We­ni­ge Land­wir­te scha­den ei­nem gan­zen Be­rufs­stand

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Dialog -

Zum Ar­ti­kel „Schock­bil­der aus Mast­stäl­len“(Aus­ga­be vom 5. Mai) und dem Leserbrief von Dr. med. vet. Ul­rich Brink­mann „Ra­di­ka­les Ge­dan­ken­gut“(Aus­ga­be vom 9. Mai).

„Ich möch­te mei­nen Bei­trag ähn­lich dem des Vor­red­ners be­gin­nen: ,Die­se Tier­schüt­zer kämp­fen da­für, dass es gar kei­ne Nutz­tier­hal­tung mehr ge­ben soll und dass al­le Men­schen Ve­ga­ner wer­den sol­len. Das ist ra­di­ka­les Ge­dan­ken­gut.‘ Hin­sicht­lich der Be­griff­lich­kei­ten muss be­reits Kri­tik ge­äu­ßert wer­den: Es gibt ei­nen Un­ter­schied zwi­schen Tier­schüt­zern und Tier­recht­lern. Jä­ger be­ti­teln sich schließ­lich auch als ei­ne Art von Tier­schüt­zern, da sie ver­meint­li­che ,He­ge und Pfle­ge‘ be­trei­ben – sind die­se Ve­ga­ner? Wohl kaum.

Selbst­ver­ständ­lich weiß je­der, dass ei­ne Mas­sen­tier­hal­tung nicht nur mit le­gi­ti­men Mit­teln auf­recht­er­hal­ten wer­den kann. Den­noch ver­schließt der Groß­teil der Ge­sell­schaft die Au­gen da­vor und ver­gisst, dass selbst nach Bio-Stan­dard ge­hal­te­ne Tie­re auch in letz­ter Kon­se­quenz der Tod er­war­tet und dass Le­ben auf die glei­che Art und Wei­se be­en­det wird, ähn­lich der kon­ven­tio­nel­len ,Hal­tung‘ . Es wird als ra­di­kal an­ge­se­hen, ge­gen Tau­sen­de Li­ter Blut auf den Bö­den ei­nes Schlacht­be­trie­bes ein­ge­stellt zu sein. Es wird als ra­di­kal an­ge­se­hen, sich ge­gen Che­mie­keu­len aus­zu­spre­chen. Es wird als ra­di­kal an­ge­se­hen, sich ge­gen die stei­gen­den An­ti­bio­tika­miss­bräu­che zu weh­ren. Es wird als ra­di­kal

ver­un­glimpft, wenn man sich ein­fach für die Nach­hal­tig­keit ein­setzt.

Ich möch­te klar wi­der­spre­chen, wenn die Bo­den­frucht­bar­keit im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Ab­schaf­fung der in­dus­tri­el­len Tier­hal­tung zer­stört wird. Denn das Ge­gen­teil ist der Fall. Die Über­säue­rung der Bö­den, die stei­gen­den Mo­no­kul­tu­ren auf den Fel­dern, der fort­wäh­ren­de Ein­satz von Pes­ti­zi­den und In­sek­ti­zi­den, wel­che bis­lang nicht auf Lang­zeit­fol­gen ge­prüft sind. Der stei­gen­de Ein­satz von Gül­le auf den Fel­dern

mit den Fol­ge­wir­kun­gen ei­ner Ni­tra­ter­hö­hung im Trink­was­ser. Den­noch wird an­ge­spro­chen, dass ein ,gro­ßer Auf­wand (be­trie­ben)‘ wird – ge­nau die­ser gro­ße Auf­wand zeigt ja die Per­ver­si­on in­ner­halb der Mas­sen­tier­hal­tung. War­um muss denn über­haupt ein gro­ßer Auf­wand be­trie­ben wer­den, da­mit die Tie­re nicht er­kran­ken? Weil die Tie­re oh­ne die Ein­grif­fe der Tier­ärz­te und de­ren Me­di­ka­men­te hoff­nungs­los sämt­li­chen Kei­men und Bak­te­ri­en­stäm­men aus­ge­lie­fert wä­ren. Auf­grund

die­ser Aus­sa­ge wür­de ich es als ra­di­kal an­se­hen, wenn ge­nau die­se Me­di­ka­men­te erst ei­ne ,Hal­tung‘ er­mög­li­chen. Dies je­doch blen­det die Ge­sell­schaft wohl wis­send aus.“Ste­phan C. Weiß Ze­ven

„Ei­ne eta­blier­te Ta­ges­zei­tung bie­tet ei­nem mi­li­tan­ten, selbst er­nann­ten Tier­schüt­zer mehr als ei­ne Vier­tel­sei­te Platz, um ei­ner brei­ten Le­ser­schaft ein schlech­tes Ge­wis­sen ein­zu­re­den. Zum ei­nen, weil sie lie­ber ein le­cke­res Steak vom Grill ge­nießt, an­statt die Ve­gan-Va­ri­an­te aus schnitt­fes­tem Was­ser mit al­ler­hand Zu­satz­stof­fen, zum an­de­ren, weil sie Tie­re hält. Dem auf­merk­sa­men Le­ser dürf­te beim Le­sen des Bei­trags klar ge­wor­den sein, dass Tier­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen ge­ne­rell ge­gen die Hal­tung und Nut­zung von Tie­ren sind. Wer die­se Or­ga­ni­sa­tio­nen un­ter­stützt, soll­te sich gut über­le­gen, was ei­ne Um­set­zung für fast je­den von uns be­deu­ten wür­de: Das Pferd als Step­pen­tier darf nicht ein­ge­pfercht und ge­rit­ten wer­den, und die Kat­ze als Raub­tier ge­hört nicht in die Woh­nung, ge­nau­so we­nig wie der bes­te Freund des Men­schen, der dort in sei­ner Be­we­gungs­frei­heit ein­ge­schränkt wird. Wo sol­len Tie­re le­ben, wenn Men­schen sie nicht hal­ten dür­fen? [. . .]

Deut­lich wird: Tier­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen ver­fol­gen laut Aus­sa­ge des an­ony­men Stal­lein­bre­chers nicht das Ziel, Nutz­tie­ren ein an­ge­neh­me­res Le­ben zu er­mög­li­chen, son­dern wol­len die Tier­hal­tung voll­ends ab­schaf­fen. Klar ist, dass Men­schen, die den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben in der Tier­hal­tung zu­wi­der han­deln, da­für zur Ver­ant­wor­tung ge­zo­gen wer­den müs­sen. Das sieht auch je­der recht­schaf­fe­ne Bau­er so.

Trau­rig ist, dass die schwar­zen Scha­fe, die im Üb­ri­gen nur ei­nen ganz klei­nen Teil der Land­wir­te oder Tier­hal­ter aus­ma­chen, mit ih­rem Trei­ben ei­nem gan­zen Be­rufs­stand scha­den. Ei­nem Be­rufs­stand, der mit der Pfle­ge und Ge­sund­er­hal­tung sei­ner Tie­re Geld ver­dient.“Frie­de­ri­ke Hus­mann Neu­en­kir­chen

Die Tier­hal­tung in der mo­der­nen Land­wirt­schaft pro­vo­ziert im­mer wie­der Dis­kus­sio­nen. Foto: dpa

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