Ge­werk­schaft NGG droht Mül­ler mit Streiks

Mit­glie­der stim­men we­gen Ho­mann-Werks­schlie­ßun­gen über Ta­rif­nach­ver­hand­lun­gen und Streiks ab

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrücker Land -

Die Ge­werk­schaft NGG droht der Mül­ler Un­ter­neh­mens­grup­pe mit Streiks. Der NGG-Ge­schäfts­füh­rer für die Re­gi­on Os­na­brück, Uwe Hil­de­brand, hat das ent­täu­schen­de Ho­mann-Kri­sen­tref­fen zum An­lass ge­nom­men, mög­li­che Ar­beits­kampf­maß­nah­men an­zu­kün­di­gen.

Von Je­an-Charles Fays Der Chef der Ge­werk­schaft Nah­rung, Ge­nuss, Gast­stät­ten (NGG), der Di­ens­tag­mor­gen in der nie­der­säch­si­schen Staats­kanz­lei selbst an den Ge­sprä­chen mit Ho­man­nund Mül­ler-Auf­sichts­rats­chef Heiner Kamps teil­ge­nom­men hat, be­ton­te auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on: „Die Hoff­nung schwin­det lang­sam, aber sie ist noch nicht ge­stor­ben. Ta­rif­nach­ver­hand­lun­gen und Ar­beits­kampf sind jetzt die viel­ver­spre­chends­ten Mit­tel, um den Druck zu er­hö­hen.“

Hil­de­brand kün­dig­te an, dass er die NGG-Mit­glie­der über die Maß­nah­men Ta­rif­nach­ver­hand­lun­gen und Streiks ab­stim­men las­sen wer­de. Der letz­te Ta­rif­ab­schluss sei auf­grund der Per­spek­ti­ve für die Mit­ar­bei­ter im Land­kreis Os­na­brück noch sehr mo­de­rat ge­we­sen. Al­ler­dings sei die­ser un­ter der Vor­aus­set­zung ge­schlos­sen wor­den, dass da­für das neue Werk in ei­nem Um­kreis von NGG-Ge­werk­schafts­chef Das Dis­se­ner Ho­mann-Werk in der Däm­me­rung: Nach dem Spit­zen­tref­fen in Han­no­ver ist der Um­zug des Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­mens noch ein Stück nä­her ge­rückt.

35 Ki­lo­me­tern um das der­zeit be­ste­hen­de Werk ge­baut wird. „So­mit ist der ak­tu­ell be­ste­hen­de Ta­rif­ver­trag un­ter fal­schen Vor­aus­set­zun­gen ge­schlos­sen wor­den“, un­ter­streicht Hil­de­brand. Der Ta­rif­ver­trag er­mög­li­che es dem Ar­beit­ge­ber zu­dem, sich

leich­ter von Mit­ar­bei­tern zu tren­nen. Auch dar­über wer­de in den für An­fang Ju­ni ge­plan­ten Ver­hand­lun­gen zu re­den sein.

Kos­ten wür­den stei­gen

Durch vor­zei­ti­ge Ta­rif­ver­hand­lun­gen und Streiks wür­den auch die Kos­ten für die Mül­ler Un­ter­neh­mens­grup­pe stei­gen. Auch das sei ein Weg, die Un­ter­neh­mens­füh­rung viel­leicht doch noch zum Er­halt des Dis­se­ner Stand­orts zu be­we­gen. Zu­dem geht es Hil­de­brand dar­um, den Ar­beit­neh­mern das Ar­beits­lo­sen­geld in Zu­kunft zu er­hö­hen, in­dem das Ge­halt jetzt schon er­höht wird.

Nach dem Kri­sen­ge­spräch am Di­ens­tag­mor­gen in Han­no­ver hat­te die Un­ter­neh­mens­grup­pe Theo Mül­ler in ei­ner Mit­tei­lung noch ein­mal be­kräf­tigt, die Wer­ke in Dis­sen, Bad Es­sen-Lin­torf, Bot­trop

und im thü­rin­gi­schen Floh-Se­li­gen­thal bis 2020 zu schlie­ßen und die Pro­duk­ti­on ins säch­si­sche Wach­auLep­pers­dorf zu ver­la­gern. Ins­ge­samt 1550 Ar­beits­plät­ze, da­von 1000 in Dis­sen und 200 in Bad Es­sen, sind so­mit be­droht. Vor rund drei Wo­chen ging das Un­ter­neh­men noch da­von aus, dass in dem neu­en Werk rund 1000 Ar­beits­plät­ze ent­ste­hen wer­den. In der Mit­tei­lung be­grün­de­te Kamps: „Die ge­plan­te Bün­de­lung der Ho­mann-Pro­duk­ti­on an ei­nem Stand­ort ab dem Jahr 2020 ist wirt­schaft­lich zwin­gend not­wen­dig und dient der Si­che­rung von Ar­beits­plät­zen am Stand­ort Deutsch­land. Die be­ste­hen­den Ho­man­nWer­ke ar­bei­te­ten seit Jah­ren nicht mehr wirt­schaft­lich.“

