Bei­hil­fen schon vor Mo­na­ten The­ma

Ho­mann-Aus: Sub­ven­ti­ons­ge­sprä­che mit EU – Kri­tik von NGG und EU-Po­li­ti­kern

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft - Von Dirk Fis­ser Ho­mann-Kri­se: Mehr auf noz.de/ho­mann

Die Spe­ku­la­tio­nen um ei­ne mög­li­che Mil­lio­nen­För­de­rung der Kon­zen­tra­ti­on der Ho­mann-Fein­kost­pro­duk­ti­on in Sach­sen sind mehr als das: Es hat be­reits vor Mo­na­ten Ge­sprä­che über Bei­hil­fen für den Neu­bau im Os­ten ge­ge­ben.

Auf An­fra­ge der Grü­nen im Bun­des­tag teil­te die Bun­des­re­gie­rung jetzt mit, dass be­reits am 23. Fe­bru­ar „in­for­mel­le Ge­sprä­che“zwi­schen deut­schen Be­hör­den und der EU-Kom­mis­si­on statt­ge­fun­den ha­ben. Da­bei ging es um mög­li­che Bei­hil­fen für In­ves­ti­tio­nen im säch­si­schen Lep­pers­dorf.

Un­mit­tel­bar nach Be­kannt­wer­den der Schlie­ßungs­plä­ne für Dis­sen kur­sier­te im Os­na­brü­cker Land be­reits die Sum­me von 25 Mil­lio­nen Eu­ro, mit der dem Mül­ler-Kon­zern die An­sied­lung in Sach­sen an­geb­lich schmack­haft ge­macht wer­den soll. Sach­sens Staats­mi­nis­ter Mar­tin Du­lig (SPD) stell­te klar, sein Bun­des­land ha­be „zu kei­nem Zeit­punkt Bei­hil­fen aus EU-Mit­teln oder sons­ti­ge rechts­wid­ri­ge Bei­hil­fen ge­währt und be­ab­sich­tigt dies auch nicht.“

Die­se Aus­sa­ge ist so kor­rekt. Denn bis­lang sind die Ge­sprä­che über Sub­ven­tio­nen noch nicht so kon­kret ge­wor­den, dass über­haupt ein An­trag ge­stellt wor­den wä­re. Das schreibt auch die Bun­des­re­gie­rung: „Das Ver­fah­ren be­fin­det sich noch in ei­nem sehr frü­hen Sta­di­um. Es hat noch kei­ne bei­hil­fe­recht­li­che No­ti­fi­zie­rung statt­ge­fun­den.“

Die Lan­des­re­gie­rung in Sach­sen war aber of­fen­bar schon viel frü­her über die Ho­mann-Plä­ne in­for­miert, als bis­lang be­kannt. So soll der Mut­ter­kon­zern Theo Mül­ler be­reits im Ok­to­ber an das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um ge­wandt ha­ben. Der Kon­zern stell­te dem­nach In­ves­ti­tio­nen von meh­re­ren Hun­dert Mil­lio­nen Eu­ro und die Schaf­fung von 800 Ar­beits­plät­zen in Lep­pers­dorf in Aus­sicht.

Das Aus für Dis­sen

Aus Krei­sen ist zu er­fah­ren, dass be­reits zu die­sem Zeit­punkt die Schlie­ßung der Fein­kost­pro­duk­ti­on an den bis­he­ri­gen Stand­or­ten Dis­sen, Lin­torf, Bot­trop und Floh-Se­li­gen­thal an­ge­deu­tet wur­de. Am Ho­mann-Stamm­sitz

in Dis­sen gin­gen die Ver­ant­wort­li­chen im Rat­haus und Kreis­haus aber noch da­von aus, der Mül­ler-Kon­zern wer­de den Stand­ort im Os­na­brü­cker Land aus­bau­en. Ge­nau ab Ok­to­ber soll die Ver­wal­tung dann nichts Kon­kre­tes mehr be­züg­lich der Plä­ne vom Mül­ler-Kon­zern ge­hört ha­ben.

Auf Nach­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on will sich das Mi­nis­te­ri­um in Sach­sen nicht äu­ßern. „Wir er­war­ten ei­ne zeit­na­he end­gül­ti­ge Stand­ort­ent­schei­dung des Un­ter­neh­mens und sind ab die­sem Zeit­punkt sehr gern be­reit, in Ab­stim­mung mit dem Un­ter­neh­men zu den De­tails des Vor­ha­bens zu in­for­mie­ren“,

heißt es aus der Pres­se­stel­le.

