Job­ti­cket nimmt Fahrt auf

Bus­fah­ren zum Su­per­spar­preis: Nach­fra­ge bei Fir­men und Ar­beit­neh­mern wächst

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - Mit wel­chen Ti­ckets Se­nio­ren und Fa­mi­li­en in Os­na­brück am güns­tigs­ten Bus fah­ren, le­sen Sie bei uns im In­ter­net auf noz.de/os.

Kein ÖPNV-Abo in Os­na­brück ist preis­wer­ter als das Job­ti­cket. Im bes­ten Fall kos­tet es Ar­beit­neh­mer we­ni­ger als ei­nen Eu­ro am Tag. Trotz­dem ma­chen Fir­men von dem An­ge­bot nur zö­ger­lich Ge­brauch. Die Stadt­wer­ke se­hen „ho­hes Stei­ge­rungs­po­ten­zi­al“.

Von Se­bas­ti­an Stri­cker

OS­NA­BRÜCK. Das Job­ti­cket (frü­her Fir­men-Abo) gibt es in Os­na­brück schon seit 17 Jah­ren. Doch rich­tig durch­ge­setzt hat sich die güns­tigs­te al­ler Dau­er­kar­ten für den Bus noch nicht, wie kürz­lich beim zwei­ten Mo­bi­li­täts­fo­rum fest­ge­stellt wur­de. In der Tat wa­ren es En­de 2016 ge­ra­de ein­mal gut zwei Dut­zend Ar­beit­ge­ber, die ih­ren Mit­ar­bei­tern dank Fahrt­kos­ten­zu­schuss zum Su­per­spar­ta­rif ver­hal­fen.

Vor Kur­zem ha­ben die Stadt­wer­ke Os­na­brück des­halb ei­nen Schlüs­sel­kun­den­be­treu­er auf das The­ma an­ge­setzt. Au­ßer­dem wur­de das An­ge­bot fle­xi­bler ge­stal­tet. Mit Er­folg: In­zwi­schen ver­fü­gen be­reits 31 Fir­men über ei­nen Job­ti­cket-Ver­trag mit dem kom­mu­na­len Ver­kehrs­be­trieb. Ei­ne stär­ke­re Nach­fra­ge als in den ers­ten Mo­na­ten die­ses Jah­res ha­be es nie ge­ge­ben, sagt Spre­che­rin Kat­ja Diehl.

Doch die Stadt­wer­ke wol­len mehr. „Wir se­hen bei die­sem Pro­dukt ho­hes Stei­ge­rungs­po­ten­zi­al“, so Diehl wei­ter. Kon­kre­te Zah­len be­hal­te das Un­ter­neh­men aber lie­ber für sich. So bleibt bei­spiels­wei­se un­klar, wie vie­le Ar­beit­neh­mer in Os­na­brück ins­ge­samt das Job­ti­cket über ih­re Fir­ma in An­spruch neh­men. Nur so viel lässt sich die Stadt­wer­ke-Spre­che­rin ent­lo­cken: Von den tat­säch­li­chen Nut­zern le­ben zwei Drit­tel in der Stadt und ein Drit­tel au­ßer­halb.

Be­son­ders güns­tig ist ein Job­ti­cket für al­le, die in Os­na­brück oder Belm woh­nen und ar­bei­ten. 29,80 Eu­ro kos­tet es im Mo­nat in der hier gel­ten­den Preis­stu­fe 0. Ein Mo­nat­sti­cket ist fast dop­pelt so teu­er. Mög­lich wird die Er­spar­nis durch Ko­fi­nan­zie­rung: Gibt ein Ar­beit­ge­ber pro Stück min­des­tens zehn Eu­ro da­zu, er­hö­hen auch die

Stadt­wer­ke ih­ren Ra­batt um gut zehn Pro­zent.

Her­aus kommt ein per­sön­li­cher Fahr­schein, der knapp 14 Eu­ro güns­ti­ger ist als das Ba­sis-Abo, aber das­sel­be leis­tet. So gilt das Job­ti­cket bei ein­jäh­ri­ger Min­dest­lauf­zeit an al­len Ta­gen rund um die Uhr. Und an Wo­che­n­en­den und Fei­er­ta­gen kön­nen bei­spiels­wei­se auch ein Er­wach­se­ner

so­wie fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge Kin­der mit­ge­nom­men wer­den.

