EU-Par­la­ment bald nur noch in Brüs­sel?

Br­ex­it macht De­al mit Pa­ris mög­lich

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Det­lef Dre­wes

Aus für Straß­burg? Das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment will die el­säs­si­sche Me­tro­po­le of­fen­bar end­gül­tig ver­las­sen und künf­tig nur noch in Brüs­sel ta­gen.

Nach In­for­ma­tio­nen un­se­res Brüs­se­ler Bü­ros ha­ben sich rund 75 Pro­zent der 751 Volks­ver­tre­ter aus 28 Mit­glied­staa­ten hin­ter die­sen jüngs­ten Vor­stoß ge­stellt, dem gro­ße Chan­cen ein­ge­räumt wer­den, den mo­nat­li­chen „Wan­der­zir­kus“der EUPar­la­men­ta­ri­er zu stop­pen. Aus­lö­ser ist aus­ge­rech­net der Br­ex­it.

Bis­her ta­gen die Ab­ge­ord­ne­ten ein­mal im Mo­nat für vier Ta­ge in Straß­burg, wo das EU-Par­la­ment auch of­fi­zi­ell sei­nen Sitz hat. Ver­su­che, die jähr­lich 200 Mil­lio­nen Eu­ro teu­re Pen­de­lei von bis zu 5000 Volks­ver­tre­tern, As­sis­ten­ten, Dol­met­schern und Per­so­nal zu be­en­den, schei­ter­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren am Wi­der­stand Frank­reichs, das ei­ne Än­de­rung der gel­ten­den Re­ge­lung strikt ab­lehn­te. Doch nun wird im Kreis der Par­la­men­ta­ri­er über ein „lu­kra­ti­ves Ge­gen­ge­schäft“ge­re­det. Im Zu­ge des Br­ex­it will die EU näm­lich ih­re Agen­tur für die Zu­las­sung von Arz­nei­mit­teln (EMA) aus Lon­don ab­zie­hen und auf dem Kon­ti­nent an­sie­deln.

Da­bei han­delt es sich um ei­ne der be­deu­tends­ten Be­hör­den der Uni­on mit fast 1000 Ex­per­ten und Mit­ar­bei­tern, in de­ren Um­feld sich fast 1000 Phar­ma-Ver­tre­tun­gen und Berater-Kanz­lei­en nie­der­ge­las­sen ha­ben. Der Plan der Ab­ge­ord­ne­ten sieht nun vor, die EMA in Straß­burg an­zu­sie­deln, wo die vor­han­de­nen Ge­bäu­de wei­ter ge­nutzt wer­den könn­ten.

Die el­säs­si­sche Me­tro­po­le gilt we­gen ih­rer me­di­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät mit ho­hem in­ter­na­tio­na­len Re­nom­mee, mit ei­ner an­ge­schlos­se­nen phar­ma­zeu­ti­schen Fa­kul­tät und ver­schie­de­nen For­schungs­ein­rich­tun­gen in Brüs­sel als na­he­zu „idea­ler Stand­ort“, wie ge­gen­über un­se­rer Zei­tung be­stä­tigt wur­de. Ei­ne sol­che In­sti­tu­ti­on kön­ne auch die Nach­tei­le der Re­gi­on, die durch den Ab­zug des EU-Par­la­men­tes ent­ste­hen wür­den, wett­ma­chen.

Bis­her ha­ben sich 40 Städ­te und Re­gio­nen für ei­ne An­sied­lung der EMA be­wor­ben – dar­un­ter in Deutsch­land die Städ­te Berlin, Bonn, Frankfurt, Hamburg, Han­no­ver und das Bun­des­land Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Den­noch, so heißt es in Brüs­sel, wür­de auch die Bun­des­re­gie­rung den Stand­ort Straß­burg be­grü­ßen, wenn da­durch das all­mo­nat­li­che Wan­dern des Par­la­men­tes ob­so­let wür­de. Die letz­te Ent­schei­dung über ei­ne ent­spre­chen­de Än­de­rung der EU-Ver­trä­ge liegt bei den Staats- und Re­gie­rungs­chefs. Un­mit­tel­bar nach den fran­zö­si­schen Par­la­ments­wah­len wol­len die Ab­ge­ord­ne­ten die Staa­ten­len­ker of­fi­zi­ell bit­ten, sich mit dem The­ma zu be­fas­sen.

Eu­ro­pa und der Br­ex­it: Hin­ter­grün­de und Ana­ly­sen auf noz.de/po­li­tik

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