Trump-Kri­ti­ker se­hen USA in ei­ner Ver­fas­sungs­kri­se

Nach Ent­las­sung von FBI-Chef Co­mey ge­rät Prä­si­dent un­ter hef­ti­gen Be­schuss – Kein Son­der­er­mitt­ler zu Russ­land-Ver­bin­dun­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke - Von Tho­mas Sei­bert Mehr zum neu­en USPrä­si­den­ten: noz.de/ the­men/do­nald-trump

In sei­nen fast vier Mo­na­ten im Amt hat USPrä­si­dent Do­nald Trump das Esta­blish­ment in Washington schon so man­ches Mal ge­schockt. Aber nichts reicht an die Druck­wel­le der po­li­ti­schen Bom­be her­an, die Trump mit der über­ra­schen­den Ent­las­sung von FBI-Chef Ja­mes Co­mey ge­zün­det hat. Ei­ni­ge Po­li­ti­ker in der US-Haupt­stadt spre­chen von ei­ner Ver­fas­sungs­kri­se. Die Fra­ge, ob Trump mit Co­meys Raus­wurf pein­li­che Ent­hül­lun­gen über Kon­tak­te zu Russ­land ver­tu­schen will, stellt sich auch für Par­tei­freun­de des Prä­si­den­ten im­mer drin­gen­der, das Wort vom Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren macht die Run­de. Die Su­che nach ei­nem neu­en Lei­ter der Bun­des­po­li­zei dürf­te in die­ser ver­gif­te­ten At­mo­sphä­re sehr schwie­rig wer­den.

„Hier­mit sind Sie mit so­for­ti­ger Gül­tig­keit ent­las­sen und des Am­tes ent­ho­ben“, schrieb Trump am Di­ens­tag in ei­nem Brief an Co­mey, der den Ge­schass­ten erst er­reich­te, nach­dem das gan­ze Land längst von sei­ner Kün­di­gung wuss­te. Of­fi­zi­ell

be­grün­det die Re­gie­rung den Raus­schmiss mit Co­meys Ver­hal­ten bei Nach­for­schun­gen we­gen der Nut­zung ei­nes pri­va­ten E-Mail-Ser­vers durch die frü­he­re Au­ßen­mi­nis­te­rin und Trump-Ri­va­lin Hil­la­ry Cl­in­ton. Erst vor we­ni­gen Ta­gen hat­te Trump dem FBIChef vor­ge­wor­fen, Cl­in­ton mit dem Ver­zicht auf straf­recht­li­che Er­mitt­lun­gen ei­nen Frei­brief aus­ge­stellt zu ha­ben.

Dass es bei der Ent­las­sung tat­säch­lich um Co­meys Vor­ge­hen im Fall Cl­in­ton ging, glaubt aber nie­mand. Die Bli­cke rich­ten sich auf die FBI-Er­mitt­lun­gen we­gen mög­li­cher Ver­bin­dun­gen zwi­schen Trumps Team im Prä­si­dent­schafts­wahl­kampf vo­ri­ges Jahr und Russ­land. Das FBI, das zu­gleich auch In­lands­ge­heim­dienst ist, so­wie an­de­re Ge­heim­diens­te sind zu dem Schluss ge­kom­men, dass rus­si­sche Ha­cker im Auf­trag des Kreml ver­such­ten, den USWahl­kampf zu­guns­ten von Trump zu be­ein­flus­sen. Des­halb sei­en E-Mails aus dem La­ger Cl­in­tons an die Öf­fent­lich­keit ge­bracht wor­den.

Die Fra­ge, ob Trumps Hel­fer von die­sen Ver­su­chen wuss­ten oder so­gar mit­hal­fen, soll in den lau­fen­den Er­mitt­lun­gen ge­klärt wer­den. In sei­nem Ent­las­sungs­schrei­ben an Co­mey be­ton­te der Prä­si­dent aus­drück­lich, dass Co­mey ihm selbst drei­mal ver­si­chert ha­be, ge­gen ihn wer­de nicht er­mit­telt. Da­mit woll­te Trump of­fen­bar dem Vor­wurf zu­vor­kom­men, er ha­be den FBI-Lei­ter aus per­sön­li­chen Grün­den ge­feu­ert.

Dass Trump aus­ge­rech­net am Mitt­woch ein Tref­fen mit dem rus­si­schen Au­ßen­mi­nis­ter Ser­gej La­w­row plan­te, pass­te aus Sicht vie­ler Kri­ti­ker ins Bild. La­w­row ge­noss die gan­ze Sa­che sicht­lich. „Co­mey ist ge­feu­ert wor­den? Sie ma­chen Wit­ze“, sag­te er mit ge­spiel­ter Über­ra­schung bei ei­nem Tref­fen mit sei­nem Amts­kol­le­gen Rex Til­ler­son. Doch für Trump ist die an­geb­li­che Russ­land-Con­nec­tion erns­ter denn je. Schon wer­den Ver­glei­che zwi­schen ihm und dem Skan­dal-Prä­si­den­ten Richard Ni­xon ge­zo­gen. Der we­gen der Wa­ter­ga­te-Af­fä­re in Be­dräng­nis ge­ra­te­ne Ni­xon feu­er­te 1973 kur­zer­hand den Son­der­er­mitt­ler Ar­chi­bald Cox. Am En­de muss­te der Prä­si­dent zu­rück­tre­ten.

Trumps Geg­ner se­hen ei­ne ähn­li­che Ent­wick­lung auf den der­zei­ti­gen Prä­si­den­ten zu­kom­men. Op­po­si­ti­ons­po­li­ti­ker for­der­ten be­reits ein Ver­fah­ren zur Amts­ent­he­bung von Trump. Im Kon­gress wird der Ruf nach Ein­set­zung ei­nes un­ab­hän­gi­gen Son­der­er­mitt­lers für die Ak­te Russ­land lau­ter. Im Wei­ßen Haus aber will man da­von nichts wis­sen. „Wir den­ken nicht, dass dies not­wen­dig ist“, sag­te Prä­si­den­ten­spre­che­rin Sa­rah Huck­a­bee San­ders am Mitt­woch.

Das wach­sen­de Miss­trau­en ge­gen­über der Trump-Re­gie­rung im Par­la­ment dürf­te die Su­che nach ei­nem Nach­fol­ger für Co­mey schwie­rig ma­chen..

Ja­mes Co­mey Foto: dpa

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