VfL kämpft ums Ver­trau­en der Fans

Aus­spra­che lockt über 100 Li­la-Wei­ße – Tau­sen­de sind im Netz da­bei

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport Regional -

Der VfL Os­na­brück re­agier­te – auf das 1:2-De­ba­kel­ge­gen Fortu­na Köln, aber vor al­lem auf den Aus­bruch von Ent­täu­schung, Är­ger und Wut der Fans, über die NOZ Me­di­en am Di­ens­tag be­rich­tet hat­te. Über hun­dert Fans ka­men, Tau­sen­de schau­ten im Netz zu.

Von Ha­rald Pis­to­ri­us

Es dau­er­te ein biss­chen, bis es ans Ein­ge­mach­te ging. Lan­ge gab es fast nur Fra­gen zu Tak­tik und Spiel­wei­se an Joe Enochs, der sich red­lich müh­te, auch im De­tail zu ant­wor­ten. Durch­aus mit Er­folg, wie an­er­ken­nen­der Ap­plaus zeig­te. Er be­ton­te noch ein­mal, dass er sich in der Fra­ge der Ver­trags­ver­län­ge­rung im­mer ehr­lich und kor­rekt ver­hal­ten ha­be: „An­de­re Darstel­lun­gen ha­ben mich ver­letzt.“

Enochs be­kann­te sich zu sei­ner Mann­schaft, aus der 17 Spie­ler („li­gaunab­hän­gig!“) ei­nen Ver­trag hät­ten, ge­stand schwa­che Spie­le ein und be­ton­te die Be­reit­schaft, zu ler­nen und hart zu ar­bei­ten. Kan­di­da­ten zur Neu­ver­pflich­tung ge­be es ei­ni­ge, aber es sei durch­aus mög­lich, dass der ei­ne oder an­de­re Pro­fi trotz Ver­trags den VfL ver­las­sen wer­de.

Es folg­ten et­li­che an­de­re The­men, im­mer wie­der streu­te VfL-Mit­ar­bei­ter Re­né Kem­na Fra­gen ein, die per Mail ein­ge­gan­gen wa­ren

oder die via YouTube und Face­book ge­stellt wur­den.

Es war zwei lang­jäh­ri­gen Li­la-Wei­ßen ganz un­ter­schied­li­cher Cou­leur zu ver­dan­ken, dass das Ver­hält­nis zwi­schen der VfL-Füh­rung und sei­nen Fans und da­mit der ei­gent­li­che An­lass der Ver­an­stal­tung punkt­ge­nau aus­ge­spro­chen wur­de und da­mit auch die Gr­und­fra­ge auf den Tisch des Hau­ses kam: War­um ist die Stim­mung so schlecht?

„Der Fan fühlt sich ver­arscht!“, sag­te Frank Hörn­sche­mey­er, als „Dee-Jott“be­kannt, „und zwar, weil Ihr seit Jah­ren ver­sprecht, auf den Fan zu­zu­ge­hen, et­was am Ver­hält­nis zu ver­bes­sern. Ihr ver­sprecht et­was, aber Ihr hal­tet es nicht.“Die Ver­eins­füh­rung ant­wor­te­te mit dem Hin­weis auf den wie­der

auf­ge­nom­me­nen Fan-Dia­log, Uwe Brunn sprach von der ge­mein­sa­men Pla­nung der Sai­son­er­öff­nungs und war sicht­lich be­müht, al­te Kon­flik­te zu be­gra­ben.

Jörn Jacobs, ei­ner der mar­kan­tes­ten und be­kann­tes­ten Köp­fe der Ul­tra-Be­we­gung ant­wor­te­te ru­hig und klar, aber def­tig: „Ganz so ein­fach kommt Ihr aus der Num­mer nicht raus. Der Fan-Dia­log ist nicht ent­stan­den, weil Ihr das woll­tet, son­dern weil wir so hart­nä­ckig wa­ren. Man glaubt Euch nicht, dass Ihr aus Über­zeu­gung auf die Fans zu­geht, son­dern weil Ihr merkt, dass Euch die Ka­cke bis zum Hals steht. Da kann man noch so gu­te Ge­sprä­che füh­ren – wenn die Über­zeu­gung fehlt, bringt es we­nig. Im Mo­ment ha­ben wir die Be­fürch­tung, dass Ihr das nicht habt.“

