ein­ver­stan­den ist.

Et­was stolz ist die Mut­ter üb­ri­gens durch­aus auf ih­ren Sohn: „Ich hät­te mich das nicht mit sie­ben Jah­ren ge­traut.“

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