Ge­walt­ver­bre­chen nicht er­kannt: Not­arzt in der Kri­tik

Land­ge­richt Lands­hut setzt Tot­schlag­pro­zess ge­gen Os­na­brü­cker Gy­nä­ko­lo­gie­pro­fes­sor fort

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - Was die Ret­tungs­kräf­te als Zeu­gen sag­ten, le­sen Sie auf noz.de/os.

OS­NA­BRÜCK/

LANDS­HUT. Im Tot­schlag­pro­zess ge­gen ei­nen Frau­en­arzt aus Os­na­brück ha­ben am vier­ten Ver­hand­lungs­tag Ret­tungs­kräf­te und Not­arzt vor dem Land­ge­richt Lands­hut aus­ge­sagt. Wie schon die Po­li­zei muss­ten auch sie er­klä­ren, war­um sie das Ge­walt­ver­bre­chen nicht er­kannt hat­ten.

Wie die Zeu­gen­be­fra­gung er­gab, wa­ren al­le von ei­nem töd­li­chen Sturz der Ehe­frau des An­ge­klag­ten aus­ge­gan­gen. Be­son­de­re Kri­tik muss­te sich der Not­arzt ge­fal­len las­sen, der da­mals den To­ten­schein aus­ge­stellt hat­te. In An­be­tracht der Tat­ort­fo­tos räum­te der 42-Jäh­ri­ge ein, die Si­tua­ti­on völ­lig falsch ein­ge­schätzt zu ha­ben: „Es wun­dert mich, was ich da so al­les aus­ge­blen­det ha­be.“

Der Not­arzt war wie zu­nächst auch die Po­li­zei da­von aus­ge­gan­gen, dass die 60Jäh­ri­ge, die er am 4. De­zem­ber 2013 ge­gen 19.15 Uhr im Ba­de­zim­mer ei­nes Er­din­ger Rei­hen­hau­ses vor­ge­fun­den hat­te, durch ei­nen häus­li­chen Un­fall ums Le­ben ge­kom­men war. Erst die rechts­me­di­zi­ni­sche Un­ter­su­chung der mit Blut­er­güs­sen über­sä­ten Lei­che am Fol­ge­tag hat­te er­ge­ben, dass es sich um ein Ge­walt­de­likt han­del­te. Laut Staats­an­walt­schaft soll der 57-jäh­ri­ge Me­di­zin­pro­fes­sor aus Os­na­brück sei­ne Frau um­ge­bracht ha­ben. Die Ers­te Straf­kam­mer hat­te ihn von die­sem Vor­wurf im Ja­nu­ar 2015 frei­ge­spro­chen. Weil aber der Bun­des­ge­richts­hof das Ur­teil ein­kas­siert hat, wird der Fall seit En­de April vor der Sechs­ten Straf­kam­mer neu auf­ge­rollt.

Wür­ge­ma­le über­se­hen

Der rechts­me­di­zi­ni­sche Sach­ver­stän­di­ge Wolf­gang Keil er­klär­te jetzt vor Ge­richt, es sei ihm un­ver­ständ­lich, wie der Not­arzt die Wür­ge­ma­le am Hals der To­ten über­se­hen konn­te. Ei­ne Ob­duk­ti­on sei ganz klar an­zu­ord­nen ge­we­sen. Aber da der Tod der Frau au­gen­schein­lich ge­we­sen sei, ha­be der Not­arzt ih­re Lei­che wohl nicht wei­ter un­ter­sucht.

Der Not­arzt gab an, et­wa durch Puls­füh­len und Prü­fung der Lei­chen­star­re vor­schrifts­ge­mäß den Tod der Frau fest­ge­stellt zu ha­ben. Da­nach ha­be er an­ge­ord­net, dass nie­mand mehr das Bad be­tre­ten und die Po­li­zei ge­ru­fen wer­den sol­le, weil es sich eben um ei­ne un­ge­klär­te To­des­ur­sa­che ge­han­delt ha­be. Er sei von ei­nem Sturz­ge­sche­hen aus­ge­gan­gen. „Aber aus heu­ti­ger Sicht wür­de ich die Si­tua­ti­on na­tür­lich an­ders ein­schät­zen.“

Über den An­ge­klag­ten, der da­mals im Bad auf dem Bo­den ge­ses­sen ha­be, sag­te der Not­arzt: „Für ei­nen Me­di­zi­ner war sein Ver­hal­ten nicht ganz nach­voll­zieh­bar.“Selt­sam ha­be er es auch ge­fun­den, dass je­mand, der selbst Arzt sei, nicht Ers­te Hil­fe leis­te, wenn er sei­ne Frau le­b­los vor­fin­de, son­dern statt­des­sen zum Nach­barn lau­fe.

Der Pro­zess wird am 12. Mai fort­ge­setzt.

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