In ro­man­ti­scher Stim­mung

Un­ter­stützt von der Orches­ter­aka­de­mie, spielt das Os­na­brü­cker Sym­pho­nie­or­ches­ter Bruck­ners Vier­te

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional -

Bruck­ners Sin­fo­ni­en stel­len für je­des Orches­ter ei­ne Her­aus­for­de­rung dar. Das Os­na­brü­cker Sym­pho­nie­or­ches­ter hat sich am Mon­tag da­für ju­gend­li­che Un­ter­stüt­zung ge­holt.

Von Ralf Dö­ring

Kaum ei­ne Kom­po­si­ti­on löst so viel Fra­gen aus, birgt so viel Dis­kus­si­ons­stoff wie ei­ne Sin­fo­nie von An­ton Bruck­ner. Auch für Orches­ter­mu­si­ker stellt das im­mer et­was Be­son­de­res dar; so groß der Ap­pa­rat auch ist, der an die­sem Mon­tag­abend im Eu­ro­pa­saal der Os­na­brück­hal­le auf dem Po­di­um sitzt: Ver­ste­cken geht bei Bruck­ner nicht. Je­de Un­ent­schie­den­heit im Zu­griff of­fen­bart sich ziem­lich gna­den­los. Und aus­ge­rech­net da holt Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor Andre­as Hotz Nach­wuchs­mu­si­ker auf die Büh­ne?

Si­cher ist es ein Ri­si­ko, für Bruck­ners vier­te Sin­fo­nie Es-Dur, die so­ge­nann­te „Ro­man­ti­sche“, die Ver­stär­kung beim Nach­wuchs zu su­chen. Aber das Orches­ter hat gut mit den jun­gen Leu­ten ge­ar­bei­tet: Erst­mals ist, mit fi­nan­zi­el­ler Hil­fe der Fe­li­ci­tas-und-Wer­ner-Eger­lan­dStif­tung, ei­ne Orches­ter­aka­de­mie ins Le­ben ge­ru­fen wor­den. Ziel war es, jun­gen Mu­si­kern die Chan­ce zu ge­ben, ein­mal mit ei­nem Pro­fi­or­ches­ter zu ar­bei­ten; im­mer­hin 17 ha­ben sich ge­fun­den, die den Qua­li­täts­vor­stel­lun­gen des Orches­ters ent­spro­chen ha­ben. Sie sit­zen al­so nun mit auf dem Po­di­um, ei­ner so­gar am ers­ten Cel­loPult. Und man muss­te nun schon ge­nau hin­schau­en, um die ju­gend­li­che Ver­stär­kung zu er­ken­nen – auf den ers­ten Blick wa­ren die Aka­de­mis­ten nicht aus­zu­ma­chen. Schö­ne Ges­te, dass Hotz sie zum Schluss­ap­plaus ge­son­dert auf­ste­hen lässt.

Ent­schei­dend aber ist: Sie wa­ren auch akus­tisch nicht aus­zu­ma­chen. All­zu oft kommt das Os­na­brü­cker Sym­pho­nie­or­ches­ter ja nicht in den Ge­nuss, ei­ne Bruck­ner­sin­fo­nie zu spie­len. Denn ein Orches­ter die­ser Grö­ßen­ord­nung muss da sei­ne Bord­mit­tel durch et­li­che hin­zu­ver­pflich­te­te Mu­si­ker auf Bruck­ner-Soll­stär­ke auf­sto­cken. Al­lein an­ge­sichts knap­per Kul­tur­bud­gets kann sich das Orches­ter so ei­nen Spaß nicht oft leis­ten. Was scha­de ist. Denn die Mu­si­ke­rin­nen und Mu­si­ker wis­sen viel mit die­ser Mu­sik an­zu­fan­gen.

Si­cher muss man nicht mit al­lem ein­ver­stan­den sein, was Hotz an­bie­tet: Er hält das Blech manch­mal zu­rück, um die Strei­cher nicht zu über­de­cken, gleich­zei­tig do­mi­niert die Pau­ke, und die folk­lo­ris­ti­schen Pas­sa­gen könn­ten ein biss­chen mehr Sprit­zig­keit durch­aus ver­tra­gen. Aber das Ent­schei­den­de ist: Hotz fin­det ei­ne ei­ge­ne, plau­si­ble Les­art. Er rea­li­siert ei­nen war­men, dunk­len Grund­klang, der Ent­fal­tungs­räu­me be­an­sprucht. Hotz wählt da­her re­la­tiv brei­te Tem­pi, die dem Werk auch gut an­ste­hen. Al­ler­dings er­wächst dar­aus pa­ra­do­xer­wei­se die Ge­fahr ei­ner ge­wis­sen Klein­tei­lig­keit: Das Orches­ter muss durch Be­to­nun­gen und mi­ni­ma­le Zä­su­ren ge­wis­ser­ma­ßen Stütz­pfei­ler ein­zie­hen, da­mit die Span­nungs­bö­gen nicht durch­hän­gen. Trotz­dem kommt ei­ne hö­rens­wer­te und dis­kus­si­ons­wür­di­ge In­ter­pre­ta­ti­on zu­stan­de. Und ein Plä­doy­er da­für, die Orches­ter­aka­de­mie wei­ter­zu­füh­ren. Es müs­sen ja nicht per­ma­nent 17 Nach­wuchs­mu­si­ker sein. Ein­ge­lei­tet wird der Abend durch ei­ne span­nen­de Ent­de­ckung: ein Zy­klus mit Goe­theOrches­ter­lie­dern des Lisz­tSchü­lers Hans Som­mer. Die Ton­spra­che des um 1920 ent­stan­den Zy­klus lässt den Ein­fluss von Richard Strauss er­ken­nen, aber Som­mer fin­det für Ge­dich­te wie „Der Fi­scher“, „An den Mond“bis zu „Wan­de­rers Nacht­lied“bild­haf­te, fi­li­gran ge­zeich­ne­te Mu­sik, und Ba­ri­ton Da­ni­el Ochoa in­ter­pre­tiert den Ge­s­angs­part mit war­mer, wand­lungs­fä­hi­ger, ein­dring­li­cher Stim­me. Von bei­dem wür­de man gern mehr hö­ren: von Ochoa so­wie­so. Und Hans Som­mer soll auch ei­ni­ge Opern ge­schrie­ben ha­ben.

Gu­te Kom­bi­na­ti­on: Da­ni­el Ochoa singt, be­glei­tet vom Os­na­brü­cker Sym­pho­nie­or­ches­ter un­ter Andre­as Hotz, Goe­the-Lie­der von Hans Som­mer. Fo­to: Swaantje Heh­mann

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