Wel­che Zu­kunft hat der HSV?

Per­spek­ti­ven des Ver­eins bei Ab­stieg und Klas­sen­er­halt – Todt: Re­le­ga­ti­on ab­schaf­fen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Der HSV gilt als un­ab­steig­bar – doch vie­le wün­schen dem oft zu ar­ro­gant da­her­kom­men­den Bun­des­li­ga-Grün­dungs­mit­glied den Gang in Li­ga zwei. Aber was dann?

Von Brit­ta Kör­ber und Tho­mas Prü­fer

Mit dem Ruf „Nie­mals Zwei­te Li­ga“ma­chen sich die HSV-Fans der­zeit selbst Mut. Vie­les deu­tet aber dar­auf hin, dass die Sta­di­onuhr des Ham­bur­ger SV am En­de der 53. Bun­des­li­ga­Sai­son end­gül­tig ste­hen blei­ben könn­te. Und es wer­den im­mer mehr, die den Nord­deut­schen den Gang ins Un­ter­haus wün­schen. Zu vie­le Mil­lio­nen Eu­ro ha­be der Ver­ein in den ver­gan­ge­nen Jah­ren für Spie­ler, Sport­chefs und Trai­ner aus­ge­ge­ben. Wie 2014 und 2015 droht die Re­le­ga­ti­on ge­gen den Zweit­li­gaD­rit­ten.

Nicht nur St.-Pau­li-Fans wün­schen dem Tra­di­ti­ons­club, dass er nicht er­neut da­von­kommt. „Die Ham­bur­ger

wa­ren vor vie­len Jah­ren mal mei­ne Lieb­lings­mann­schaft, aber dies­mal wün­sche ich ih­nen den Ab­stieg. Wer sich so er­gibt wie beim 0:4 in Augs­burg, der hat die Bun­des­li­ga

ein­fach nicht mehr ver­dient“, sag­te Ex-Trai­ner Edu­ard Gey­er kürz­lich. Kri­ti­ker füh­ren an, dass der Bun­des­li­ga-Etat von mehr als 50 Mil­lio­nen Eu­ro seit Jah­ren zu hoch ist. Auch die Aus­glie­de­rung der Fuß­ball-AG ha­be nichts ge­bracht – In­ves­to­ren blie­ben Man­gel­wa­re. Ein Neu­an­fang müss­te be­schei­de­ner aus­fal­len. Zu­min­dest Groß­ver­die­ner wie Re­né Ad­ler und Pier­re-Mi­chel La­sog­ga dürf­ten dann schnell weg sein.

Mit dem Aus­wärts­spiel am Sams­tag beim FC Schal­ke 04 und der letz­ten He­im­par­tie ge­gen den VfL Wolfs­burg steu­ert der HSV mit sei­nen bis­her 34 Punk­ten und ei­nem ka­ta­stro­pha­len Tor­ver­hält­nis auf die er­neu­te Re­le­ga­ti­on zu. Auf Schal­ke fehlt Ab­wehr­chef Mer­gim Mav­raj we­gen ei­ner Gelb­sper­re, Jo­han Djou­rou als mög­li­cher Er­satz aber bleibt sus­pen­diert. Ein Feh­ler von Markus Gis­dol? Der Trai­ner woll­te ein Zei­chen set­zen, nach au­ßen wirk­te es aber über­trie­ben und könn­te sich rä­chen.

Die Er­fah­rung, den Ab­stiegs­kampf zu­vor schon mit weit schlech­te­ren Ka­dern be­stan­den zu ha­ben, spricht für den HSV. Er­neut müs­sen die Spie­ler die Ner­ven be­hal­ten, da­mit sich der fi­nan­zi­ell an­ge­schla­ge­ne Tra­di­ti­ons­club auf Dau­er kon­so­li­die­ren kann. Oh­ne die üp­pi­gen TVGel­der dro­hen im Un­ter­haus schwe­re Zei­ten. Wahr­schein­lich ist, dass der Ver­ein sich so oder so er­neut bei KlausMicha­el Küh­ne fri­sches Geld be­sorgt und so ver­stärkt, dass er nicht er­neut in Ab­stiegs­ge­fahr ge­rät. Oder im Fall des Fal­les die Chan­ce hat, gleich wie­der auf­zu­stei­gen. An­teils­eig­ner und In­ves­tor Küh­ne ließ of­fen, ob er auch ei­nen Zweit­li­gis­ten HSV un­ter­stützt. „Ich will das nicht aus­schlie­ßen. Und ich weiß, dass man das von mir er­war­tet. Aber ich will ab­war­ten, wie die Sai­son ver­läuft“, sag­te er.

Men­tal­coach Olaf Kort­mann warnt oh­ne­hin: „Es ist ein Irr­glau­be zu den­ken, wenn ei­ne Mann­schaft ab­steigt, dass sie sich kon­so­li­die­ren kann. Das kann vi­el­leicht in ei­ner Kle­in­stadt pas­sie­ren, aber nicht in ei­ner gro­ßen Stadt. Der HSV hat so vie­le Schul­den, dass er die in der 2. Li­ga nie­mals ab­tra­gen könn­te.“

Sport­di­rek­tor Jens Todt hat sich in­des er­neut ge­gen die Re­le­ga­ti­on aus­ge­spro­chen. „Na­tür­lich ist die Re­le­ga­ti­on für die Fans ei­ne span­nen­de Sa­che. Aber ich bin ge­ne­rell da­für, sie ab­zu­schaf­fen“, sag­te er der „Bild“-Zei­tung. 2015 war er noch als Ma­na­ger des Zweit­li­gis­ten Karls­ru­her SC am HSV ge­schei­tert. „Wenn man als Zweit­li­gist ei­ne rich­tig gu­te Sai­son spielt und dann so knapp schei­tert, ist das ex­trem bit­ter“, er­klär­te Todt.

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