Pro Asyl: EU-Ver­hal­ten „schein­hei­lig“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Me­la­nie Hei­ke Schmidt

Die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Pro Asyl übt an­ge­sichts des Streits um den Um­gang mit Flücht­lin­gen schar­fe Kri­tik an der EU. In ei­nem Gespräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on sag­te Pro-Asyl-Ge­schäfts­füh­rer Gün­ter Burk­hardt: „Die Wer­te­ge­mein­schaft Eu­ro­pa ist zer­fal­len, üb­rig ge­blie­ben ist nur noch ei­ne Geld­ge­mein­schaft, die ih­ren Streit um ver­schie­de­ne In­ter­es­sen­la­gen auf Kos­ten der Schutz­su­chen­den aus­trägt. Men­schen­rech­te sind aber nicht ver­han­del­bar, das Ver­hal­ten der EU ist nichts an­de­res als schein­hei­lig.“

Auch die Kla­ge Un­garns und der Slo­wa­kei ge­gen den EU-Be­schluss zur Ver­tei­lung von 120 000 Flücht­lin­gen, die der­zeit vor dem EuGH ver­han­delt wird, sei „ein Sym­bol des Wer­te­ver­falls der EU“. „Ei­nig ist sich Eu­ro­pa nur im Wunsch nach Ab­schot­tung, ei­ne dif­fe­ren­zier­te, kon­struk­ti­ve Po­li­tik, die das in­di­vi­du­el­le Recht auf Asyl in Eu­ro­pa hoch­hält, gibt es nicht.“

Zwang „we­nig sinn­voll“

Ein­zel­ne Staa­ten wie Un­garn, Tsche­chi­en oder die Slo­wa­kei zur Auf­nah­me von Flücht­lin­gen zu zwin­gen sei we­nig sinn­voll. „Flücht­lin­gen hät­ten in die­sen Staa­ten kei­ne Chan­ce auf ein fai­res Asyl­ver­fah­ren. Und selbst wenn sie an­er­kannt wür­den, wä­re die In­te­gra­ti­on auch kaum mög­lich“, warn­te Burk­hardt.

Statt per Ge­richts­be­schluss Men­schen zwangs­wei­se in der EU zu ver­tei­len, soll­te Brüs­sel lie­ber ge­gen die of­fen­sicht­li­chen Ver­trags­ver­let­zun­gen von Un­garn und Co. vor­ge­hen. „Es ist doch ein­deu­tig, dass die­se Staa­ten die Wer­te der EU nicht mit­tra­gen wol­len. Doch weil Brüs­sel nach dem Br­ex­it wei­te­ren Zer­fall fürch­tet, lässt man die­sen Staa­ten das durch­ge­hen.“Die EU dür­fe es nicht län­ger zu­las­sen, das „Schutz su­chen­de Men­schen zwi­schen Staats­in­ter­es­sen zer­rie­ben wer­den“.

Ak­tu­el­le Hin­ter­grün­de zu Asyl und Mi­gra­ti­on auf noz.de/flu­echt­lin­ge

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