Die Ant­wort gab Ge­schäfts­füh­rer Jür­gen Weh­lend mit die­sen Kern­aus­sa­gen: „Ja, der Fan-Dia­log ist auf Initia­ti­ve di­ver­ser Fan­grup­pen ent­stan­den, da­für müs­sen wir dank­bar sein. Ich kann im Mo­ment nur ver­si­chern, dass wir es ehr­lich mei­nen. Wir wis­sen, dass vie­les auf der Stre­cke ge­blie­ben ist und wol­len es bes­ser ma­chen. Das müs­sen wir jetzt be­wei­sen – mes­sen Sie uns an un­se­ren Ta­ten.“

Es gab noch et­li­che an­de­re The­men und im De­tail auch die ei­ne oder an­de­re Neu­ig­keit. In Kür­ze: Laut Weh­lend war­tet man auf ei­nen vom DFB schon für den 4. Mai avi­sier­ten Be­scheid, nach­dem der VfL ge­gen den ers­ten Be­scheid Be­schwer­de ein­ge­legt hat. Die Li­qui­di­täts­re­ser­ve liegt bei 800000 Eu­ro, der VfL geht von der Li­zenz­er­tei­lung un­ter ähn­li­chen Auf­la­gen und Be­din­gun­gen aus wie vor ei­nem Jahr.

Der Ge­schäfts­füh­rer ver­kün­de­te au­ßer­dem, dass in die­ser Wo­che die Ein­tra­gung der ers­ten vier In­ves­to­ren als Kom­man­dit-Ak­tio­nä­re beim Han­dels­re­gis­ter be­an­tragt wor­den ist; die Gre­mi­en sei­en in­for­miert, so­bald die „be­kann­ten Un­ter­neh­men und die ho­no­ri­gen Pri­vat­leu­te, die den VfL schon seit vie­len Jah­ren un­ter­stüt­zen“der öf­fent­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on zu­ge­stimmt hät­ten, wer­de es ei­ne ent­spre­chen­de Mit­tei­lung des Ver­eins ge­ben.

Weh­lend leg­te auch ein Be­kennt­nis zur wei­te­ren Zu­sam­men­ar­beit mit Lothar Gans, der ei­nen un­be­fris­te­ten Ver­trag mit dem VfL hat. „Er ist der letz­te, der an sei­nem Stuhl klebt“, sag­te der Ge­schäfts­füh­rer. „Wir brau­chen ihn. Er wird nächs­tes Jahr 65, und wol­len den Über­gang mit ihm ge­mein­sam ge­stal­ten.“Weh­lend deu­te­te an, dass Te­am­ma­na­ger Ju­li­us Oh­ne­sor­ge in ei­ne Nach­fol­ge hin­ein­wach­sen kön­ne. Ab­ge­se­hen vom Ein­ge­ständ­nis kom­mu­ni­ka­ti­ver Schwach­punk­te gab es zu den Fra­gen zur Auf­lö­sung der U21 und zur Dau­er des neu­en Ver­trags mit Enochs kei­ne neu­en Ar­gu­men­te.

Über 30 von ge­schätzt 120 Fra­gen wur­den be­ant­wor­tet, es gab auf kei­ner Sei­te Bös­wil­lig­kei­ten, son­dern ei­ne en­ga­gier­te De­bat­te. Mehr als ein An­fang kann es nicht ge­we­sen sein, denn das Be­dürf­nis der Fans nach di­rek­ter, of­fe­ner und glaub­wür­di­ger Kom­mu­ni­ka­ti­on mit der VfL-Füh­rung ist un­ver­än­dert groß. Ob der Abend ge­reicht hat, dass die Fans der haupt­amt­li­chen und eh­ren­amt­li­chen Füh­rung in die­ser Hin­sicht noch ei­ne Ver­trau­en­sChan­ce ge­ben, wird sich erst in den nächs­ten Mo­na­ten zei­gen. Wenn, dann ist es wohl die letz­te.

Erst nach drei St­un­den war der Re­de­be­darf bei über hun­dert Gäs­ten im VIPRaum ge­stillt. Das Vi­deoS­trea­m­ing auf YouTube und Face­book lief tech­nisch ein­wand­frei und steht seit dem En­de der Ver­an­stal­tung zum An­se­hen be­reit.

Foto: Hel­mut Kem­me

Drei St­un­den stell­ten sich Ge­schäfts­füh­rer Jür­gen Weh­lend und Trai­ner Joe Enochs den Fans.

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