Un­klar bleibt in­des, in wel­cher Hö­he der Ho­mann-Neu­bau im Os­ten sub­ven­tio­niert wer­den könn­te. Die ge­nann­ten 25 Mil­lio­nen Eu­ro wer­den auch auf den Par­la­ments­flu­ren in Sach­sen ge­han­delt. Die Bun­des­re­gie­rung nennt in ih­rer Ant­wort die „Bund-Län­der Ge­mein­schafts­auf­ga­be ,Ver­bes­se­rung der re­gio­na­len Wirt­schafts­struk­tur‘ “als mög­li­che Geld­quel­le.

Da­mit könn­ten In­ves­ti­tio­nen von Un­ter­neh­men in be­son­ders struk­tur­schwa­che Re­gio­nen ge­för­dert wer­den, wenn hier­durch Ar­beits­plät­ze ge­schaf­fen wer­den. Über ei­nen ent­spre­chen­den An­trag müss­te das Land Sach­sen ent­schei­den, der Bund wür­de dann die Hälf­te der „re­gio­na­len In­ves­ti­ti­ons­för­de­rung“über­neh­men. Ein sol­cher An­trag lie­ge nach Kennt­nis der Bun­des­re­gie­rung aber noch nicht vor, schreibt Staats­se­kre­tär Matthias Mach­nig.

„Sub­ven­ti­ons­schlacht“

Grü­nen-Bun­des­po­li­ti­ker Sven-Chris­ti­an Kind­ler sagt, dies hei­ße nicht, dass das Un­ter­neh­men kei­nen An­trag stel­len wer­de. Er for­dert: „Ei­ne Sub­ven­ti­ons­schlacht der Bun­des­län­der auf dem Rü­cken der Be­schäf­tig­ten darf es nicht ge­ben.“Par­tei­kol­le­gin Fi­liz Po­lat aus dem nie­der­säch­si­schen Land­tag for­der­te „Trans­pa­renz und Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein“des Mül­ler-Kon­zerns mit den An­ge­stell­ten an den west­deut­schen Stand­or­ten.

Deut­li­cher fällt die Kri­tik bei der Ge­werk­schaft Nah­rung-Ge­nuss-Gast­stät­ten (NGG) an Kon­zern­chef Theo Mül­ler aus. „Sein Ver­hal­ten ist ein­fach un­fass­bar un­se­ri­ös“, sagt NGG-Vor­sit­zen­de Michae­la Ro­sen­ber­ger. Per Mit­tei­lung ha­be der Kon­zern der 140-jäh­ri­gen Fir­men­tra­di­ti­on ein En­de be­rei­tet und da­mit Po­li­tik, Ver­wal­tung aber vor al­len den Hun­der­ten Mit­ar­bei­tern an den Ho­mann-Stand­or­ten vor den Kopf ge­sto­ßen. Nie­mand könn­te von den An­ge­stell­ten nun er­war­ten, dass sie 500 und mehr Ki­lo­me­ter Rich­tung Os­ten zie­hen, um hier im Schnitt 500 Eu­ro im Mo­nat we­ni­ger zu ver­die­nen. „Das ist ein­fach ein ganz gro­ßer Wirt­schafts­skan­dal“, sagt Ro­sen­ber­ger.

Vier nie­der­säch­si­sche EU-Par­la­men­ta­ri­er aus den Rei­hen der CDU ha­ben in­des EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­an-Clau­de Juncker in ei­nem Schrei­ben vor Sub­ven­ti­ons­zah­lun­gen der EU für die mut­maß­li­che Ver­la­ge­rung der Pro­duk­ti­on nach Sach­sen ge­warnt. Sie schrei­ben an Juncker: „Wir möch­ten Sie bit­ten, mit ho­her Trans­pa­renz deut­lich zu ma­chen, dass der mas­si­ve Ar­beits­platz­ab­bau eu­ro­päi­sche För­der­gel­der aus­schließt.“Dar­über hin­aus er­bit­ten sie von der Kom­mis­si­on „ei­ne wach­sa­me Be­ob­ach­tung even­tu­el­ler staat­li­cher Bei­hil­fen für die Un­ter­neh­mens­grup­pe Theo Mül­ler durch den Frei­staat Sach­sen.“Ho­mann ist Teil des Mül­ler-Kon­zerns.

Foto: dpa

Das Ho­mann-Werk in Dis­sen steht vor dem Aus. Der Mut­ter­kon­zern Mül­ler will die Fein­kost­pro­duk­ti­on an ei­nem Stand­ort bün­deln.

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