Ho­mann ha­be auch in­ten­siv ge­prüft, ob be­ste­hen­de Wer­ke in Nie­der­sach­sen wie­der

nach­hal­tig wett­be­werbs­fä­hig ge­macht wer­den könn­ten. Kamps be­ton­te zu­gleich, dass die Pro­duk­ti­on in sämt­li­chen Ho­mann-Wer­ken bis zum Jahr 2020 un­ein­ge­schränkt wei­ter­ge­führt wer­de. Auch das An­ge­bot für al­le Be­schäf­tig­ten zum Wech­sel an ei­nen neu­en Pro­duk­ti­ons­stand­ort in frü­hes­tens drei Jah­ren gel­te wei­ter. Ge­sprä­che auch dar­über wer­de man in Kür­ze mit den Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tun­gen auf­neh­men. Ei­ne Nach­fra­ge, wie al­le Be­schäf­tig­ten zum 500 Ki­lo­me­ter von Dis­sen ent­fern­ten Pro­duk­ti­ons­stand­ort in Wach­au-Leppersdorf wech­seln könn­ten, wenn in dem neu­en Werk 1000 Ar­beits­plät­ze ent­ste­hen, aber 1550 Ar­beits­plät­ze an den vier Stand­or­ten ge­stri­chen wür­den, be­ant­wor­te­te ein Un­ter­neh­mens­spre­cher auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on nicht.

Der Ge­samt­be­triebs­rats­chef von Ho­mann, Andre­as Stra­ede, kom­men­tier­te ei­ne An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on, ob er wei­te­re Maß­nah­men wie die De­mons­tra­ti­on vom 30. April pla­ne: „Es fällt schwer, so ei­ne Ver­an­stal­tung noch zu top­pen. Wir wer­den uns mit dem Ge­samt­be­triebs­rat aber über wei­te­re Maß­nah­men un­ter­hal­ten.“Er setzt auf wei­te­re Ver­hand­lun­gen: „Viel­leicht kön­nen wir über den ent­spre­chen­den Druck in den Ver­hand­lun­gen mit der Un­ter­neh­mens­füh­rung über So­zi­al­plan und In­ter­es­sen­aus­gleich re­geln, dass Dis­sen doch noch ei­ne hö­he­re Prio­ri­tät be­kommt.“Das kön­ne et­wa dann pas­sie­ren, wenn ein Stand­ort­wech­sel für Mül­ler schlicht­weg zu teu­er wür­de. Au­ßer­dem spiel­te Stra­ede im Ge­spräch mit Kamps am Di­ens­tag­mor­gen dar­auf an, dass Cop­pen­rath & Wie­se im 40 Ki­lo­me­ter von Dis­sen ent­fernt ge­le­ge­nen Werk in Met­tin­gen 500 neue Mit­ar­bei­ter bis 2018 sucht: „Wir ha­ben er­läu­tert, dass sehr vie­le un­se­rer Mit­ar­bei­ter uns vor­zei­tig ver­las­sen könn­ten. Es be­steht die Ge­fahr, dass wir schon bald nicht mehr pro­du­zie­ren könn­ten.“

Hil­de­brand füg­te hin­zu, dass sich ne­ben Cop­pen­rath & Wie­se be­reits der Dis­se­ner Be­trieb „Schul­te Fleisch- und Wurst­wa­ren“und das Os­na­brü­cker Un­ter­neh­men „R& R Ice Cream“ge­mel­det hät­ten, die wei­te­re 50 neue Mit­ar­bei­ter such­ten. Dar­über hin­aus be­ton­te er: „Die Leu­te stim­men mit den Fü­ßen ab. Be­reits mehr als 200 Ho­man­nMit­ar­bei­ter ha­ben ein Ar­beits­zeug­nis an­ge­for­dert.“In den kom­men­den drei Jah­ren wol­le Mül­ler mit den vier zu schlie­ßen­den Wer­ken noch viel Geld ver­die­nen. Der Ge­werk­schaf­ter be­fürch­tet zwar, dass „die Ent­schei­dung beim Mül­ler-Ma­nage­ment be­reits im Kopf ge­fal­len ist. Es kann aber sein, dass die­se Ent­schei­dung zu haa­rig wird, so­dass sie dann doch noch über­dacht wird.“

Ein The­men-Spe­zi­al zu Ho­mann le­sen Sie im In­ter­net auf noz.de/ the­men/ho­mann

Uwe Hil­de­brand. Fo­to: Os­ter­feld

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.