Im Stil­len viel be­wirkt

Nach fast 60 Jah­ren ver­lässt Jut­ta Wes­sel Westerkappeln

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost -

Fast un­be­merkt, still und über­ra­schend ver­lässt in die­sen Ta­gen Jut­ta Wes­sel, ge­bo­re­ne Dau­bert, Westerkappeln. „An der Sei­te ih­res Man­nes, Pfar­rer Her­bert Wes­sel, stand die heu­te 79-Jäh­ri­ge ih­re Frau“, schreibt Pas­tor i. R. Hor­stDie­ter Beck und er­in­nert an die­ser Stel­le „an das Wir­ken ei­ner Pfarr­frau, die es so heu­te kaum noch gibt“:

1959 kam sie nach Wes­ter- kap­peln. Am 16. April 1959 trau­te Pas­tor Ju­li­us Vo­get Her­bert und Jut­ta Wes­sel in der Stadt­kir­che. Wenn sie nun nach fast 60 Jah­ren Westerkappeln be­schei­den und zu­frie­den ver­lässt, dann soll­te die Ar­beit ei­ner Pfarr­frau kurz ge­wür­digt wer­den. Denn Men­schen im zwei­ten Glied ste­hen oft ab­seits, ob­wohl sie im Stil­len und Ver­bor­ge­nen viel ge­ar­bei­tet und be­wirkt ha­ben.

Das Wir­ken von Jut­ta Wes­sel um­fasst ei­nen gro­ßen Ra­di­us an der Sei­te ih­res Man­nes. Sie ist nicht nur Ehe­frau und spä­ter Mut­ter drei­er Kin­der, son­dern Se­kre­tä­rin und Tür­öff­ne­rin zu al­len St­un­den. Da­mals ist er­war­tet wor­den, dass sie – wo auch im­mer – prä­sent ist: Im Pfarr­haus, im Kir­chen­chor, in der Frau­en­hil­fe und als Trös­te­rin bei Krank­heit, Not und Tod. Das ver­langt seel­sor­ge­ri­sche Kom­pe­tenz und Ver­schwie­gen­heit.

Pfar­rer Her­bert Wes­sel hat­te vom Ober­kir­chen­rat in Bie­le­feld den Auf­trag er­hal­ten,

die Bau­vor­ha­ben in Westerkappeln vor­an­zu­brin­gen: Um­bau des Pfarr­hau­ses, Bau des Dietrich-Bon­hoef­fer-Hau­ses, den Bau der Süd­kir­chen und die Ein­rich­tung ei­ner drit­ten Pfarr­stel­le. Jut­ta Wes­sel hat das al­les be­glei­tet.

Sol­che Vor­ha­ben brin­gen har­te Pla­nungs­ar­bei­ten mit sich, Sit­zun­gen und Be­ra­tun­gen oh­ne En­de und auch Är­ger. Vi­el­leicht kann man den Stress auch nur an der Sei­te ei­ner Frau aus­hal­ten, die gro­ßes Ver­ständ­nis auf­bringt und mit­denkt. Spä­ter kam die Ar­beit im Dia­ko­ni­schen Werk mit da­zu. Vie­le Pro­jek­te wur­den ver­wirk­licht.

Jut­ta Wes­sel hat­te auch ein ei­ge­nes Werk: die Flö­ten­grup­pen für An­fän­ger und Fort­ge­schrit­te­ne. Sie hat da viel Zeit in­ves­tiert. Ei­ni­ge Kin­der, heu­te selbst Müt­ter und Vä­ter aus Westerkappeln, könn­ten aus die­ser ak­ti­ven Zeit be­rich­ten, von Pro­ben und von der Gestal­tung der Got­tes­diens­te. Und dann darf man die Fa­mi­li­en­frei­zei­ten

nicht ver­ges­sen, die das Ehe­paar Wes­sel in Kärn­ten und Süd­ti­rol or­ga­ni­sier­te.

Jut­ta Wes­sel hat sich nach dem Tod ih­res Man­nes 2012 nicht zu­rück­ge­zo­gen. Der Se­nio­ren­kreis und die Frau­en­hil­fe ha­ben ihr am Her­zen ge­le­gen, be­son­ders die Mit­te des Ge­mein­de­le­bens, der Got­tes­dienst. Gern hat sie an die Zei­ten zu­rück­ge­dacht, die viel zu schnell da­von­lie­fen, die 33 Di­enst­jah­re ih­res Man­nes, die sie in­ten­siv be­glei­te­te.

Nun zieht Jut­ta Wes­sel in die Nä­he der Kin­der, die im Ruhr­ge­biet ih­re Hei­mat ge­fun­den ha­ben. Horst-Die­ter Beck: „Uns bleibt da ei­ne le­ben­di­ge Er­in­ne­rung an die Wes­sels, die in Westerkappeln viel be­wegt ha­ben. Die bes­ten Wün­sche ge­lei­ten Jut­ta Wes­sel hin­ein in den neu­en Le­bens­ab­schnitt. Ei­ne gan­ze An­zahl al­ter Ge­mein­de­glie­der grü­ßen dank­bar und herz­lich und sa­gen: Gott be­foh­len!“

Archivfoto: Anke Beim­diek

An der Sei­te ih­res Man­nes Her­bert Wes­sel, frü­he­rer Pfar­rer der evan­ge­li­schen Kir­chen­ge­mein­de, wirk­te Jut­ta Wes­sel an zahl­rei­chen Stel­len mit.

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