In Zei­ten des Auf­bruchs

„Licht“: Ant­ho­ny McCar­tens Ro­man über Tho­mas Al­va Edi­son

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Literatur - Ant­ho­ny McCar­ten: Licht.

Von So­phie Wei­gand

Am En­de des 19. Jahr­hun­derts war das Licht. Tho­mas Al­va Edi­son, ei­nem ge­nia­len Tüft­ler oh­ne Schul­bil­dung, ge­lingt es mit der Er­fin­dung der Glüh­lam­pe, ei­ne neue Ära ein­zu­lei­ten. Es ist die Ära der Elek­tri­fi­zie­rung, die das Stadt­le­ben grund­le­gend ver­än­dern wird. Edi­son ist ein Er­fin­der, der mehr Ide­en hat, als er um­set­zen kann. Er ist we­ni­ger in­ter­es­siert an Ver­mark­tung als an der Ent­wick­lung und Ver­bes­se­rung von Ide­en.

Den­noch lässt er sich von J.P. Mor­gan, dem ein­fluss­rei­chen Pri­vat­ban­kier, da­zu über­re­den, groß zu den­ken und so bald als mög­lich die Me­tro­po­le New York mit Edi­sons Glüh­lam­pen zu er­leuch­ten. Mit Mor­gans Geld im Hin­ter­grund wird Edi­son Ge­schäfts­mann, lässt rie­si­ge For­schungs­la­bo­re bau­en und sticht Geg­ner aus. Al­len vor­an sei­nen Kon­kur­ren­ten Ge­or­ge Wes­ting­hou­se, der auf die weit güns­ti­ge­re Wech­sel­strom­tech­nik setzt.

Edi­son ver­tei­digt sto­isch sei­nen Gleich­strom und tut, von Mor­gan und den In­ves­to­ren Ant­ho­ny McCar­ten auf­ge­sta­chelt, al­les, um Wes­ting­hou­se in Ver­ruf zu brin­gen. Aus die­sem „Strom­krieg“geht am En­de die ver­meint­lich zi­vi­li­sa­to­ri­sche Er­run­gen­schaft des elek­tri­schen Stuhls her­vor, der mit Wes­ting­hou­ses Wech­sel­strom be­trie­ben wird. Edi­son will, letzt­lich er­folg­los, die Ge­fahr des Wech­sel­stroms be­wei­sen, in­dem er ihn für die To­des­stra­fe dienst­bar macht. McCar­ten er­zählt his­to­risch ge­nau in Rück­blen­den Edi­sons nicht aus­nahms­los ruhm­rei­che Ge­schich­te. Er zeich­net ei­nen Tho­mas Edi­son, der kor­rum­piert ist vom Ge­schäfts­ge­ba­ren des gro­ßen In­ves­tors Mor­gan. In­wie­weit die­ser ge­bro­che­ne, wehr­lo­se Mann am En­de der Rea­li­tät ent­spricht, bleibt frag­lich. Nichts­des­to­trotz ist „Licht“ein ge­winn­brin­gen­der Ein­blick in Zei­ten des Auf­bruchs, in des­sen Wind­schat­ten nicht im­mer zum Woh­le al­ler, son­dern oft zu­guns­ten we­ni­ger ent­schie­den wird.

So­phie Wei­gand ist Li­te­ra­tur­blog­ge­rin in Lü­beck. Ihr Blog „Li­te­ra­tu­ren“fin­det sich im Netz un­ter: li­te­ra­tou­ris­mus.net

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Fo­to: im­a­go/teu­to­press

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