To­des­fäl­le ge­nau­er un­ter der Lu­pe

Fall Niels H.: Del­men­hors­ter Kli­nik und Bre­men füh­ren qua­li­fi­zier­te Lei­chen­schau ein

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest -

Nach der Mord­se­rie des Kran­ken­pfle­gers Niels H. an Pa­ti­en­ten hat das Del­men­hors­ter Jo­sef-Ho­s­pi­tal als bun­des­weit ers­tes Kli­ni­kum ei­ne „qua­li­fi­zier­te Lei­chen­schau“ein­ge­führt. Seit März wer­de je­der Pa­ti­ent, der et­wa in­fol­ge ei­ner Krank­heit im Kli­ni­kum ge­stor­ben sei, zu­sätz­lich von ei­nem spe­zi­ell ge­schul­ten ex­ter­nen Rechts­me­di­zi­ner un­ter­sucht, teil­te das Ho­s­pi­tal am Mitt­woch mit. So sol­le ein un­na­tür­li­cher Tod schnel­ler ent­deckt wer­den.

Als ers­tes Bun­des­land führt zu­dem Bre­men zum 1. Au­gust ei­ne ver­pflich­ten­de qua­li­fi­zier­te Lei­chen­schau für je­den To­des­fall ein. Das ent­spre­chen­de „Ge­setz über das Lei­chen­we­sen“wur­de am Mitt­woch­nach­mit­tag mit gro­ßer Mehr­heit von der Bre­mi­schen Bür­ger­schaft ver­ab­schie­det.

An dem Del­men­hors­ter Kran­ken­haus wer­de künf­tig bei To­des­fäl­len wie schon bis­her ein Kli­nik­arzt den Tod fest­stel­len und do­ku­men­tie­ren, er­läu­ter­te Ge­schäfts­füh­rer Tho­mas Brei­den­bach. Kreu­ze der be­han­deln­de Arzt auf dem To­ten­schein ei­ne na­tür­li­che To­des­ur­sa­che an, wer­de der To­te von ei­nem Arzt der Ge­richts­me­di­zin Bre­men un­ter­sucht, der die To­des­um­stän­de er­neut be­wer­te. Ha­be die­ser Zwei­fel an ei­ner na­tür­li­chen Ur­sa­che, wür­den die Kri­mi­nal­po­li­zei und die Staats­an­walt­schaft in­for­miert. Al­ler­dings neh­me der Rechts­me­di­zi­ner nur ei­ne äu­ßer­li­che Lei­chen­schau Na­tür­li­che oder un­na­tür­li­che To­des­ur­sa­che? Das soll in Delmenhorst und Bre­men künf­tig ein­deu­tig ge­klärt wer­den. vor. Vie­le An­ge­hö­ri­ge lehn­ten ei­ne Lei­chen­öff­nung ab. Be­reits im Au­gust 2015 hat­te das Kran­ken­haus schon ein­mal ei­ne qua­li­fi­zier­te Lei­chen­schau ein­ge­führt. Al­ler­dings muss­te das Pro­jekt auf­grund zu­nächst un­über­wind­ba­rer bü­ro­kra­ti­scher Hür­den wie­der ein­ge­stellt wer­den.

Hintergrund ist die bei­spiel­lo­se Ver­bre­chens­se­rie H.s. Der frü­he­re Kran­ken­pfle­ger wur­de 2015 we­gen mehr­fa­chen Mor­des zu le­bens­lan­ger Haft ver­ur­teilt. Er hat­te im Kli­ni­kum Ol­den­burg und dem Kran­ken­haus Delmenhorst, das seit dem ver­gan­ge­nen Jahr Jo­sef-Ho­s­pi­tal heißt, Pa­ti­en­ten ein Herz­me­di­ka­ment ge­spritzt. Wäh­rend des Pro­zes­ses ge­stand er wei­te­re 30 Mor­de. Die Po­li­zei un­ter­sucht zu­dem rund 200 Ver­dachts­fäl­le.

In Bre­men soll dem neu­en Ge­setz zu­fol­ge je­der To­te nach der ers­ten ärzt­li­chen To­des­fest­stel­lung noch zu­sätz­lich durch spe­zi­ell aus­ge­bil­de­te „Lei­chen­schau­ärz­te“un­ter­sucht wer­den, zu­min­dest äu­ßer­lich. Bis­her war das nur vor Feu­er­be­stat­tun­gen Pflicht. Am En­de soll mit grö­ße­rer Si­cher­heit als bis­her fest­ste­hen, ob beim Ab­le­ben je­mand nach­ge­hol­fen hat und der Ster­be­ort in Wirk­lich­keit ein Tat­ort ist.

Al­ler­dings steckt nicht hin­ter je­dem un­na­tür­li­chen Tod gleich ein Mord. Auch Un­fäl­le, Selbst­tö­tun­gen und „To­des­fäl­le in­fol­ge ärzt­li­cher Ein­grif­fe“fal­len un­ter die­se Ka­te­go­rie, wie in den Leit­li­ni­en der Ge­sell­schaft für Rechts­me­di­zin nach­zu­le­sen ist.

Foto: dpa

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