So weit die Fü­ße tra­gen

Wenn High Heels und Pan­tof­feln scha­den

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Gesund Im Mai -

Ob­wohl sie uns durchs Le­ben brin­gen, ge­hen vie­le Men­schen ziem­lich sorg­los mit ih­ren Fü­ßen um. Das kann nicht nur schmerz­haft sein, son­dern im Ex­trem­fall so­gar töd­li­che Fol­gen ha­ben.

OS­NA­BRÜCK. Ein­ge­quetsch­te Ze­hen in zu klei­nen Kin­der­schu­hen, Stö­ckel­schu­he im Bü­ro­all­tag und ka­rier­te Se­nio­ren-Haus­schlap­pen oh­ne fes­ten Halt: Im Lau­fe un­se­res Le­bens mu­ten wir un­se­ren Fü­ßen viel zu. Das hat oft schlim­me Fol­gen für un­se­re Ge­sund­heit - in an­de­ren Fäl­len wie­der­um war­nen Ärz­te vor Pa­nik­ma­che.

Kin­der: Spie­len und To­ben oh­ne Ze­hen­frei­heit: Nur die we­nigs­ten Kin­der tra­gen Schu­he in der rich­ti­gen Grö­ße. „Et­wa zwei Drit­tel der Kin­der­schu­he pas­sen nicht, der weit­aus größ­te Teil ist zu klein“, sagt Ro­bert Rödl, Chef­arzt für Kin­der­or­tho­pä­die, De­for­mi­tä­ten­re­kon­struk­ti­on und Fuß­chir­ur­gie am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Müns­ter. Die Schu­he wür­den in der Re­gel ei­ne Sai­son an­ge­zo­gen, wer durch­ge­hend pas­sen­de Tre­ter für schnell wach­sen­de Kin­der­fü­ße wol­le, müs­se weit häu­fi­ger nach­kau­fen. „An­sons­ten ist das Schuh­werk die Hälf­te der Zeit zu klein“, so der Pro­fes­sor.

Ge­rin­ge Fol­ge­schä­den

Sor­gen müs­sen sich El­tern des­we­gen aber nicht ma­chen, so Rödl. Fol­ge­schä­den durch zu klei­ne Schu­he ge­be es nicht. Auch Senk- oder Knick­fü­ße bei Kin­dern un­ter sechs Jah­ren sei­en kein Grund zur Sor­ge, das wach­se sich aus. „Kin­der sel­ber ha­ben kei­ne Pro­ble­me, aber die Fü­ße se­hen un­güns­tig aus und da­mit ha­ben Er­wach­se­ne Pro­ble­me.“Erst wenn Fehl­stel­lun­gen blei­ben, sei ein Ter­min beim Or­tho­pä­den sinn­voll.

Er­wach­se­ne: Spit­ze Schu­he und ho­he Ab­sät­ze se­hen zwar toll aus, sind aber un­ge­sund für un­se­re Fü­ße. „Wenn ich dau­er­haft auf Ze­hen lau­fe, pro­vo­zie­re ich ei­ne Fuß­fehl­form“, sagt Pro­fes­sor Karl-Die­ter Hel­ler, Chef­arzt der Or­tho­pä­die an der Braun­schwei­ger HEH-Kli­nik. Bis zu 23 Pro­zent der Men­schen zwi­schen 18 und 65 Jah­ren ha­ben nach An­ga­ben von Wis­sen­schaft­lern der Or­tho­pä­di­schen Uni­ver­si­täts­kli­nik Tü­bin­gen ei­nen Hal­lux val­gus, al­so ei­ne Bal­len­ze­he. Da­bei ist der gro­ße Zeh ver­formt. Das füh­re oft da­zu, dass die klei­nen Ze­hen nicht mehr ge­nug Platz ha­ben und nach oben aus­wei­chen. Die Fol­ge: Druck ge­gen den Schuh und Schmer­zen.

Be­son­ders Frau­en, die häu­fig Stö­ckel­schu­he tra­gen, sind da­von be­trof­fen. Ei­ni­ge ha­ben zu­dem Schmer­zen, so­bald sie auf fla­chen Soh­len un­ter­wegs sind. Schuld dar­an ist die Achil­les­seh­ne, wie Wis­sen­schaft­ler der Uni­ver­si­tä­ten Man­ches­ter und Wi­en her­aus­fan­den. Sie wird bei man­chen Stö­ckel­schu­hTrä­ge­rin­nen di­cker und un­be­weg­li­cher. Aber auch wer dau­er­haft Ein­la­gen trägt, kann den Fuß laut Hel­ler un­ter­for­dern, so dass die Mus­keln nicht aus­rei­chend trai­niert wer­den.

Doch nicht je­de Ve­rän­de­rung des Fu­ßes gibt Grund zur Sor­ge. „Die Ver­for­mung des Fu­ßes ist ein nor­ma­ler Al­te­rungs­pro­zess, der sehr vie­le Men­schen be­trifft“, sagt Hel­ler. Wenn da­zu aber Schmer­zen kom­men, lie­ge ein Fuß­scha­den vor. Fuß­gym­nas­tik und Bar­fuß­lau­fen trai­nie­ren den Fuß und hel­fen, so­lan­ge es nicht schmerzt. „Es macht Sinn, mal nur Strümp­fe an­zu­zie­hen in der Woh­nung.“

Se­nio­ren: Für äl­te­re Men­schen kön­nen fal­sche Schu­he so­gar zur töd­li­chen Ge­fahr wer­den. So sind Pan­tof­feln zwar be­quem und ein­fach an­zu­zie­hen, bie­ten aber kei­nen Halt und Se­nio­ren stür­zen leich­ter. „Man kann auf je­den Fall da­von aus­ge­hen, dass das Ri­si­ko er­höht ist“, sagt Ki­li­an Rapp von der Kli­nik für ger­ia­tri­sche Re­ha­bi­li­ta­ti­on am Stutt­gar­ter Ro­bert-Bosch-Kran­ken­haus.

In ei­ner Stu­die un­ter­such­te er mit Kol­le­gen mehr als 70 000 Stür­ze in rund 530 Pfle­ge­hei­men in Bay­ern. Ei­ne Er­kennt­nis: „Stür­ze in Schlap­pen ha­ben häu­fi­ger zu schwe­ren Ver­let­zun­gen ge­führt.“Rapp ver­mu­tet, dass Se­nio­ren in Pan­tof­feln even­tu­ell mit grö­ße­rer Wucht stür­zen, so dass Be­trof­fe­ne häu­fi­ger ins Kran­ken­haus muss­ten. Und das kann für äl­te­re Men­schen schlim­me Fol­gen ha­ben. „Stür­ze sind ei­nes der größ­ten Pro­ble­me im Al­ter.“

Vor­sicht: Kno­chen­bruch

Be­son­ders ge­fürch­tet sei­en Kno­chen­brü­che. Der Ärz­te­kam­mer Nord­rhein zu­fol­ge stirbt et­wa ein Drit­tel der hoch­be­tag­ten Pa­ti­en­ten in­ner­halb ei­nes Jah­res nach sta­tio­nä­rer Be­hand­lung ei­ner Hüft­frak­tur, et­wa die Hälf­te der Pa­ti­en­ten er­langt ih­re ur­sprüng­li­che Be­weg­lich­keit nicht mehr zu­rück. Ei­ne EU-Ar­beits­grup­pe zur Sturz­prä­ven­ti­on warnt des­halb Se­nio­ren vor dem Her­um­lau­fen in So­cken, ho­hen Schu­hen oder schlecht sit­zen­den Haus­schlap­pen oh­ne Fi­xie­rung.

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