Mehr be­hin­der­te Kin­der an Re­gel­schu­len

Stei­gen­de In­klu­si­ons­quo­te in Nie­der­sach­sen – Zahl der Schü­ler mit För­der­be­darf schnellt hoch

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest - Von Klaus Wie­sche­mey­er

Im­mer mehr be­hin­der­te Kin­der be­su­chen all­ge­mei­ne Schu­len in Nie­der­sach­sen. Kul­tus­mi­nis­te­rin Hei­li­gen­stadt be­grüßt die fort­schrei­ten­de In­klu­si­on. Kri­ti­ker be­kla­gen wach­sen­de Pro­ble­me in der Pra­xis.

22 879 von ins­ge­samt 37269 Schü­lern mit son­der­päd­ago­gi­schem Un­ter­stüt­zungs­be­darf ha­ben im Au­gust 2016 all­ge­mein­bil­den­de Schu­len in Nie­der­sach­sen be­sucht. Da­mit steigt die In­klu­si­ons­quo­te der ge­mein­sa­men Un­ter­rich­tung von be­hin­der­ten und nicht be­hin­der­ten Kin­dern im Land von 58,5 Pro­zent 2015 auf 61,4 Pro­zent.

Ins­ge­samt nahm aber auch die Zahl der Schü­ler mit För­der­be­darf seit Aus­ru­fung der in­klu­si­ven Schu­le dras­tisch zu: Zähl­ten die Sta­tis­ti­ker 2013 noch 32300, wa­ren es 2016 be­reits 43200. Die rot­grü­ne Lan­des­re­gie­rung war mit dem An­spruch ei­ner zu­neh­men­den In­klu­si­on an­ge­tre­ten. Da­für sol­len die För­der­schu­len Ler­nen aus­lau­fen – die Zahl sank zwi­schen 2013 und 2015 von 165 auf 145. Die an­de­ren För­der­schu­len sol­len laut Ge­setz bis auf Wei­te­res blei­ben dür­fen.

Kul­tus­mi­nis­te­rin Frau­ke Hei­li­gen­stadt (SPD) lob­te die stei­gen­den Zah­len am Mitt­woch in Han­no­ver als „Be­leg für das Ge­lin­gen der In­klu­si­on an un­se­ren Schu­len“. Drei Schul­jah­re nach Ein­füh­rung der in­klu­si­ven Schu­le wer­de das ge­mein­sa­me Ler­nen im­mer mehr zur Selbst­ver­ständ­lich­keit.

Die Mi­nis­te­rin kün­dig­te wei­te­re Re­for­men an. So prü­fe das Mi­nis­te­ri­um der­zeit den zu­sätz­li­chen Ein­satz von päd­ago­gi­schem Per­so­nal an den Schu­len, um die Leh­rer zu ent­las­ten. Die In­klu­si­on soll das Land bis 2021 noch rund 1,82 Mil­li­ar­den Eu­ro kos­ten.

Hei­li­gen­stadt räum­te Pro­ble­me bei der Ein­füh­rung der In­klu­si­on ein. Ei­ne Un­ter­bre­chung oder gar ei­nen Stopp der Um­stel­lung schloss sie al­ler­dings aus: „Für mich ist die Ge­sell­schaft der Zu­kunft ei­ne in­klu­si­ve Ge­sell­schaft“, stell­te Hei­li­gen­stadt klar.

Die Op­po­si­ti­on spricht hin­ge­gen von schwer­wie­gen­den Pro­ble­men in Hei­li­gen­stadts Zu­stän­dig­keit. „In vie­len Schu­len ist ein ver­nünf­ti­ger ge­mein­sa­mer Un­ter­richt von Kin­dern mit und oh­ne Be­hin­de­rung kaum mög­lich“, sag­te der schul­po­li­ti­sche Spre­cher der CDU-Frak­ti­on, Kai See­fried.

Die stei­gen­de In­klu­si­ons­quo­te sei zu­dem al­les an­de­re als ein Er­folg: „SPD und Grü­ne ha­ben mit ih­rer Ein­stim­men­mehr­heit im Land­tag selbst für die voll­stän­di­ge Ab­schaf­fung der För­der­schu­le Ler­nen ge­sorgt. Sich für ei­ne stei­gen­de In­klu­si­ons­quo­te zu lo­ben, nach­dem man den El­tern die Wahl­mög­lich­keit ge­nom­men hat, ist ei­ne Un­ver­schämt­heit“, sag­te See­fried.

Die FDP warf Hei­li­gen­stadt Kon­zep­ti­ons­lo­sig­keit vor. Wäh­rend sich die Zahl der in­klu­si­ven Schü­ler ver­sie­ben­facht ha­be, hät­ten sich die Fi­nanz­mit­tel le­dig­lich ver­dop­pelt. „Die Lehr­kräf­te sind jetzt schon weit über ih­re Gren­zen be­las­tet, den Schü­lern wird die Si­tua­ti­on schon lan­ge nicht mehr ge­recht, die El­tern lau­fen rei­hen­wei­se Sturm. Hier muss ganz drin­gend et­was pas­sie­ren“, sag­te FDP-Bil­dungs­ex­per­te Förs­ter­ling.

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