Kopf­über in das gro­ße Dra­ma der Lie­be

„Der Mann in der fünf­ten Rei­he“: Vé­ro­ni­que Ol­mi er­zählt von ei­ner Er­folgs­frau auf der Su­che nach ih­rem Glück

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Literatur - Vé­ro­ni­que Ol­mi: Der Mann in der fünf­ten Rei­he.

Von Ste­fan Lüd­de­mann

Der Coup de foud­re, der Blitz der Lie­be auf den ers­ten Blick, trifft Nel­ly gleich dop­pelt. Er heißt Paul. Un­ver­fäng­li­cher geht es kaum. Aber Paul nimmt Nel­ly, die Schau­spie­le­rin und Er­folgs­frau, in Be­sitz. Nel­ly trennt sich nach hef­ti­ger Af­fä­re. Aber plötz­lich ist Paul wie­der da. Als Nel­ly Thea­ter spielt, sitzt er im Pu­bli­kum. Er ist der „Mann in der fünf­ten Rei­he“.

Vé­ro­ni­que Ol­mi schreibt über Men­schen, de­ren Le­ben plötz­lich auf der Kip­pe steht. Ihr neu­er Ro­man ent­spricht die­sem Mus­ter wie frü­he­re Bü­cher Ol­mis von „Ein Mann ei­ne Frau“bis „Nacht der Wahr­heit“. Nel­ly, die Haupt­fi­gur in dem neu­en Ro­man der in Niz­za ge­bo­re­nen Au­to­rin, ist wie­der ein Mensch, der sich dem Le­ben aus­setzt – und das nicht nur, weil sie Schau­spie­le­rin ist. Sie wirft sich in die Lie­be wie in ein wo­gen­des Schick­sal.

Das mag man pa­the­tisch fin­den. Eben­so wie den Kunst­griff, Nel­ly aus­ge­rech­net in Lu­i­gi Pi­ran­del­los Klas­si­ker „Fünf Per­so­nen su­chen ei­nen Au­tor“auf­tre­ten zu las­sen. Das Le­ben als Schau­spiel, das Thea­ter als Gleich­nis der Ent­frem­dung, das al­les gab es schon. Vé­ro­ni­que Ol­mi be­herrscht al­ler­dings die Kunst der knap­pen Sät­ze, die ein Le­ben glei­ßend hell aus­leuch­ten. Und sie führt Lie­be als Dra­ma vor, das Mann und Frau ver­schlingt. Lie­be als flau­es Da­ting, als Spiel­chen mit Op­tio­nen? Das gibt es mit Ol­mi nicht.

„Der Mann in der fünf­ten Rei­he“mag für ei­nen Ro­man zu schmal an­ge­legt sein. Das Buch ent­spricht eher ei­ner No­vel­le, denn Ol­mi rafft die Hand­lung rund um dra­ma­ti­sche Hö­he­punk­te. Le­ser und vor al­lem Le­se­rin­nen wer­den mit Nel­ly durch al­le Hö­hen und Tie­fen der Lie­be fie­bern, ei­ner amour fou à la françai­se nach­spü­ren. Und über­rascht ei­nen Schluss er­le­ben, der die Hand­lung noch ein­mal öff­net – in ei­nen lich­ten Hoff­nungs­raum.

Ro­man. Kunst­mann. 112 Sei­ten. 18 Eu­ro.

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