Aber auch für Ar­beit­ge­ber bie­te das Job­ti­cket vie­le Vor­tei­le, wer­ben die Stadt­wer­ke. Mit­ar­bei­ter sei­en mit öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln si­che­rer und ent­spann­ter un­ter­wegs als mit dem ei­ge­nen Au­to. Für Kun­den wür­den Park­plät­ze frei, au­ßer­dem leis­te die Fir­ma ei­nen Bei­trag zum Kli­ma­schutz. Nicht zu­letzt könn­ten Ar­beit­ge­ber ih­ren Fahrt­kos­ten­zu­schuss im Re­gel­fall als steu­er- und ab­ga­ben­frei­en Sach­be­zug gel­tend ma­chen.

Um das Job­ti­cket in der hei­mi­schen Wirt­schaft be­kann­ter zu ma­chen, sol­len nun ver­stärkt Be­triebs- und Per­so­nal­rä­te an­ge­spro­chen wer­den. Da­bei set­zen die Stadt­wer­ke – wie beim ers­ten Mo­bi­li­täts­fo­rum im De­zem­ber ver­ein­bart – auf die Hil­fe von Gie­se­la Bran­des-Steg­ge­w­entz, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der Lin­ken im Rat. „Das Job­ti­cket ist ein gu­ter An­satz, um den ÖPNV in Os­na­brück und der Re­gi­on zu stär­ken. Als Ge­werk­schaf­te­rin kann ich das nur un­ter­stüt­zen“, er­klärt die Ver­di-Funk­tio­nä­rin.

Zwei Ar­beit­ge­ber, die sich ge­ra­de erst vom An­ge­bot über­zeu­gen lie­ßen, sind die Os­na­brück-Hal­le und das Se­nio­ren­heim Hey­win­kelHaus. War­um sie sich für das Job­ti­cket ent­schie­den ha­ben? „Aus­schlag­ge­bend war für uns die Ein­rich­tung des An­woh­ner­par­kens am Wes­ter­berg im April“, sagt Se­nio­ren­heim-Ge­schäfts­füh­rer Eckhard Kal­lert. Das Per­so­nal fin­de jetzt nicht mehr ge­nü­gend na­he Park­plät­ze, Al­ter­na­ti­ven zum Au­to sei­en des­halb ge­fragt. Und so hät­ten zum Job­ti­cket-Start im Mai be­reits 18 von 118 Mit­ar­bei­tern ein sol­ches Abon­ne­ment ge­or­dert.

Bei der Os­na­brück-Hal­le, wo es das Job­ti­cket ab Ju­ni gibt, ma­chen auf An­hieb 2 von 40 Mit­ar­bei­tern mit. „Wir en­ga­gie­ren uns viel­fäl­tig für nach­hal­ti­ges Han­deln“, er­klärt Per­so­nal­lei­te­rin Anne Ue­ker­mann. Der Fahr­schein sei ei­ne „idea­le Er­gän­zung“zum Stadt­teil­au­to, des­sen An­ge­bot man eben­falls nut­ze. Die Sub­ven­tio­nie­rung des Job­ti­ckets ist bei der Os­na­brück-Hal­le üb­ri­gens be­son­ders hoch: Laut Ue­ker­mann trägt der Ar­beit­ge­ber bei­spiels­wei­se deut­lich mehr als 50 Pro­zent des Ti­cket­prei­ses in der Preis­stu­fe 0. Zu­dem kön­nen die Mit­ar­bei­ter güns­tig Part­ner­ta­ri­fe hin­zu­bu­chen.

Foto: Se­bas­ti­an Stri­cker

Bil­li­ger geht’s nicht: 31 Fir­men bie­ten in Os­na­brück ih­ren Mit­ar­bei­tern be­reits ein Job­ti­cket an – Ten­denz stei­gend. Der stark sub­ven­tio­nier­te Abo-Fahr­schein für den öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr bie­tet al­len Be­tei­lig­ten Vor­tei­le.

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