An­ge­klag­te ent­schul­digt sich bei Ärz­tin

22-Jäh­ri­ge steht wei­ter we­gen Mord­ver­suchs vor Ge­richt – Jun­ge Frau woll­te Ma­ri­en­hos­pi­tal an­zün­den

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Im Pro­zess ge­gen ei­ne 22-Jäh­ri­ge aus Ge­orgs­ma­ri­en­hüt­te hat vor dem Land­ge­richt Os­na­brück die Ärz­tin aus­ge­sagt, die nach dem Wil­len der An­ge­klag­ten ei­nem Kran­ken­haus­brand zum Op­fer fal­len soll­te.

Sicht­lich ver­schüch­tert war die 55-jäh­ri­ge Ärz­tin, die am zwei­ten Ver­hand­lungs­tag mit lei­ser und brü­chi­ger Stim­me sprach und dar­um bat, ih­ren Wohn­ort nicht nen­nen zu müs­sen. Die Dia­be­to­lo­gin hat of­fen­bar Angst vor wei­te­ren Nach­stel­lun­gen.

Laut An­kla­ge hat ih­re ehe­ma­li­ge Pa­ti­en­tin, ei­ne 22Jäh­ri­ge aus Ge­orgs­ma­ri­en­hüt­te, am 17. Ok­to­ber des ver­gan­ge­nen Jah­res ver­sucht, die Ärz­tin zu tö­ten. Die mut­maß­lich in­tel­li­genz­ge­min­der­te und mög­li­cher­wei­se an ei­ner psy­cho­ti­schen Stö­rung lei­den­de An­ge­klag­te woll­te zu die­sem Zweck das Ma­ri­en­hos­pi­tal in Flam­men set­zen. Ih­re of­fen­bar reich­lich hilf­lo­se Zün­de­lei in der Kran­ken­haus­ka­pel­le und in ei­nem Flur führte aber glück­li­cher­wei­se nur zu ei­nem mi­ni­ma­len Sach­scha­den. Zu Scha­den kam nie­mand.

Die An­ge­klag­te hat­te die Tat am ers­ten Ver­hand­lungs­tag ge­stan­den. Die jun­ge Frau gab an, wäh­rend ei­nes Auf­ent­hal­tes im Ma­ri­en­hos­pi­tal im ver­gan­ge­nen Jahr bei ei­nem Spa­zier­gang ver­ge­wal­tigt wor­den zu sein. Ih­re be­han­deln­de Ärz­tin ha­be ihr das aber nicht ge­glaubt, was sie wü­tend ge­macht ha­be. Die 55-jäh­ri­ge Ober­ärz­tin be­stä­tig­te das in ih­rer Zeu­gen­aus­sa­ge, nach­dem die An­ge­klag­te sie auf An­ra­ten ih­res Ver­tei­di­gers von der Schwei­ge­pflicht ent­bun­den hat­te. „Ich hat­te gro­ße Zwei­fel, ich ha­be das eher für ei­ne Über­tra­gung aus ei­ner an­de­ren Si­tua­ti­on ge­hal­ten.“Ein­schrän­kend sag­te die Ärz­tin aber auch: „Al­ler­dings gibt es nichts, was es nicht gibt.“

Noch wü­ten­der mach­te die 22-Jäh­ri­ge da­mals aber, dass ih­re Ärz­tin sie an­geb­lich ins Ame­os-Kli­ni­kum zwangs­ein­ge­wie­sen ha­be. Die Dia­be­to­lo­gin wi­der­sprach dem. Sie gab an, der jun­gen Frau nach ei­nem Gespräch über ei­ne Ver­ge­wal­ti­gung in ih­rer Te­enager­zeit le­dig­lich da­zu ge­ra­ten zu ha­ben, in dem Fach­kran­ken­haus Hil­fe zu su­chen. Ein­ge­wie­sen wor­den war die An­ge­klag­te dann aber trotz­dem. An die­ser Ent­schei­dung sei sie al­ler­dings gar nicht be­tei­ligt ge­we­sen, son­dern ein an die­sem Tag zu­stän­di­ger Kol­le­ge, be­ton­te die Zeu­gin.

Be­fragt nach dem Ver­hal­ten der An­ge­klag­ten wäh­rend ih­res drei­tä­gi­gen Auf­ent­hal­tes im Ma­ri­en­hos­pi­tal, schil­der­te die Ärz­tin ei­ne mas­siv re­ni­ten­te Pa­ti­en­tin. Die jun­ge Frau sei mehr­fach mit bren­nen­den Ker­zen aus der Ka­pel­le über die Sta­ti­on ge­lau­fen, sie sei re­gel­mä­ßig nicht zur Blut­ab­nah­me er­schie­nen, ha­be in ih­rem Zim­mer ran­da­liert und bei ei­ner Un­ter­su­chung in der Neu­ro­lo­gie ei­nen 2000 Eu­ro teu­ren Sen­der von ih­rem Kopf ent­fernt und in den Müll ge­wor­fen.

Am En­de der Sit­zung bat der Ver­tei­di­ger dar­um, sei­ne Man­dan­tin ei­nen an die Ärz­tin ge­rich­te­ten Brief vor­le­sen zu las­sen. Der In­halt des Briefs lau­te­te: „Es tut mir leid, was ich Sie an­ge­tan ha­be. Ich be­reue die gan­ze Sa­che, des­halb möch­te ich mich bei Ih­nen ent­schul­di­gen.“Auf die Fra­ge des Vor­sit­zen­den Rich­ters, ob die Ärz­tin die Ent­schul­di­gung an­neh­me, ant­wor­te­te die­se knapp mit „Ja“.

Die Ver­hand­lung wird fort­ge­setzt. Dreh- und An­gel­punkt des Pro­zes­ses dürf­te die Fra­ge nach der Schuld­fä­hig­keit der An­ge­klag­ten sein, die laut ei­nem Arzt­be­richt aus der Ame­os-Kli­nik am Bor­der­li­ne-Syn­drom er­krankt ist und wo­mög­lich au­ßer­dem un­ter ei­ner psy­cho­ti­schen Stö­rung lei­det.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.