Von der Ley­en geht in die Of­fen­si­ve

Mi­nis­te­rin setzt in Bun­des­wehraf­fä­re auf in­ne­re Füh­rung und Wer­te – Kri­tik der Grü­nen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Miss­stän­de und rechts­ex­tre­me Sol­da­ten brin­gen die Bun­des­wehr seit Wo­chen in Ver­ruf. Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en kün­digt nun um­fas­sen­de Re­for­men an – bis in je­de Ve­räs­te­lung der Trup­pe hin­ein. SPD und Op­po­si­ti­on blei­ben in­des­sen bei ih­rer Kri­tik an der Mi­nis­te­rin.

BERLIN. Die Bun­des­wehr müs­se nach in­nen schau­en, auf Füh­rung und Wer­te, sag­te Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en am Mitt­woch nach ei­ner Son­der­sit­zung des Bun­des­tags-Ver­tei­di­gungs­aus­schus­ses. Die Wer­te sei­en das Fun­da­ment der Bun­des­wehr. Es müs­se si­cher­ge­stellt wer­den, dass sie „bis in je­de Ve­räs­te­lung der Bun­des­wehr hin­ein auch ih­ren Be­stand und ih­re Fes­tig­keit ha­ben“.

Die CDU-Po­li­ti­ke­rin kün­dig­te ei­ne Über­prü­fung der Wehr­dis­zi­pli­nar­ord­nung an, ein neu­es Pro­gramm „In­ne­re Füh­rung heu­te“und ei­ne Über­ar­bei­tung des Tra­di­ti­ons­er­las­ses mit Re­geln zur Über­nah­me mi­li­tä­ri­scher Tra­di­tio­nen. Zu­dem sol­le die po­li­ti­sche Bil­dung, Aus­bil­dung und Er­zie­hung in­ner­halb der Bun­des­wehr breit über­prüft wer­den.

Der Tra­di­ti­ons­er­lass re­gelt un­ter an­de­rem, in wel­cher Form Er­in­ne­rungs­stü­cke der Wehr­macht ge­sam­melt und ge­zeigt wer­den dür­fen. Dem­nach muss ei­ne „ge­schicht­li­che Ei­n­ord­nung“er­fol­gen. Die gel­ten­de, aus dem Jahr 1982 stam­men­de Fas­sung des Er­las­ses ent­hal­te „viel Gu­tes“, las­se aber „Hin­ter­tü­ren of­fen“, kri­ti­sier­te von der Ley­en.

Von der Ley­en steht un­ter Druck, die Af­fä­re um Fran­co A. zieht im­mer wei­te­re Krei­se. Er­mitt­ler hat­ten am Di­ens­tag ei­nen wei­te­ren Ver­däch­ti­gen fest­ge­nom­men – den 27-jäh­ri­gen Maximilian T. Er soll ge­mein­sam mit Fran­co A. und ei­nem wei­te­ren Hel­fer ei­nen An­schlag vor­be­rei­tet ha­ben, um ihn Flücht­lin­gen in die Schu­he zu schie­ben.

Von der Ley­en ha­be in ih­rer Amts­zeit über vie­le Din­ge hin­weg­ge­se­hen, sag­te der SPD-Ver­tei­di­gungs­ex­per­te Rai­ner Ar­nold nach der drei­stün­di­gen Son­der­sit­zung des Ver­tei­di­gungs­aus­schus­ses. Die Mi­nis­te­rin ha­be zu spät auf Be­rich­te über rech­te Um­trie­be in der Trup­pe re­agiert und zu we­nig das Gespräch

mit dem Bun­des­wehr-Ge­heim­dienst MAD ge­sucht. Noch da­zu ha­be sie den Fall Fran­co A. ge­nutzt, um pau­schal über die Trup­pe zu ur­tei­len.

Grü­nen-Frak­ti­ons­chef An­ton Ho­frei­ter be­zeich­ne­te die an­ge­kün­dig­te in­ne­re Re­form der Bun­des­wehr als über­fäl­lig. Es sei „fahr­läs­sig“, dass

die Mi­nis­te­rin erst nach öf­fent­li­chem Druck auf das seit Lan­gem be­kann­te Pro­blem rechts­ex­tre­mer Ge­sin­nung in Tei­len der Bun­des­wehr re­agie­re, sag­te Ho­frei­ter un­se­rer Re­dak­ti­on. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ih­rer Amts­zeit ha­be es die CDU-Po­li­ti­ke­rin ver­säumt, ih­rer Ver­ant­wor­tung nach­zu­kom­men und Miss­stän­den ent­schie­den ent­ge­gen­zu­wir­ken. „Wenn Ka­ser­nen mit Wehr­machtsan­den­ken ge­schmückt wer­den und das nie­man­dem auf­stößt, zeigt das auch: Die Mi­nis­te­rin hat es nicht ge­schafft, ei­ne neue Mel­de- und Füh­rungs­kul­tur in der Bun­des­wehr zu eta­blie­ren“, be­ton­te Ho­frei­ter.

Mi­nis­te­rin im Mit­tel­punkt: Ur­su­la von der Ley­en er­klärt sich nach ih­rer Be­fra­gung im Bun­des­tag. Foto: dpa

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