Die Ru­he nach dem Sturm

VW-Ak­tio­närs­ver­samm­lung: Kaum Kri­tik trotz aus­blei­ben­den Un­ter­su­chungs­be­richts

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft - Von Ger­hard Pla­cke VW und der Die­selSkan­dal: Mehr Be­rich­te auf noz.de/vw

Die Ver­ant­wort­li­chen des VW-Kon­zerns se­hen sich auf ei­nem gu­ten Weg – die Ak­tio­nä­re des nach Mit­ar­bei­tern größ­ten deut­schen Un­ter­neh­mens se­hen das of­fen­bar auch so. Das wur­de auf der Haupt­ver­samm­lung in Han­no­ver of­fen­sicht­lich.

HAN­NO­VER. Bes­se­res Wirt­schaf­ten bringt ei­ne hö­he­re Di­vi­den­de: Die­se Er­fah­rung ha­ben VW-Ak­tio­nä­re jetzt nach ei­nem Durch­hän­ger im ver­gan­ge­nen Jahr ge­macht. Das Ge­schäfts­jahr 2016, das der Kon­zern mit ei­nem ope­ra­ti­ven Er­geb­nis von 7,1 (Vor­jahr: mi­nus 4,1) Mil­li­ar­den Eu­ro ab­schloss, be­schert den Be­sit­zern von Vor­zugs­ak­ti­en ei­ne Di­vi­den­de von 2,06 Eu­ro – nach dem Mi­ni­be­trag von 17 Cent für das Jahr 2015 ein wah­rer Geld­se­gen. Mit die­ser Ge­winn­be­tei­li­gung wa­ren die meis­ten Ak­tio­nä­re am Mitt­woch in Han­no­ver of­fen­bar zu­frie­den. Vor al­lem nach der An­kün­di­gung von Kon­zern­chef Matthias Mül­ler, der als Ziel für die Zu­kunft ei­ne Aus­schüt­tungs­quo­te von 30 (ak­tu­ell 19,7) Pro­zent aus­gab.

Nach dem Auf­kom­men der Die­sel­kri­se war die Ver­samm­lung der An­teils­eig­ner im ver­gan­ge­nen Jahr sehr tur­bu­lent ver­lau­fen. Ak­tu­ell scheint die Luft raus zu sein. Dem Kon­zern geht es deut­lich bes­ser, die Au­f­ar­bei­tung der Die­sel­kri­se macht laut Kon­zern­chef Mül­ler und dem Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den Hans Die­ter Pötsch Fort­schrit­te. Auch 2016 ha­be die Auf­klä­rung und Be­wäl­ti­gung die­ses The­mas das VW-Ge­schäft maß­geb­lich ge­prägt. Der ein­ge­lei­te­te Ve­rän­de­rungs­pro­zess sei not­wen­dig – Pötsch sieht den VW-Kon­zern auf ei­nem gu­ten Weg, aber noch nicht am Ziel.

Der Auf­sichts­rats­chef ver­tei­dig­te die Ei­ni­gung mit den US-Be­hör­den, die für die dor­ti­gen Die­sel­kun­den ei­ne Nach­bes­se­rung der Fahr­zeu­ge oder so­gar de­ren Rück­kauf vor­sieht.

Au­ßer­dem se­he die Ver­ein­ba­rung ei­ne lang­fris­ti­ge Un­ter­stüt­zung von Um­welt­pro­jek­ten in den USA vor. Au­ßer­dem wird nach der Ei­ni­gung mit dem De­par­te­ment of Justi­ce in Washington dem VW-Kon­zern ein Auf­pas­ser zur Sei­te ge­stellt. Der so­ge­nann­te Com­p­li­an­ce Mo­ni­tor soll für drei Jah­re si­cher­stel­len, dass sich sol­che Vor­gän­ge wie die

Die­sel­ma­ni­pu­la­tio­nen wie­der­ho­len.

Ent­ge­gen den Er­war­tun­gen war auch die Nicht­ver­öf­fent­li­chung des Un­ter­su­chungs­be­richts der US-An­walts­kanz­lei Jo­nes Day kaum ein The­ma. Im Ge­gen­satz zu Zu­si­che­run­gen im ver­gan­ge­nen Jahr soll die­se Un­ter­su­chung nicht öf­fent­lich zu­gäng­lich ge­macht wer­den. Nach Pötschs Wor­ten

nicht

gibt es kei­ne ent­spre­chen­de Zu­sam­men­fas­sung, und es wer­de auch kei­ne ge­ben.

Eben­falls kein The­ma wa­ren bei der Ver­samm­lung die am Mitt­woch be­kannt ge­wor­de­nen Er­mitt­lun­gen ge­gen Kon­zern­chef Mül­ler, dem die Ak­tio­nä­re mit 99,05 Pro­zent der ab­ge­ge­be­nen Stim­men bei der Ent­las­tung des Vor­stan­des ei­nen deut­li­chen Ver­trau­ens­be­weis ge­währ­ten. Mül­ler zeig­te sich si­cher, dass sein Haus und al­le Mar­ken die gro­ßen Zu­kunfts­the­men wie Elek­tro­mo­bi­li­tät, au­to­no­mes Fah­ren und die Op­ti­mie­rung von Ver­bren­nungs­mo­to­ren „be­herzt an­ge­packt“hät­ten.

„Be­herzt an­pa­cken“will VW-Chef Matthias Mül­ler die gro­ßen Zu­kunfts­the­men – und die Ver­gan­gen­heit lie­ber ru­hen las­sen. Die Nicht­ver­öf­fent­li­chung ei­nes Un­ter­su­chungs­be­richts zur Die­sel-Af­fä­re in den USA sorg­te kaum für Un­ru­he. Foto: dpa

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