Nest­häk­chen Mar­tin war „total ver­wöhnt“

Ge­schwis­ter stel­len Buch über Schulz vor – Fa­mi­li­en-Sa­ga mit viel Pa­thos

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Bea­te Ten­fel­de

Ein Schulz-Hy­pe? Das war ges­tern. Der SPDKanz­ler­kan­di­dat ist in den Nie­de­run­gen der Po­li­tik an­ge­kom­men. Doch auch jetzt fängt ihn die Fa­mi­lie auf. „Ver­ste­hen Sie Schulz“heißt ein neu­es Buch, in dem auch sei­ne Ge­schwis­ter die Welt des SPD-Bun­des­vor­sit­zen­den er­klä­ren – aus der Per­spek­ti­ve sei­nes Hei­mat­or­tes Wür­se­len.

Ent­stan­den ist da­bei ei­ne Art „Schulz-Sa­ga“, die ges­tern in Berlin mit ei­nem ge­hö­ri­gen Schuss Pa­thos vor­ge­stellt wur­de. Pa­tri­arch ist der Groß­va­ter Mar­tin, ein An­tiNa­zi, dem der Hit­ler­gruß nie über die Lip­pen kam und dem es um den Zu­sam­men­halt des „Clans“ging. Ei­ne zen­tra­le Rol­le spielt auch Schulz’ Mut­ter Kla­ra, die in Wür­se­len die CDU mit ge­grün­det hat. Den fünf Kin­dern ließ sie freie Hand, al­le wur­den SPD-Mit­glied.

Der Va­ter, ein Po­li­zist, wird als „ver­hin­der­ter Mu­si­ker“skiz­ziert. An­ge­sichts aku­ter Ar­mut war ei­ne pro­fes­sio­nel­le Aus­bil­dung als Gei­ger nicht drin. Noch heu­te hän­ge beim Ex-EU-Par­la­ments­prä­si­den­ten zu Hau­se ei­ne Gei­ge an der Wand, heißt es. Ei­ne Er­in­ne­rung an den Va­ter. Er schnitz­te das In­stru­ment in bri­ti­scher Kriegs­ge­fan­gen­schaft aus Sperr­holz. Werk­zeu­ge wa­ren ein Brot­mes­ser und Scher­ben.

Au­tor Mar­tin Häuss­ler be­schei­nigt dem „Sys­tem Schulz“im­men­se „Wirk­kräf­te“und über­treibt zu­wei­len in der Wahl sei­ner Wor­te. So sagt er, dem 1955 ge­bo­re­nen Mar­tin sei der „Fa­mi­li­en­auf­trag“er­teilt wor­den, Füh­rung und Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men. Das ist kein Selbst­läu­fer, wie jüngs­te Rück­schlä­ge für den SPDKanz­ler­kan­di­da­ten zei­gen.

Aber es ist wie frü­her schon, als es beim jun­gen Mar­tin in der Schu­le nicht klapp­te und sich auch die er­träum­te Bun­des­li­ga-Kar­rie­re des Links­ver­tei­di­gers von Rhen­ania 05 als Wunsch­traum er­wies: Die Fa­mi­lie ist da. Und sie plau­dert ges­tern frei­mü­tig über den SPDKanz­ler­kan­di­da­ten.

Der war als Nest­häk­chen „total ver­wöhnt“, sagt sei­ne äl­tes­te Schwes­ter Do­ris Harst. An­ders als die vier äl­te­ren Ge­schwis­ter, die un­ter den Ent­beh­run­gen der Nach­kriegs­zeit ge­lit­ten hät­ten, soll­te es dem En­de 1955 ge­bo­re­nen klei­nen Mar­tin bes­ser ge­hen. „Er be­kam die Fuß­ball­schu­he, die er sich wünsch­te“, sagt sie. Über Po­li­tik wur­de am Kü­chen­tisch lei­den­schaft­lich ge­strit­ten. Auch jetzt ma­chen Do­ris und Wal­ter Stra­ßen­wahl­kampf für Mar­tin, der im Herbst Kanz­ler wer­den will. Zur ak­tu­el­len La­ge der SPD wol­len sie sich nicht äu­ßern. Egal, wie die Bun­des­tags­wahl aus­geht: „Ge­fei­ert wird so­wie­so“, sagt Do­ris.

Ihr klei­ner Bru­der macht un­ter­des­sen gro­ße Po­li­tik und be­wegt sich in­halt­lich auf den künf­ti­gen fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten Em­ma­nu­el Ma­cron zu. Mar­tin Schulz schließt sich des­sen For­de­rung an, ei­nen ge­mein­sa­men Haus­halt der Eu­ro-Län­der zu schaf­fen. „Wenn die Staa­ten der Eu­ro-Grup­pe ge­mein­sa­me Auf­ga­ben an­pa­cken sol­len, wä­re ei­ne ge­mein­sa­me Bud­get­fi­nan­zie­rung sinn­voll“, so Schulz der „Zeit“.

Schulz und die So­zi­al­de­mo­kra­ten: mehr auf noz.de/the­men/spd

Die äl­te­ren Ge­schwis­ter des SPD-Chefs: Do­ris Harst und Wal­ter Schulz. Foto: dpa

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