Ame­ri­kas Böh­mer­mann

US-Ko­mi­ker zieht mit der­bem Trump-Witz hef­ti­ge Kri­tik auf sich

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Medien / Fernsehen - Col­bert. mehr da­zu auf noz.de

Ein der­ber Witz des Ko­mi­kers Ste­phen Col­bert über den ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten Do­nald Trump hat in den USA ei­ne Dis­kus­si­on dar­über aus­ge­löst, was Sa­ti­re darf und was nicht.

Von Tho­mas Sei­bert

Noch nie ist ein ame­ri­ka­ni­scher Prä­si­dent in sei­nen ers­ten Mo­na­ten im Amt so häu­fig und so hef­tig durch den Ka­kao ge­zo­gen wor­den wie Do­nald Trump. Nach ei­ner Un­ter­su­chung der Ge­or­ge-Ma­sonU­ni­ver­si­tät in Vir­gi­nia mach­ten sich Fern­seh-Ko­mi­ker in Trumps ers­ten 100 Ta­gen im Wei­ßen Haus in ge­nau 1060 Wit­zen über das neue Staats­ober­haupt lus­tig. Da­mit schlägt Trump sei­nen Vor­gän­ger Ba­rack Oba­ma um mehr als hun­dert Wit­ze. Aber nicht nur die Mas­se macht’ s. Ei­ne be­son­ders der­be Be­mer­kung des Ko­mi­kers Ste­phen Col­bert über den Prä­si­den­ten hat ei­ne Dis­kus­si­on dar­über aus­ge­löst, was Sa­ti­re darf und was nicht. Ste­phen Col­bert wird zum ame­ri­ka­ni­schen Jan Böh­mer­mann.

Beim Sen­der CBS prä­sen­tiert der 52-jäh­ri­ge Col­bert an Wo­chen­ta­gen kurz vor Mit­ter­nacht die le­gen­dä­re „La­te Show“, die er vor zwei Jah­ren von der Talk-Le­gen­de Da­vid Let­ter­man über­nom­men hat­te. Wie bei bei dem Sen­de­for­mat üb­lich, be­ginnt die Sen­dung mit ei­nem Li­veMo­no­log vor ei­nem Pu­bli­kum im Stu­dio, bei dem sich Col­bert gern und häu­fig den Prä­si­den­ten vor­nimmt. Ver­gan­ge­ne Wo­che hat­te er ei­nen ganz be­son­de­ren Grund, Über­häuf­te Do­nald Trump mit ei­ner Kas­ka­de von Be­schimp­fun­gen: Fern­seh­mo­de­ra­tor Ste­phen Trump zu at­ta­ckie­ren: Der Prä­si­dent hat­te den CBS-Mo­de­ra­tor John Di­cker­son in ei­nem In­ter­view be­lei­digt und das Ge­spräch nach ei­ner ihm un­an­ge­neh­men Fra­ge ab­ge­bro­chen.

„Wenn du ein Mit­glied der CBS-Fa­mi­lie be­lei­digst, dann be­lei­digst du uns al­le“, sag­te Col­bert an Trump ge­rich­tet – und leg­te los. In ei­ner et­wa ein­mi­nü­ti­gen Ti­ra­de über­häuf­te der Ko­mi­ker den Prä­si­den­ten mit ei­ner Kas­ka­de von Be­schimp­fun­gen, die in der Be­mer­kung gip­fel­ten, Trumps Mund eig­ne sich le­dig­lich als Ta­sche für das Ge­schlechts­teil von Wla­di­mir Pu­tin.

