18 Stim­men ge­gen die Sper­rung

Ne­u­markt-Ein­wän­de im Fak­ten­check der Pla­ner

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Ge­gen die Schlie­ßung des Ne­u­markts für den Au­to­ver­kehr sind 18 Ein­wen­dun­gen bei der Stadt ein­ge­gan­gen. Mor­gen be­rät der Aus­schuss für Stadt­ent­wick­lung und Um­welt das The­ma. Ober­bür­ger­meis­ter Grie­sert emp­fiehlt dem Rat, den Ne­u­markt „der­zeit nicht teil­ein­zu­zie­hen“.

Von Rai­ner Lah­mann-Lam­mert

Der Fach­be­reich Städ­te­bau hat die 18 Ein­wen­dun­gen nach Be­trof­fen­heit sor­tiert und auf ih­re Stich­hal­tig­keit über­prüft. Es geht um Ein­zel­in­ter­es­sen und grund­sätz­li­che Fra­gen, die sich aus der Sper­rung er­ge­ben wür­den, et­wa um län­ge­re We­ge für Kun­den und Park­haus­be­su­cher, um Lärm und Luft­schad­stof­fe, um die Platz­ge­stal­tung und die ho­he Zahl der Die­sel­bus­se.

Man­cher Be­schwer­de­füh­rer, der ei­ne Exis­tenz­ge­fähr­dung gel­tend macht, muss im Fak­ten­check hin­neh­men, dass die Pla­ner sei­ne Ar­gu­men­te re­la­ti­vie­ren. Et­wa ein di­rek­ter An­lie­ger des Ne­u­markts, nach des­sen Wor­ten es „von es­sen­zi­el­ler Wich­tig­keit“ist, dass sei­ne Kun­den und Lie­fe­ran­ten ihn „bei Be­darf schnell und zu­ver­läs­sig per Au­to er­rei­chen“könn­ten.

„Der­ar­ti­ge Di­enst­fahr­ten“, so schreibt der Ein­wen­der, kön­ne er „beim bes­ten Wil­len nicht mit dem Fahr­rad oder dem ÖPNV ab­sol­vie­ren“. Für die Ver­wal­tung ist der Fall of­fen­sicht­lich we­ni­ger dra­ma­tisch. Das Ge­schäft die­ses An­lie­gers sei über die Al­te Mün­ze und den Grü­nen Brink er­reich­bar – und dar­an wer­de sich so oder so nichts än­dern, heißt es in der Ent­geg­nung.

Ähn­lich be­geg­nen die Pla­ner dem Ein­wand ei­nes Arz­tes, die Ne­u­markt-Sper­rung ge­fähr­de die me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung sei­ner Pa­ti­en­ten. Aber die Pla­ner blei­ben ge­las­sen und hal­ten fest, dass „die Er­reich­bar­keit durch das be­ste­hen­de städ­ti­sche Ver­kehrs­netz ge­ge­ben“sei und die zu­sätz­li­che Fahr­zeit nicht ins Ge­wicht fal­le.

In ei­nem eben­so nüch­ter­nen Ton­fall sind die Stel­lung­nah­men der Ver­wal­tung for­mu­liert, wenn In­nen­stadt­be­woh­ner vor Um­we­gen und län­ge­ren War­te­zei­ten war­nen, falls die Stadt den Ne­u­markt zur au­to­frei­en Zo­ne er­klärt. Im Ver­gleich zum Ge­samt­ver­kehrs­auf­kom­men im Stadt­ge­biet wä­ren die not­wen­di­gen Um­we­ge „nur un­we­sent­lich und wür­den sich des­halb volks­wirt­schaft­lich nicht spür­bar aus­wir­ken“, schreibt der Fach­be­reich Städ­te­bau. Auch den Ein­wand, dass die Park­häu­ser nicht oder nur um­ständ­lich zu er­rei­chen wä­ren, wei­sen die Pla­ner zu­rück. Die Ka­pa­zi­tä­ten der Park­häu­ser zu bei­den Sei­ten des ge­sperr­ten Ne­u­markts sei­en in et­wa „Die Er­reich­bar­keit ist durch das be­ste­hen­de Ver­kehrs­netz ge­ge­ben“ Aus der Stel­lung­nah­me der Stadt­ver­wal­tung

gleich hoch. Sie blie­ben wei­ter­hin er­reich­bar, teil­wei­se al­ler­dings nur mit Um­we­gen.

Dass Um­we­ge über den Wall­ring mehr Lärm und Schad­stof­fe für die An­woh­ner mit sich brin­gen könn­ten, räumt auch die Ver­wal­tung ein. Und auch die Be­las­tung durch die vie­len Bus­se wird nicht ne­giert. Hier hel­fe je­doch nur ei­ne Ge­samt­be­trach­tung, und die er­for­de­re wei­te­re Da­ten, lau­tet das amt­li­che State­ment.

Mit die­sem Ar­gu­ment will Ober­bür­ger­meis­ter Wolf­gang Grie­sert durch­set­zen, dass der Rat sei­ne Ent­schei­dung über ei­nen au­to­frei­en Ne­u­markt ver­schiebt. Doch die Re­gen­bo­gen­ko­ali­ti­on, der die Frak­tio­nen von SPD und Grü­nen, FDP, Lin­ken und UWG/Pi­ra­ten an­ge­hö­ren, will die Stra­ße über den zen­tra­len Platz mit ei­ner so­ge­nann­ten Teil­ein­zie­hung vom mo­to­ri­sier­ten In­di­vi­du­al­ver­kehr frei hal­ten.

Wo ein Ein­wen­der vor dem „volks­wirt­schaft­li­chen Scha­den“warnt, der durch Staus und hö­he­re Emis­sio­nen an den be­wohn­ten An­lie­ger­stra­ßen und für die Wall­be­woh­ner ent­ste­hen könn­te, ant­wor­tet die Ver­wal­tung tro­cken: „Im Ver­gleich mit dem Ge­samt­ver­kehrs­auf­kom­men im Stadt­ge­biet wä­re der An­teil der im Zu­ge der Ne­u­markt­sper­rung ggf. auf­tre­ten­den Staus und not­wen­di­gen Um­we­ge nur un­we­sent­lich und wür­de sich des­halb volks­wirt­schaft­lich nicht spür­bar aus­wir­ken.“

Vom Hand­werk wird be­klagt, „dass die feh­len­de Haupt­ver­kehrs­ach­se über den Ne­u­markt zeit­rau­ben­de Um­fah­run­gen“nach sich zie­he. Die Pla­ner ver­wei­sen hin­ge­gen auf die Zeit, als der Ne­u­markt bau­stel­len­be­dingt ge­sperrt wur­de. Da­bei ha­be sich her­aus­ge­stellt, dass sich die mitt­le­re Rei­se­ge­schwin­dig­keit zwar ten­den­zi­ell ver­schlech­tert ha­be, al­ler­dings auf die Stu­fe D, was der Schul­no­te „aus­rei­chend“ent­spre­che.

Der Ne­u­markt als Fuß­gän­ger­zo­ne? 18 Ein­wen­der hal­ten mit ih­ren Ar­gu­men­ten da­ge­gen. Fo­to: Ar­chiv/Jörn Mar­tens

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