„Ha­ben den Guar­dio­la des Rin­gens“

SV At­ter freut sich über Pro­fi-Trai­ner aus dem Irak – In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport Regional -

Sie rin­gen mit­ein­an­der – und ein biss­chen auch mit ih­rem Schick­sal. Doch beim SV At­ter ha­ben vie­le Flücht­lin­ge nicht nur sport­lich ei­ne Hei­mat ge­fun­den.

Von Jo­han­nes Zen­ker

OS­NA­BRÜCK. Amer Ibra­him Ali stammt aus dem Irak. Weil er dort der christ­li­chen Min­der­heit an­ge­hört ha­be, sei er von Ter­ro­ris­ten be­droht wor­den, er­zählt der 37-Jäh­ri­ge. Sei­ne Frau und sei­ne Toch­ter le­ben da­her mitt­ler­wei­le im Iran. Mit ih­nen hat er seit sei­ner Flucht vor drei Jah­ren nur noch Kon­takt über das In­ter­net.

In der Turn­hal­le der Grund­schu­le Evers­burg ver­gisst Amer sei­ne Sor­gen ein we­nig. Seit er vor ei­nem hal­ben Jahr nach Deutsch­land ge­kom­men ist, en­ga­giert er sich beim SV At­ter als sport­li­cher Lei­ter der Rin­ger­ab­tei­lung und trai­niert Ju­gend­li­che wie Er­wach­se­ne. „Er ist für uns der Pep Guar­dio­la des Rin­gens“, schwärmt Mark Dör­ner.

Amer ha­be im Irak zum Trai­ner­stab der Na­tio­nal­mann­schaft ge­hört. Ent­spre­chend pro­fes­sio­nell sei das Trai­ning. „Amer ist zwar äl­ter als ich, aber ich ler­ne je­des Mal et­was da­zu“, staunt Dör­ner, der die Rin­ger­ab­tei­lung einst ins Le­ben ge­ru­fen hat. Der Ira­ker wür­de, wie in sei­ner Hei­mat üb­lich, viel wert auf Kör­per­be­herr­schung und Turn­übun­gen le­gen. „Ich ha­be noch nie so vie­le Pur­zel­bäu­me und

Hand­stän­de ge­macht wie im ver­gan­ge­nen hal­ben Jahr“, sagt Dör­ner und lacht.

Die­ser Fo­kus auf die Ver­bes­se­rung der mo­to­ri­schen Fä­hig­kei­ten sei auch ein gro­ßer Plus­punkt, wenn er in Schu­len für das Rin­gen wer­be. „Vie­le Kin­der kön­nen nicht mal auf ei­nem Bein ste­hen. Bei Amer ler­nen sie das als Grund­la­ge, um gu­te Rin­ger zu wer­den“, so Dör­ner.

Zwei­mal pro Wo­che trai­nie­ren so­wohl die Ju­gend­li­chen als auch die Er­wach­se­nen.

Ins­ge­samt zählt die Rin­ger­ab­tei­lung rund 20 Mit­glie­der. Vie­le Teil­neh­mer sind Flücht­lin­ge aus dem Irak oder Af­gha­nis­tan, wo Rin­gen ei­nen ähn­li­chen Stel­len­wert ge­nießt wie hier­zu­lan­de der Fuß­ball. „Ich hof­fe, dass noch viel mehr Jun­gen und Mäd­chen zu uns kom­men“, sagt Amer und er­gänzt: „Es ist mein Traum, in Os­na­brück ein gro­ßes Rin­ger-Team auf­zu­bau­en.“

Bei die­sen Wor­ten wird der Ira­ker et­was ru­hi­ger. Sein

Asyl­an­trag ist ge­ra­de ab­ge­lehnt wor­den, sei­ne Zu­kunft scheint un­ge­wiss. In sol­chen Mo­men­ten ver­la­gert Dör­ner den Kampf von der Mat­te hin­aus ins Le­ben: „Er hat mir Vi­de­os von der Ge­walt ge­zeigt, die ihm in sei­ner Hei­mat droht. Ich ver­su­che al­les, um ihm zu hel­fen.“

Auch sonst hilft Dör­ner den Rin­gern beim Ler­nen der deut­schen Spra­che oder ih­ren Asyl­ver­fah­ren. Auf­grund der in­te­gra­ti­ven Leis­tung ist der SV At­ter Teil des Pro­gramms

„In­te­gra­ti­on durch Sport“, das vom Deut­schen Olym­pi­schen Sport­bund ge­för­dert wird. Dar­über konn­ten die Rin­ger auch ei­nen Groß­teil ih­rer neu­en, 5500 Eu­ro teu­ren Wett­kampf­mat­te fi­nan­zie­ren. Auf ihr wol­len sie sich nun erst­mals auf Meis­ter­schaf­ten und Tur­nie­re vor­be­rei­ten. „Das wird un­se­rer Ab­tei­lung be­stimmt ei­nen Schub ge­ben. Schließ­lich möch­te sich je­der Sport­ler auch mit an­de­ren mes­sen“, sagt Dör­ner.

Spaß auf der Mat­te: Amer Ibra­him Ali ringt mit Ta­her Sali­mi, der in Af­gha­nis­tan auf ho­hem Ni­veau kämpf­te. Foto: Eg­mont Sei­ler

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