Die Re­ak­tio­nen lie­ßen nicht auf sich war­ten. Un­ter dem Hash­tag „#Fi­reCol­bert“for­dern Trump-An­hän­ger auf Twit­ter die Ent­las­sung des Ko­mi­kers und ru­fen zum Boy­kott von CBS und der Wer­be­kun­den des Sen­ders auf. Col­bert sei ein­deu­tig zu weit ge­gan­gen und ha­be die im Fern­se­hen gel­ten­den Gren­zen des An­stan­des über­schrit­ten, lau­tet das Ar­gu­ment. Im In­ter­net wer­den Un­ter­schrif­ten ge­sam­melt, um CBS da­zu zu brin­gen, sich von Col­bert zu tren­nen. Zum Teil wird dem Ko­mi­ker vor­ge­wor­fen, sein Pu­tin-Satz sei schwu­len­feind­lich ge­we­sen. Ame­ri­ka­ni­sche Kon­ser­va­ti­ve be­kla­gen, dass vie­le mehr­heit­lich links­li­be­ra­le Ko­mi­ker, Me­di­en und Film­leu­te mit dem neu­en Prä­si­den­ten we­sent­lich här­ter ins Ge­richt ge­hen, als sie es mit Oba­ma ta­ten.

Wäh­rend Col­berts Kri­ti­ker wei­ter Sturm lau­fen, schal­ten sich die Be­hör­den ein. Die ame­ri­ka­ni­sche Fern­seh­auf­sicht er­klär­te, nach dem Ein­gang von Be­schwer­den prü­fe sie ein Buß­geld­ver­fah­ren ge­gen den Ko­mi­ker. „Obszö­ne“Be­mer­kun­gen sind auch um Mit­ter­nacht im US-Fern­se­hen nicht ger­ne ge­se­hen. Ju­ris­ti­sche Schrit­te we­gen Prä­si­den­ten­be­lei­di­gung hat Col­bert an­ders als sein deut­scher Kol­le­ge Böh­mer­mann nach des­sen Schmäh­ge­dicht über den tür­ki­schen Staats­chef Re­cep Tay­yip Er­do­gan al­ler­dings nicht zu be­fürch­ten, weil die ame­ri­ka­ni­schen Ge­rich­te das Recht auf Mei­nungs­frei­heit sehr weit aus­le­gen. Col­bert selbst räum­te an­ge­sichts der Wel­le von Kri­tik ein, sei­ne Wort­wahl sei an ei­ni­gen Stel­len ra­bia­ter ge­we­sen als nö­tig. Den Vor­wurf der Ho­mo­pho­bie wies er aber zu­rück. Ei­ne Ent­schul­di­gung lehn­te er ab: „Ich be­reue es nicht.“

Dass aus­ge­rech­net die Fans von Trump, der im Wahl­kampf mit ex­trem frau­en­feind­li­chen Äu­ße­run­gen aus sei­ner Ver­gan­gen­heit kon­fron­tiert wur­de und der bei sei­nen An­grif­fen auf Geg­ner kein Kind von Trau­rig­keit ist, plötz­lich bei Col­bert ei­ne un­trag­ba­re Gos­sen­spra­che be­kla­gen, ge­hört zu den be­mer­kens­wer­ten Aspek­ten der De­bat­te. Wenn es um sprach­li­che Ent­glei­sun­gen ge­he, stel­le sich die Fra­ge, wo die Col­bert-Kri­ti­ker ge­we­sen sei­en, als Trump ver­ächt­lich über Frau­en, Ein­wan­de­rer und Schwar­ze ge­spro­chen ha­be, kom­men­tier­te die De­si­gne­rin Su­zan­ne Hem­phill auf Twit­ter.

In­zwi­schen tre­ten selbst Ver­tre­ter der Kon­ser­va­ti­ven da­für ein, im Fall Col­bert die Kir­che im Dorf zu las­sen. Se­an Han­ni­ty, ei­ner der ein­fluss­reichs­ten Mo­de­ra­to­ren bei Fox News und ein pro­mi­nen­ter Trump-Fan, wand­te sich öf­fent­lich ge­gen die „#Fi­reCol­bert“-Kam­pa­gne. Wenn ihr ihn nicht mögt, dann schal­tet ein­fach um.“

Trump und die Me­di­en,

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