Ho­mann-Gip­fel ge­schei­tert

Nach Spit­zen­tref­fen in der Staats­kanz­lei be­kräf­tigt Mül­ler sei­ne Schlie­ßungs­plä­ne

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrücker Land -

Ein Kri­sen­tref­fen zwi­schen Mül­lerMa­nage­ment und Mi­nis­ter­prä­si­dent Weil hat kei­ne Hoff­nung auf Er­halt der nie­der­säch­si­schen Ar­beits­plät­ze bei der Mül­ler-Toch­ter Ho­mann ge­macht. Im Ge­gen­teil.

Ein Spit­zen­ge­spräch zur dro­hen­den Ver­la­ge­rung der nie­der­säch­si­schen Ho­mann-Stand­or­te ist ge­schei­tert. Kurz nach ei­nem Spit­zen­ge­spräch am Di­ens­tag­mor­gen in der nie­der­säch­si­schen Staats­kanz­lei be­kräf­tig­te Auf­sichts­rats­chef Heiner Kamps am Di­ens­tag­mit­tag per Pres­se­mit­tei­lung den Plan der Grup­pe, die be­ste­hen­den Wer­ke in Dis­sen und Bad Es­sen zu­guns­ten ei­nes neu­en Stand­or­tes in Ost­deutsch­land oder Po­len zu schlie­ßen. Da­mit sind in der Re­gi­on Os­na­brück 1200 di­rek­te Ar­beits­plät­ze ge­fähr­det.

Zwei­ein­halb St­un­den vor der Pres­se­mit­tei­lung hat­te Kamps die Staats­kanz­lei nach zwei­stün­di­gen Ge­sprä­chen mit Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil, Wirt­schafts­mi­nis­ter Olaf Lies (bei­de

SPD), Land­rat Micha­el Lüb­bers­mann (CDU) und Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern wort­los und mit ver­stei­ner­ter Mie­ne ver­las­sen.

„Ich ha­be das nicht als of­fe­nes Ge­spräch emp­fun­den“, kri­ti­sier­te Wirt­schafts­mi­nis­ter Lies nach dem Tref­fen. Es ha­be be­reits ei­ne kla­re Vor­fest­le­gung des Un­ter­neh­mens auf den ost­säch­si­schen Stand­ort Leppersdorf ge­ge­ben, er­klär­te er. Kamps ha­be

aber „über­haupt nicht be­grün­det“, war­um ei­ne Ent­schei­dung ge­gen den Stand­ort Dis­sen ge­trof­fen wor­den sei, sag­te Lies. „Das, was ich heu­te er­fah­ren ha­be, reicht nicht an­nä­hernd aus, um Ver­ständ­nis für die bis­her an­ge­kün­dig­te Ent­schei­dung zu ha­ben“, sag­te er.

Al­ler­dings sei das Si­gnal der Un­ter­neh­mens­spit­ze „sehr ne­ga­tiv“ge­we­sen. Die Lan­des­re­gie­rung wer­de

trotz­dem auf wei­te­re Ge­sprä­che drän­gen, um die Ar­gu­men­te für Dis­sen wei­ter vor­zu­tra­gen. Er kön­ne nicht nach­voll­zie­hen, dass Mül­ler nach an­dert­halb­jäh­ri­gen Ver­hand­lun­gen und Vor­be­rei­tun­gen für ei­ne Er­wei­te­rung in Dis­sen plötz­lich ei­nen an­de­ren Stand­ort ins Spiel brin­ge.

Spe­ku­la­tio­nen, Sach­sen lo­cke den Kon­zern mit mil­lio­nen­schwe­ren För­der­gel­dern, trat Lies ent­ge­gen. Er ge­he nicht da­von aus, dass bei ei­ner „klas­si­schen Stand­ort­ver­la­ge­rung“För­der­gel­der „in nen­nens­wer­ter Form“flie­ßen könn­ten.

Land­rat Micha­el Lüb­bers­mann sprach von ei­nem „er­nüch­tern­den Ge­spräch“. Die ver­kehr­li­che In­fra­struk­tur und die be­triebs­wirt­schaft­li­che Sei­te spre­chen aus sei­ner Sicht klar für Dis­sen: „Die Haupt­ab­satz­märk­te sind das Ruhr­ge­biet und die west­eu­ro­päi­schen Län­der. Da ist ein Stand­ort im ost­säch­si­schen Leppersdorf ein er­heb­li­cher lo­gis­ti­scher Mehr­auf­wand als Dis­sen mit di­rek­tem An­schluss zur A 30 und zur A 33. Den­noch sprach Kamps von be­triebs­wirt­schaft­li­chen Vor­tei­len für Leppersdorf. Grün­de da­für nann­te er aber nicht.“Ent­täuscht zeig­te sich Lüb­bers­mann auch dar­über, dass Kamps nicht auf die Fra­ge ein­ge­gan­gen sei, was die Re­gi­on oder das Land über­haupt noch tun könn­ten, um ei­ne Ent­schei­dung für Dis­sen her­bei­zu­füh­ren: „Dar­auf gab er kei­ne kon­kre­te Ant­wort, son­dern wies auf ei­ne stra­te­gi­sche Ent­schei­dung des Kon­zerns hin.“

Auch der Dis­se­ner Bür­ger­meis­ter Hart­mut Nü­mann zeig­te sich kon­ster­niert: „Ich hat­te kein Er­geb­nis, aber zu­min­dest ei­nen sach­li­chen Aus­tausch der Ar­gu­men­te er­war­tet, aber selbst das war nicht mög­lich.“Nü­manns letz­te Hoff­nung ist jetzt, dass Mi­nis­ter­prä­si­dent Weil viel­leicht noch in ei­nem Ge­spräch mit Chef Theo Mül­ler et­was er­rei­chen kann.

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